Feierlicher Akt Minister eröffnet in Aurich Magazin für ostfriesische Geschichte
Das neue Sammlungszentrum für historische Kulturgüter ist am Freitag in Aurich eröffnet worden – zumindest der erste Bauabschnitt. Was dort gelagert wird – und wie es weitergeht.
Aurich - Nach mehr als zehn Jahren Planung ist am Freitag das Sammlungszentrum für historisches ostfriesisches Kulturgut auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Aurich eröffnet worden. Zumindest der erste Teil. Ein weiteres Gebäude dort soll später umgebaut werden. Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger, der niedersächsische Minister für Kultur und Wissenschaft, Falko Mohrs (SPD), und Landschaftspräsident Rico Mecklenburg zerschnitten gemeinsam das Band zur Eröffnung des ersten Umbaus.
Das Sammlungszentrum mutet mit seiner schwarzen Fassade wie ein moderner Neubau an. Darunter verbirgt sich aber die Kleiderkammer der ehemaligen Blücherkaserne. „Die Bundeswehr baut für die Ewigkeit“, sagte Landschaftspräsident Mecklenburg. Was zunächst verwundert: Viele der Regale sind noch leer. Dabei wurde das Magazin eigentlich geschaffen, weil die Lager der Ostfriesischen Landschaft aus allen Nähten platzen. Der Leerstand hat zwei Gründe, sagte der Leiter des archäologischen Forschungsinstituts der Landschaft, Dr. Jan F. Kegler. Erstens ist das Sammlungszentrum mit einer bewussten Reserve geplant worden. Es soll genügend Platz für neue eintreffende Archivalien und Magazinbestände in den kommenden Jahrzehnten bieten. Zweitens sind noch nicht alle Kulturgüter aus anderen Räumen der Landschaft in die neuen Räume gebracht worden. Vollständig seien bislang nur das Bildarchiv und der historische Kostümfundus dorthin umgezogen. Auch sind noch nicht alle Mitarbeiterräume und Werkstätten eingerichtet. Was der Eröffnungsfeier zugutekam. Wo in Zukunft Objekte erfasst und fotografiert werden, war am Freitag noch genügend Platz für das Büffet.
Ausgrabungsfunde auf Schreibtischen gelagert
Nach und nach werden nun die gelagerten archäologischen Funde, von Pfeilspitzen bis Keramiktöpfen, alte Bücher aus Beständen der Landschaftsbibliothek, historische Bilder und Fotografien und vieles mehr in die Skagerrak-Straße gebracht. Bislang stapelten sich diese in den Räumen der Landschaft. Die 3000 Kleidungsstücke des historischen Kostümfundus wurden auf dem Dachboden des Landschaftsgebäudes verstaut. Funde von Ausgrabungen wurden sogar auf Schreibtischen der Mitarbeiter des archäologischen Dienstes zwischengelagert. Dr. Kegler hatte sich ausgerechnet, dass für 2016 ein großer Teil der Lagerflächen im Prinzip mehrfach belegt wären: Die Auslastung läge bei 145 Prozent.
Landschaftspräsident Mecklenburg erzählte, dass es zu Beginn des Konzepts zum Sammlungszentrum noch ganz andere Pläne gegeben hatte. Bis 2013 habe die Landschaft auf dem Gelände der Zweigstelle des Landesarchivs einen Neubau errichten wollen. Dieser wäre sogar vermutlich günstiger geworden, so Mecklenburg. In dieser Zeit wurde jedoch die Auflösung des Archivs diskutiert – die gemeinsamen Pläne mit der Landschaft zerschlugen sich aufgrund dieser unsicheren Lage. Doch die Platznot der Landschaft nahm zu. 2015 warnte der damalige Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger sogar davor, dass im Notfall wegen des Platzmangels sogar Stücke aus den Sammlungen verkauft werden müssten. Dr. Bärenfänger war es auch, der ein Jahr später den Kauf der ehemaligen Kleiderkammer in der Skagerrakstraße in die Wege leitete.
Projekt wegen steigender Kosten geteilt
Der Weg bis zur Eröffnung erzähle sich im Nachhinein „wie ein Krimi“, sagte Landschaftsdirektor Dr. Stenger. Das läge vor allem daran, dass sich die Kosten immer wieder änderten. Zu der ursprünglichen Summe von 2,2 Millionen Euro kam eine weitere Million hinzu. Im Juli 2018 wurde daher beschlossen, das Projekt in zwei Bauabschnitte zu teilen. Der erste – der größere Teil – ist nun fertig. Mit ihm stehen 66 Prozent der geplanten Archivflächen und 90 Prozent der Büro- und Werkstatträume des Gesamtprojektes zur Verfügung. In einem zweiten Abschnitt sollen die übrigen Gebäudeteile der ehemaligen Kleiderkammer in das Sammlungszentrum integriert werden. Wann das geschieht, steht derzeit noch nicht fest.