Berlin  Jugendkriminalität in Niedersachsen: Immer mehr junge Menschen tatverdächtig

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 26.09.2023 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das LKA Niedersachsen stellt fest: Immer mehr junge Menschen sind Tatverdächtige bei Raub und Körperverletzungen. Foto: dpa | Julian Stratenschulte
Das LKA Niedersachsen stellt fest: Immer mehr junge Menschen sind Tatverdächtige bei Raub und Körperverletzungen. Foto: dpa | Julian Stratenschulte
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Der Jahresbericht der Polizeistatistik in Niedersachsen zeigt: Mehr Kinder und Jugendliche werden zu Tatverdächtigen. Dabei steigen die Fallzahlen teilweise auf ein Zehn-Jahres-Hoch. Besonders die Zahl der jungen Verdächtigen bei Raubdelikten steigt, auch Körperverletzungen häufen sich.

Waren die Delikte mit jungen Verdächtigen für Straftaten in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund der Corona-Pandemie zurückgegangen, steigen die Fallzahlen nun wieder. Das zeigt der diesjährige „Jahresbericht Junge Menschen – Delinquenz, Gefährdung, Prävention“ des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsens. Die neuen Fallzahlen des Jahres 2022 übertreffen in einigen Bereichen sogar die Vor-Corona-Werte.

Zwar steigen die Zahlen der Tatverdächtigen jungen Menschen in nahezu allen Bereichen, besonders stark sind aber Raub- und Diebstahl-, sowie Körperverletzungsdelikte angestiegen. Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank hingegen. Diese Entwicklung sei nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit zu beobachten.

Bei der Analyse der Polizeistatistiken sei klar die Corona-Pandemie als Einschnitt in allen Bereichen zu erkennen. In nahezu allen Kategorien haben Lockdowns und Kontaktbeschränkungen zu einem Tiefstwert geführt. Auffällig sind daher besonders die Bereiche, in denen die neuen Werte des Jahres 2022 die der Vor-Corona-Jahre übersteigen.

Dabei wird unterteilt in Kinder (unter 14 Jahre), Jugendliche (14 bis 17 Jahre) und Heranwachsende (18 bis 20 Jahre).

So sind die Körperverletzungen gerade von Jugendlichen und Kindern sehr stark angestiegen. Im Vergleich zu den Vorjahreswerten treten teils 50 Prozent mehr Fälle auf.

Auch die Zahl der Raubdelikte ist im Vergleich zu den Zahlen von 2019 bei jugendlichen Tatverdächtigen stark angestiegen. Als Raub wird ein Diebstahl bezeichnet, der unter Gewalt oder Gewaltandrohung verübt wird.

Die Anzahl der tatverdächtigen jungen Menschen im Zusammenhang mit Diebstählen ohne Gewalt oder Gewaltandrohungen sind allerdings auch stark angestiegen. Auch hier fallen besonders Kinder und Jugendliche auf, bei diesen Gruppen werden die Werte von 2019 weit überschritten.

Im Zusammenhang mit Betäubungsmittelverstößen fallen hauptsächlich Delikte mit Cannabis auf. Knapp 70 Prozent der jungen Tatverdächtigen, die in diesem Zusammenhang untersucht wurden, waren im Zusammenhang mit Cannabis verdächtig. Dennoch ist die Zahl der Betäubungsmitteldelikte stark rückläufig. Kinder fallen fast nie diesbezüglich auf, aber gerade bei Jugendlichen und Heranwachsenden nimmt die Zahl der Tatverdächtigen ab.

Der Bericht bilanziert, dass seit dem Ende der Corona-Pandemie auch die Präventionsarbeit wieder intensiviert werden konnte. Dennoch sei es kein Zufall, dass die Fälle der tatverdächtigen jungen Menschen seit der Pandemie steigen. Diverse Studien belegen markant gestiegene psychische Probleme in dieser Bevölkerungsgruppe. In der Phase der sozialen Entbehrungen hätten junge Menschen zudem wichtige Entwicklungsschritte nicht ausleben können. Dies führe nun zu Nachholungseffekten.

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