Berlin  Wie die Ampel für viele den Traum vom Eigenheim zerstört

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 25.09.2023 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Bauindustrie steckt in einer Krise. Foto: dpa
Die Bauindustrie steckt in einer Krise. Foto: dpa
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Kanzler Scholz hat zum Wohnungsgipfel geladen. Dabei ist er einer der Mitverursacher der Misere am Bau. Wie die Ampel den Traum vom Eigenheim und günstigen Mieten zerstört, ist teilweise dramatisch.

Scholz hat schon viel versprochen: angefangen vom grünen Wirtschaftswunder über das Meistern der Massenmigration bis hin zum Bau von 400 000 Wohnungen pro Jahr. Die Realität ist eine andere: Deutschland steckt in einer Rezession, die unkontrollierte Zuwanderung hält an und Teile der Baubranche brechen ein.

Die Prognose ist düster: Wurden 2022 noch rund 295.000 Ein- und Mehrfamilienhäuser fertiggestellt. werden es dieses Jahr wohl 250.000 und 2024 nur noch circa 180.000 sein. Vor allem Sozialwohnungen fehlen massenhaft. Die zuständige Bundesbauministerin Klara Geywitz hält trotzig an ihrem 400000-Wohnungen-Planziel fest.

Dabei wird die Baubranche von einer toxischen Mischung getroffen: Die Zinsen steigen, die bürokratischen Hürden sind hoch, die Baukosten explodieren. Und schließlich ist der Mietermarkt angespannt, der unter den hohen Energiekosten und sinkenden Reallöhnen ächzt.

Das Fiasko um das mittlerweile beschlossene Heizungsgesetz von Robert Habeck und womöglich noch strengere EU-Klimavorgaben tragen zusätzlich zu einer enormen Verunsicherung bei. Wohnungsbaugesellschaften reduzieren deshalb ihre Neubau- und Sanierungsmaßnahmen auf ein Minimum. Denn die Mieten können vielfach nicht so stark angehoben werden, um Gewinne zu erwirtschaften. Dafür wären Kaltmieten von bis zu 20 Euro pro Quadratmeter nötig.

Und viele Besitzer von Bestandsgebäuden - sei es das Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung - müssen fürchten, dass sich die sicher geglaubte Altersversorgung als Finanzrisiko entpuppt. An diesem sich abzeichnenden Wohlstandsverlust trägt die Ampel eine Mitschuld. Deshalb ist es nicht frei von einer gewissen Scheinheiligkeit, wenn Scholz zum Gipfel einlädt, um sich als Macher der Baubranche zu inszenieren.

Deutschland müsste das Bauen drastisch günstiger machen, damit die Immobilienkrise nicht weiter eskaliert. Sonst fehlen bald mehr als eine Million Wohnungen. Angesichts eines Nettozuzugs in der Größenordnung einer Großstadt pro Jahr besteht Handlungsbedarf.

Doch dafür müsste die Ampel aufhören, mit der Brechstange eine Wärmewende im Immobiliensektor herbeizuführen. Energetische Sanierung und klimaneutrales Bauen ja, aber mit Augenmaß, damit das Wohnen in Deutschland für viele Menschen bezahlbar bleibt.

Dem Klima hilft es übrigens wenig, wenn hierzulande unter einem gigantischen materiellen und finanziellen Aufwand auch die letzten Prozente an Energie in den Bestandsgebäuden eingespart werden sollen. Das pustet China in kürzester Zeit raus. Das zumindest scheinen einige Minister in der Ampel langsam zu begreifen. Das 14-Punkte-Papier vom Baugipfel weist einige gute Ansätze und mehr Realismus auf als die bisherigen Pläne der Scholz-Regierung, aber es reicht bei Weitem nicht, um die Baukrise zu überwinden.

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