Sport im Wandel  Fitnessstudios werden immer beliebter

Lasse Paulsen
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Von Lasse Paulsen
| 27.09.2023 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Besonders junge Menschen sind häufiger im Fitnessstudio zu finden. Foto: DPA
Besonders junge Menschen sind häufiger im Fitnessstudio zu finden. Foto: DPA
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Immer mehr Jugendliche gehen in Fitnessstudios anstatt Sport im Verein zu betreiben. Warum ist das so und wie die Sportvereine auf diesen Trend reagieren.

Aurich - In der Auricher Amateursportszene gibt es immer wieder Sparten, die Zulauf bekommen, oder schwindendes Interesse beklagen. Es gibt grundsätzlich zwei große Bereiche, in denen der Großteil der Sportler aktiv ist. In Fitnessstudios und Sportvereinen bieten sich für viele die Möglichkeiten, ihrem Lieblingssport nachzugehen. Jugendliche zieht es nach der Pandemie eher in eine Richtung.

Herbert Bruns, Eigentümer der Sportschule Tao, sieht einen Zulauf zu Fitnessstudios. Er stellt eine Veränderung des Bewusstseins und des Verhältnisses der Menschen zur Gesundheit fest. „Die Menschen verstehen immer mehr die Bedeutung von Sport für die Gesundheit“, so Bruns. Junge Sportler würden das Fitnessstudio als Ergänzung zum sportartspezifischen Training oder auch Vereinstraining sehen. In seiner Kampfschule beobachtet er immer wieder ein Umschwenken zwischen Sportarten. „Mal ist Karate mehr besucht und manchmal sind mehr beim Ju-Jutsu“, so Bruns. Eine bestimmte Art des Trainings wird laut ihm immer beliebter: Faszientraining, also das Bewegen des Bindegewebes. Durch das Training regeneriere sich der Muskel besser, erklärt Bruns.

Image hat sich gewandelt

Den Trend Fitnessstudio kann Bruns nachvollziehen. Zum einen habe sich das Image von Bodybuildern und Fitnessenthusiasten gewandelt. „Früher ist immer direkt das Bild eines aufgepumpten und dummen Mannes in den Köpfen der Menschen gewesen“, sagt Bruns. Das habe sich heute geändert, erklärt er. Dazu komme, dass Fitnessstudios immer professioneller geworden seien. „Fortbildungen von Trainern und die Digitalisierung tragen hier zu einer immer höheren Qualität des Trainings bei“, sagt Bruns.

Eine Trainerin des Sportpark Tannenhausen, die nicht namentlich genannt werden will, bestätigt den Zulauf zu Fitnessstudios an Jugendlichen. Dieses Jahr soll der Zulauf an Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren zum Sportpark sehr hoch gewesen sein. Jeden Monat melden sich dort fünf bis 30 neue Jugendliche an. Dazu kämen noch immer wieder ein paar junge Erwachsene, die mit Tages- oder Zehnerkarten trainieren. Minderjährige müssen eine Einverständniserklärung ihrer Eltern haben. Auffällig sei, laut der Trainerin, dass zum Sommer hin in der Regel Mitglieder abspringen. Diese würden dann eher das warme Wetter nutzen und schwimmen gehen.

Den Vereinssport in Aurich kennt kaum jemand so gut wie Wilfried Theessen, Vorsitzender des MTV-Aurich. Der Verein hat momentan 2650 Mitglieder. Anhand der Anmeldungen im Verlauf des Jahres stellt Theessen einen „Boom“ im Amateursport in Aurich fest, obwohl die Mitgliederzahlen vor wenigen Jahren schon mal höher waren. 2020 waren noch fast 2900 Mitglieder im Verein.

Viele junge Erwachsene verlassen die Stadt

Durch die lange Corona-Pause schrumpften die Mitgliederzahlen. Doch nun erhole sich der Verein. „Besonders Sportarten wie Basketball, Hockey oder Handball erleben derzeit einen Boom“, sagt MTV-Chef Theessen.

Der Kreissportbund Aurich bestätigt: Durch Corona sind viele Jugendliche und junge Erwachsene vom Vereinssport abgesprungen. Doch inzwischen hat der Sport in Aurich wieder Zuwachs. Besonders bei den Jugendlichen sehe der Kreissportbund einen Zulauf. Zu Theessens Bedauern gibt es einen Bereich im MTV, der momentan nicht genutzt wird. Kinder- und Kunstturnen werde ausschließlich von Mädchen in Anspruch genommen. Da ein Trainer fehlt, können die Jungs hier nicht durchstarten.

Derzeit sind knapp 4900 junge Menschen zwischen sieben und 26 Jahren in Auricher Sportvereinen gemeldet, gibt der Kreissportbund Aurich an. Anteilig sind die Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren beim MTV gut vertreten. Ein Viertel aller Mitglieder ist in diesem Alter. Bei den etwas Älteren ist das etwas anderes. Die 15 bis 26-Jährigen machen 15 Prozent der Sporttreibenden des MTV aus. Die 19 bis 26-Jährigen vertreten gerade einmal sechs Prozent der Mitglieder.

Einen Grund sieht Theessen in dem Wegzug vieler junger Erwachsener für ein Studium. Auch die Mehrbelastung durch Ausbildungen und Arbeit in dem Alter sei laut Theessen eine Ursache. Dadurch wären dann auch diejenigen, die hier in der Gegend blieben, weniger motiviert Sport zu machen.

Bei der Turngemeinschaft (TG) Wiesmoor zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Unter den 3600 Mitgliedern sind lediglich knapp 370 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Bei ihnen sind Sportarten, wie Volleyball oder Basketball beliebt, erläutert Nicole Elit, die Geschäftsführerin der TG. Auch Kampfsport findet bei dem Wiesmoorer Verein Anklang. Taekwondo, Judo und auch Karate sind bei den jungen Erwachsenen verbreitet.

Doch die Wiesmoorerin merkt auch an, dass es die Jugendlichen insbesondere ab 16 Jahren immer mehr in Fitnessstudios ziehe.

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