Juniorinnen-Bundesliga Eine extrem junge Auricher Mannschaft
Vizemeister Aurich geht mit vielen jungen Leuten in die neue Bundesligasaison. Die erfahreneren Spielerinnen sollen dabei nicht nur für Kontinuität sorgen.
Aurich - Vor wenigen Monaten hatten die Auricher B-Juniorinnen eine ganze Stadt in Euphorie versetzt. Mehr als 3000 Zuschauer sahen den dramatischen Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinal-Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt im Auricher Ellernfeld-Stadion. Erst Bayer Leverkusen stoppte den Auricher Siegeszug im Finale. Auch für Stefan Wilts waren dies unvergessliche Momente. Doch der Trainer ist kein Mensch, der sich gedanklich lange in der Vergangenheit aufhält. Mit seinem Team hat er akribisch daran gearbeitet, auch im sechsten Bundesligajahr eine konkurrenzfähige Mannschaft ins Rennen zu schicken.
Wilts glaubt, dass ihm das gelungen ist. „Wir haben die zahlreichen altersbedingten Abgänge von der Qualität her gut ersetzt, schicken aber auch eine sehr junge Mannschaft ins Rennen.“ Viele der Mädchen sind erst 14 Jahre alt. Sogar 13-Jährige, die noch bei den C-Mädchen spielen könnten, befinden sich im Kader. Von der Mannschaft, die sich im vergangenen Jahr die Deutsche Vizemeisterschaft sicherte, ist nicht mehr viel übrig. Torhüterin Paula Blum, Kapitänin Marie Okoroh, Sina Brühl oder Sophia Schalke sollen das Gerüst der Mannschaft bilden.
Und auf die Jüngeren aufpassen. So wie im Fall von Marie Ernst. Die erst 13-Jährige wird in die Wohngemeinschaft von Okoroh und Blum einziehen. Wilts musste nicht nur in diesem speziellen Fall Überzeugungsarbeit bei den Eltern leisten. „Es war schon kritisch, die Eltern davon zu überzeugen, ihre Mädchen ziehen zu lassen. Auch die Eltern von Marie hatten gehörige Bauchschmerzen, obwohl schon ihre ältere Schwester bei uns gespielt hat“, sagt Wilts.
Doch kein schnelles Ende der Bundesliga?
Was ist mit dieser Mannschaft möglich in der höchsten Spielklasse? „Wir wollen so weit wie möglich oben mitspielen, aber die Mannschaft muss sich auch erst noch finden“, sagt der Trainer, der mit dem Kollegen von Werder Bremen der dienstälteste Bundesliga-Trainer ist. Mit dem Fußball, den die Sportvereinigung spielen möchte, durften sich die neuen Spielerinnen bei einem zehntägigen Trainingslager in Hannoversch-Münden vertraut machen. „Wir werden an der Spielweise nicht viel verändern, danach haben wir auch schon die Spielerinnen ausgesucht“, sagt Wilts. Auch bei einem erfolgreichen Abschneiden wird das Abenteuer Bundesliga für die Sportvereinigung Aurich nach dieser Saison wohl beendet sein. Der Deutsche Fußball-Bund wird die B-Juniorinnen-Bundesliga zur Saison 2024/2025 abschaffen. Das sogenannte „Projekt Zukunft“ brachte für die Gremien des DFB folgende Erkenntnisse: Das sportliche Niveau innerhalb der drei Staffeln ist nicht ausgeglichen. Die Bundesliga bringt keine Talente für die National-Mannschaft hervor. Und Spiele gegen Jungen scheinen für die Spielerinnen eine sportliche Herausforderung zu sein. Eine Möglichkeit, gelegentlich im Konzert der großen Clubs mitzuspielen, ist der DFB-Pokal für die besten Mannschaften. Dafür müssen die Vereine Nachwuchsleistungszentren (NLZ) schaffen. Für die Sportvereinigung Aurich wäre dies kein großes Problem, doch Wilts versinkt nicht in Wehmut, sondern er hat eine ganz andere Hoffnung. „Vielleicht wird das Ende der Bundesliga noch einmal herausgezögert.“ Die Abwicklung der Bundesliga seitens des Verbandes laufe schleppend. In zwei Monaten soll laut Wilts eine endgültige Entscheidung getroffen werden. „Wir warten einfach ab und entscheiden dann, wie es mit den Planungen für ein Leistungszentrum weitergeht“, so Wilts.
Fest steht auf jeden Fall: Am heutigen Sonnabend (14 Uhr) steigen die Auricherinnen mit einem Hammerspiel in die neue Bundesliga-Saison ein. Der Vorjahresmeister Hamburger SV reist an zum ersten Heimspiel der Sportvereinigung. Für Wilts sind die Hamburger eine ganz große Nummer. „Sie gehören zu den großen Favoriten.“