Bauprojekt ausgebremst  Probleme bei Seniorendorf-Projekt in Marienhafe

| | 20.09.2023 18:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf dem Land an der Kirchstraße, das früher dem Landwirt Johannes von Essen gehörte, soll der Seniorenwohnpark gebaut werden. Foto: Thomas Dirks
Auf dem Land an der Kirchstraße, das früher dem Landwirt Johannes von Essen gehörte, soll der Seniorenwohnpark gebaut werden. Foto: Thomas Dirks
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Millionenschweres Seniorendorf-Bauprojekt in Marienhafe ist ins Stocken geraten. Warum und wie es weitergehen soll.

Marienhafe - Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben: Die Umsetzung der Pläne für einen Senioren-Wohnpark in Marienhafe sind ins Stocken geraten. Dass sich auf der grünen Wiese an der Kirchstraße bisher nichts tut, hat nach Auskunft des Projektplaners mehrere Gründe. Wie mehrfach berichtet, sollen auf einer 27.000 Quadratmeter großen Landfläche, die früher dem Landwirt Johannes von Essen gehörte, 10.000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen werden. Ziel ist es, Wohnkonzepte für ein gutes Leben im Alter zu entwickeln.

Ältere Menschen sollen sich in dem „Seniorendorf“ mit dem Namen „Brok Marienhafe“ Wohnraum mieten oder kaufen und ihre persönlichen Möglichkeiten und Wünsche umsetzen können, heißt es. Bei Bedarf werden ihnen auch stationäre und ambulante Pflegeleistungen angeboten. Das Seniorendorf umfasst mehrere Gebäudeeinheiten, in denen rund barrierefreie 120 Wohnungen entstehen. Etwa 35 Millionen Euro sollen in Marienhafe investiert werden.

Dorf heißt „Brok Marienhafe“

Vertreter des Koblenzer Unternehmens Inovavita, die das Projekt verwirklichen will, hatten dieses Ende November vergangenen Jahres vorgestellt. Zuvor hatte der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Marienhafe den Beschluss zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans gefasst. Bei einer reinen Bauzeit von rund zwei Jahren soll das Dorf in bis zu vier Jahren fertiggestellt sein. Dieser Zeitplan wird sich wohl nicht mehr halten lassen.

Im November 2022 stellten Marienhafes Bürgermeister Johann Tjaden (von links), Inovavita-Geschäftsführer Dirk Hillesheim und die Brookmerlander Verwaltungschefs Gerhard Ihmels und Jochen Behrends den Plan für das Seniorendorf in Marienhafe vor. Foto: Thomas Dirks
Im November 2022 stellten Marienhafes Bürgermeister Johann Tjaden (von links), Inovavita-Geschäftsführer Dirk Hillesheim und die Brookmerlander Verwaltungschefs Gerhard Ihmels und Jochen Behrends den Plan für das Seniorendorf in Marienhafe vor. Foto: Thomas Dirks

„Wir kommen nicht so schnell voran, wie man sich das wünscht“, sagte Inovavita-Geschäftsführer Dirk Hillesheim. Die Gründe seien mehrschichtig und nicht von seinem Unternehmen zu verantworten. „Auf dem Seniorenmarkt ist einiges in Bewegung“, sagte Hillesheim. Mögliche Betreiber seien abgesprungen oder schlicht vom Markt gesprungen. Eines der prominentesten Beispiele ist der Heimbetreiber Convivo. Der Pflegekonzern hatte im Januar dieses Jahres Insolvenz angemeldet und war als ein möglicher Betreiber der neuen Marienhafer Einrichtung gehandelt worden. Die Pleiten von Convivo und wirtschaftliche Schwierigkeiten anderer Unternehmen hätten den Markt erschüttert, berichtet Hillesheim. Die Rahmenbedingungen seien alles andere als rosig. Gestiegene Indexmieten, Fachkräftemangel und Tariferhöhungen hätten „manche Träger kalt erwischt“, so der Inovavita-Chef. Auch in der Baubranche sei wegen der explodierenden Baukosten einiges in Bewegung geraten. Das Baugewerbe sei zurückhaltend.

Planer hält an Projekt fest

Derzeit halte er Ausschau nach neue Partnern. „Da ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Wir sortieren uns neu“, sagte Hillesheim, der „auf alle Fälle“ an dem Marienhafer Projekt festhalten will und von dessen Standort überzeugt ist. „Wir verfolgen das Konzept weiter und sind guter Dinge“, versicherte er. Der Bedarf sei ungebrochen. „Die Euphorie ist bei uns weiter vorhanden“, so Hillesheim. Nur die Rahmenbedingungen seien „schwieriger geworden, aber nicht hoffnungslos“.

Dirk Hillesheim, Geschäftsführer der Inovavita, bei der Projektvorstellung im November 2022 vor einem Lageplan des Seniorenwohnparks in Marienhafe. Foto: Thomas Dirks
Dirk Hillesheim, Geschäftsführer der Inovavita, bei der Projektvorstellung im November 2022 vor einem Lageplan des Seniorenwohnparks in Marienhafe. Foto: Thomas Dirks

Mit den Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik vor Ort sei man weiter „im Austausch und in Gesprächen“. Das Planverfahren der Gemeinde laufe. Von dort war zu dem Projekt in den vergangenen Monaten nichts mehr öffentlich zu hören. Zuletzt hatte sich Marienhafes stellvertretender Gemeindedirektor Jochen Behrends in der öffentlichen Sitzung des Marienhafer Gemeinderates am 17. Mai geäußert. Auf Nachfrage des Grünen-Ratsherrn Martin Wallert zum Sachstand sagte Behrends: „Es ist verdächtig ruhig geworden.“

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