Erntefest in Aurich Wetter und Politik bereiten Landwirten im Kreis Aurich Sorgen
Viele Besucher verschafften sich auf dem Auricher Marktplatz trotz grauer Wolken einen Überblick über die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die dort präsentiert wurden.
Aurich - Der historische Heuwagen mit der Erntekrone hat am Donnerstag erneut das Erntefest in Aurich eröffnet. Doch in diesem Jahr war etwas anders. Über viele Jahre zogen zwei friesische Kaltblüter den Wagen. Doch ihr Besitzer Johann Schmidt aus Walle verstarb im vergangenen Jahr. Darüber hinaus sei die Versicherung der Tiere nun zu teuer geworden, so Eckard Fleßner vom Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV) in Aurich. Deshalb organisierten er und seine Kollegen stattdessen einen Oldtimer-Traktor. Der Deutz F1L 514 aus den 50er Jahren, Knubbel genannt, zog den Heuwagen kurz vor 10 Uhr auf den Marktplatz.
Doch auch die Erntekrone selbst sieht anders aus. Das Getreide ist grauer als sonst. Dieses müsse für den Bau der Krone einige Zeit vor dem eigentlichen Abernten von den Feldern genommen werden, so Fleßner. Weil es in diesem Jahr häufiger als sonst geregnet hat, musste das Getreide nass geerntet werden. Damit es noch rechtzeitig trocken wurde, legten Schmidt und seine Kollegen es in einer Halle aus. Erst dann konnten sie die Krone zusammenstecken.
Regen erschwerte Bau der Erntekrone
Das Fest selbst blieb weitestgehend vom Regen verschont. Trotz grauer Wolken waren die Händler und die Betreiber der Informationsstände mit den Besucherzahlen zufrieden. Von frischgepresstem Apfelsaft aus alten Sorten über geräucherte Wurst und selbst gemachte Kränze sollte das Spektrum der ostfriesischen Landerzeugnisse abgebildet werden.
Das Problem der verregneten Getreideernte hatten dieses Jahr laut Maren Ziegler vom LHV viele Bauern in Ostfriesland. Normalerweise hätte das ein kleineres Angebot und daraus resultierend höhere Preise zur Folge. Aber Russland überschwemme seit dem Krieg gegen die Ukraine den internationalen Markt mit billigem Getreide. Dadurch sinken die Preise auch in Deutschland. Das Getreide, das eigentlich zu hochwertigem Mehl verarbeitet werden sollte, musste deshalb als günstigeres Futtermittel verkauft werden.
LHV-Vertreterin sieht Verbraucher in der Verantwortung
Eine weitere Schwierigkeit seien die Auflagen durch die Politik, so Ziegler. Deutlich merke man dies in der Tierzucht. Den Landwirten sei das Tierwohl grundsätzlich wichtig, weil daraus hochwertige Produkte folgen. Doch könnten viele Betriebe den erlassenen Richtlinien nicht in der geforderten Zeit nachkommen. „Da können die Landwirte schwer mit umgehen“, so Ziegler. Es läge nicht an der Motivation, sondern daran, dass sie mehr Zeit benötigen. Wenn Betriebe aufgrund der erschwerten Bedingungen schließen müssten, würde beispielsweise Fleisch mit geringeren Zuchtstandards importiert werden.
Ziegler sieht deshalb auch die Verbraucher in der Verantwortung. Sie könne verstehen, dass man versuche, möglichst günstig einzukaufen. Insbesondere in Bezug auf den Fleischkonsum rät sie: „Lieber weniger, aber dafür besseres Fleisch kaufen.“ Auch der Verzicht auf Fertigprodukte sei langfristig sparsam und unterstütze die Landwirtschaft. Außerdem möchte sie die Verbraucher dazu motivieren, sich mit den Produkten bewusster auseinanderzusetzen. Dazu gehöre zum Beispiel, auf die Saison der Lebensmittel zu achten: „Es müssen nicht die Erdbeeren im Winter aus Südamerika sein.“ Das Erntefest sei daher ein Angebot an die Verbraucher, sich über die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Ostfrieslands zu informieren.