Hamburg  Wissenschaftler will nicht fliegen – Droht jetzt der Rauswurf bei Institut in Kiel?

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 04.10.2023 11:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Giancarlo Grimalda wurde bekannt, als er in der Autostadt von VW in Wolfsburg vor Autos klebte. Jetzt droht dem Wissenschaftler nach eigener Aussage der Rauswurf bei seinem Arbeitgeber in Kiel. Foto: Isaac Perales
Giancarlo Grimalda wurde bekannt, als er in der Autostadt von VW in Wolfsburg vor Autos klebte. Jetzt droht dem Wissenschaftler nach eigener Aussage der Rauswurf bei seinem Arbeitgeber in Kiel. Foto: Isaac Perales
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Was sollte man für seine Überzeugungen und den Klimaschutz opfern? Der Wissenschaftler Gianluca Grimalda jedenfalls riskiert offenbar seinen Job in Kiel, auch, weil er kein Flugzeug besteigen will.

Der promovierte Ökonom Grimalda ist derzeit auf einer Forschungsreise in Papua-Neuguinea. Und wenn es nach seinem Arbeitgeber geht, hätte er am Sonntag ein Flugzeug genommen, um am Montag wieder an seinem Arbeitsplatz im Kieler Institut für Weltwirtschaft zu sein.

So jedenfalls berichtete es Grimalda auf Twitter, und so berichtet er es auch uns auf Anfrage. Sein Arbeitgeber habe ihm mit Kündigung gedroht, sollte er am Montag nicht wieder da sein – und zudem das September-Gehalt nicht überwiesen.

Das freilich könnte noch einen anderen Grund haben: Wie Grimalda zugibt, hätte er seine Forschungsreise schon vor zwei Monaten abschließen sollen. Er hat also überzogen – und will nun per Schiff den langsamen und beschwerlichen Rückweg nach Kiel antreten. Denn ein Flugzeug kommt für ihn keinesfalls in Frage: Grimalda engagiert sich bei Scientist Rebellion, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern analog zu den radikalen Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion”. Der Klimawandel ist Grimalda ein so ernstes Anliegen, dass er dafür sogar seinen Job riskiert.

Der Klimawandel ist das eine. Das deutsche Arbeitsrecht das andere. Grimaldas Arbeitgeber, das Kieler Institut für Weltwirtschaft, gibt sich indessen auf Anfrage schmallippig: „Das IfW Kiel äußert sich zu internen Personalangelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. Ein Institutssprecher betont allerdings: „Bei Dienstreisen unterstützt das Institut seine Beschäftigten, klimafreundlich zu reisen.“

Tatsächlich ist auch Grimalda schon per „Slow Travel”, so nennt sich die langsamere, aber klimafreundlichere Alternative zum Fliegen, auf Forschungsreisen unterwegs gewesen – offenbar gebilligt von seinem Institut.

Der Ökonom will nun statt mit dem Flugzeug per Frachtschiff und Fähre zurückkehren. Einwänden, ein mit Schweröl betriebener Containerriese sei auch nicht gerade klimafreundlich, begegnet er so: Untersuchungen zufolge sei der CO2-Ausstoß pro Passagier auch bei Frachtschiffen immer noch niedriger als bei Flugzeugen. Allein der benötigte Treibstoff, das Flugzeug in die Luft und wieder herunterzubringen, entfalle ja bei Schiffen.

Bekannt geworden war Grimalda bereits vor einigen Monaten als er sich in der Autostadt Wolfsburg bei Volkswagen festklebte. Sein damaliges Fazit: „Wir haben gezeigt, wie ernst es uns ist und welchen Einsatz wir zu leisten bereit sind.“

Lesen Sie hier ein Interview mit Grimalda zur Aktion bei Volkswagen

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