Berlin  Pressekonferenz nur für Frauen: SPD macht Wahlkampf wieder spannend!

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 30.09.2023 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Beim Wahlkampf-Auftritt in Baunatal herzt SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser Bundeskanzler Olaf Scholz. Bei ihrer Pressekonferenz an diesem Samstag sind Männer aber unerwünscht. Ist das Diskriminierung? Foto: www.imago-images.de
Beim Wahlkampf-Auftritt in Baunatal herzt SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser Bundeskanzler Olaf Scholz. Bei ihrer Pressekonferenz an diesem Samstag sind Männer aber unerwünscht. Ist das Diskriminierung? Foto: www.imago-images.de
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Vor der Landtagswahl in Hessen am 8. Oktober liegt die SPD mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser als Spitzenkandidatin weit hinter der CDU. Kann eine ungewöhnliche Pressekonferenz an diesem Samstag das Blatt noch wenden? Das konservative Lager ist alarmiert.

Über einen „Anschlag auf die Freiheit der Presse“ zürnte der Vorsitzende der Landespressekonferenz Hessen, Ewald Hetrodt, hauptamtlich landespolitischer Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Ex-AfD-Vize Georg Pazderski erklärt Hessens SPD-Spitzenkandidatin und Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf der Plattform X, vormals Twitter, sogar zur „ernsthaften Gefahr für unsere Demokratie“.

Was war geschehen? Faesers Hessen-SPD hat für diesen Samstag nicht nur zu einer rein weiblichen Main-Schifffahrt mit Faeser und den SPD-Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer, Anke Rehlinger und Manuela Schwesig geladen. „Mit Blick auf die ausschließlich weiblichen Gäste der Schifffahrt fänden wir es thematisch stimmig, wenn auch die Presseplätze mit Frauen besetzt würden“, heißt es in der Einladung. Männliche Journalisten würden zwar „nicht abgewiesen“, aber sind eben auch nicht gerade erwünscht.

Der Wunsch nach Frauenpower pur wäre angesichts des wenig spektakulären Anlasses und der Zeit am Samstagnachmittag weitgehend unbemerkt geblieben, hätte eine Agenturmeldung mit dem „Anschlags“-Zitat des FAZ-Journalisten nicht bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und sogar Schweizer Medien beschäftigt.

Manche empörten Reaktionen auf X und Co. lassen dabei ein merkwürdiges Frauenbild durchscheinen. „Mad Maxl“ etwa unterstellt als Motiv, dass sich Frauen „besser einlullen lassen als Männer“, als gäbe es keine Marietta Slomka, Sandra Maischberger oder Anne Will.

Der Deutsche Journalistenverband stimmt jedenfalls nicht ein ins Gezeter – sondern gratuliert der Hessen-SPD zum Coup: „Mehr Aufmerkamkeit kann es im Wahlkampf nicht geben - und im Vergleich mit den Kosten großformatiger Wahlplakate fast zum Nulltarif - genial!“

„Man“ hätte gern erfahren, ob in der Pressestelle in Wiesbaden schon die Sektkorken knallen. Die Bitte um Stellungnahme blieb bis Redaktionsschluss allerdings unerfüllt. Vielleicht hätte eine Journalistin anfragen müssen.

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