Auricher feiern die Basketballer  Staunen über die WM-Helden

| | 11.09.2023 15:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Unglaublich, aber wahr: Kapitän Dennis Schröder reckt den WM-Pokal in die Höhe. Er selbst wird auch noch zum wertvollsten Spieler gewählt.Foto: DPA
Unglaublich, aber wahr: Kapitän Dennis Schröder reckt den WM-Pokal in die Höhe. Er selbst wird auch noch zum wertvollsten Spieler gewählt.Foto: DPA
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Für die Auricher Basketballerinnen und Basketballer vom MTV war der Titelgewinn ein emotionaler Moment. Warum sie aber nicht an einen Hype glauben.

Aurich - Auch am Tag nach dem großen Triumph müssen sich die Freunde des Basketballs wohl immer noch kneifen. Die deutsche Nationalmannschaft ist nach einem 83:77-Erfolg über Serbien tatsächlich Basketball-Weltmeister geworden – wahrscheinlich eine der größten deutschen Sportsensationen und das I-Tüpfelchen nach dem historischen Halbfinalsieg gegen die USA. Zehn Millionen schauten sich die Liveübertragung an. Bei den ostfriesischen Korbjägern ist die Freude und die Ungläubigkeit riesig. Sie hoffen nun, dass sich die Euphorie auf den hiesigen Vereinssport überträgt.

Fabiola Paulat, Spielerin und Trainerin beim MTV Aurich, hat das Spiel mit ihrer Familie geschaut. „Das ist definitiv unfassbar. Deutschland ist ohne Niederlage durch das Turnier gekommen. Damit konnte vor dem Turnier wirklich niemand rechnen“, sagt Paulat. Anfangs sei sie schon nervös gewesen, als die Serben losgelegt hatten wie die Feuerwehr. „Sie hatten viele leichte Körbe, während die deutschen zunächst für jeden Punkt hart arbeiten mussten“, sagt die Expertin.

Fabiola Paulat
Fabiola Paulat

Lieblingsspieler Schröder

Die Auricherin spielt selbst seit 2017 Basketball, sozusagen mit der Neugründung der Basketball-Sparte beim MTV Aurich. „Ich war schon beim allerersten Training dabei“, erzählt sie.

Mittlerweile ist sie Co-Trainerin bei der U16-Landesliga-Mannschaft. Paulat hofft, dass sich die Euphorie auch in den Vereinen bemerkbar macht. Bei den Jugendlichen war diese auch schon vor der Weltmeisterschaft auszumachen. Viele tragen in der Freizeit Shirts von bekannten Stars aus der amerikanischen Profiliga NBA. „Basketball ist eben auch ein attraktiver Sport, den man schnell auf dem Schulhof spielen kann“, sagt Paulat. Im MTV bemerke man diese Entwicklung, die meisten Spieler sind in den U14- und U16-Teams aktiv. Die Trainerin spielt selbst in der Frauenmannschaft des MTV. Sie hofft, dass der Verein vielleicht bald mal eine Mädchen-Mannschaft stellen kann.

Und ihr Lieblingsspieler im deutschen Team? Die Antwort von Paulat kommt wie aus der Pistole geschossen. Es ist Kapitän Dennis Schröder. „Ich bin selbst nicht so groß und finde es beeindruckend, dass er trotzdem mit seiner Explosivität häufig zum Korb durchkommt.“

Einen persönlichen Vorteil erhofft sie sich, falls das Interesse am Basketball-Sport weiter steigt. „Vielleicht ist es dann auch in Aurich leichter an Schuhe zu kommen.“

Freudentränen auf dem heimischen Sofa

Für MTV-Trainer Finn Höncher war das Spiel am Sonntagnachmittag ein hoch emotionaler Moment – inklusive einiger Freudentränen auf dem heimischen Sofa. „Das war schon extrem, ich bin immer noch platt. Ich spiele seit 25 Jahren Basketball, so einen Triumph hat damals wirklich niemand für möglich gehalten“, sagt Höncher. Basketball ist schon immer sein Sport, Höncher engagiert sich in Aurich oder seiner alten Heimat Göttingen auf allen Ebenen – ob als Spieler, Trainer oder Schiedsrichter. Deshalb hat er sogar zahlreiche Glückwünsche nach dem Titelgewinn erhalten, obwohl er selbst gar nicht auf dem Feld gestanden hatte. Dafür kennt Höncher einige der Basketball-Helden persönlich. Dennis Schröder oder Daniel Theis sind ihm sogar auf dem Spielfeld begegnet.

Finn Höncher
Finn Höncher

Wie Fabiola Paulat, die er selbst an die Trainertätigkeit herangeführt hat, hofft Höncher auf noch mehr Mädchen beim MTV. Über fehlende Mitglieder klagen sie aber nicht. 206 Mitglieder zählt die Basketball-Sparte mittlerweile. Einen regelrechten Boom erwartet Höncher aber nicht. „Erst einmal brauchen wir mehr Anerkennung. In der Förderliste stehen wir auf Platz 26 der verschiedenen Sportarten.“ Zumindest habe der Basketball-Verband vor zehn Jahren verkrustete Strukturen geändert, sodass ein sportlicher Erfolg wie dieser erst möglich geworden ist.

So lange muss Höncher weiter Werbung für seinen Sport machen. Als Lehrer hält er demnächst auf einer Fortbildung einen Vortrag mit dem Thema „Basketball in der Schule“. Bis dahin muss er noch den unglaublichen Erfolg der National-Mannschaft verarbeiten. „Das wird wohl noch zwei bis drei Wochen dauern, bis ich das verstanden habe“, sagt Höncher.

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