Nach Aufruf durch Aktionsbündnis  UEK-Patienten melden viele Probleme mit Notfallversorgung

| | 06.09.2023 16:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) Norden ist die Notfallambulanz nur noch von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Außerhalb der Zeiten müssen Patienten anderweitig Hilfe finden. Foto: Rebecca Kresse
Im Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) Norden ist die Notfallambulanz nur noch von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Außerhalb der Zeiten müssen Patienten anderweitig Hilfe finden. Foto: Rebecca Kresse
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Sie wollen vor Gericht beweisen, dass es ohne eine 24-Stunden-Notaufnahme in Norden nicht geht. Dafür wurden dem Aktionsbündnis jetzt zahlreiche Fälle falscher Behandlungen gemeldet.

Norden - Schwere Lungenerkrankung im Endstadium, lebensgefährliche Darmerkrankung, ein sofort behandlungsbedürftiger urologischer Notfall – erst vor einer Woche hat das Aktionsbündnis zum Erhalt des Norder Krankenhauses dazu aufgerufen, Fälle fehlgeschlagener Notfallversorgung aus dem Altkreis Norden zu melden. Schon jetzt sind 14 solcher Meldungen eingegangen, darunter zahlreiche eidesstattliche Versicherungen, wie Walter Zuber auf Nachfrage mitteilte. Einige davon sollen dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg vorgelegt werden. Die Fälle sollen im laufenden Gerichtsverfahren als Nachweise eingebracht werden, dass in Norden ein Krankenhaus mit intensivmedizinischer Notfallversorgung gebraucht werde.

„Einige Rückmeldungen erfolgten mündlich, ein Drittel anonym“, so Zuber. Allen Einsendern wurde dabei vom Aktionsbündnis Vertraulichkeit zugesichert. Aus diesem Grund könne er auch nur einige wenige Fälle anreißen, damit keine Rückschlüsse gezogen werden könnten. Dadurch lässt sich von außen aber auch nicht beurteilen, inwieweit es sich um echte Notfälle gehandelt hat, und ob die Behandlung nicht korrekt abgelaufen ist.

Aktionsbündnis: Mitteilungen geben Anlass zur Sorge

Zuber, der die Fälle kennt, machte aber klar: Die eingegangenen Mitteilungen würden „Anlass zu großer Sorge um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung geben“. Vor allem die Fälle, „die bei einer nicht rechtzeitigen Behandlung zum Tode führen könnten“, wie Zuber es schreibt, sollen dem Aktionsbündnis in ihrem Klageverfahren helfen.

Daneben wurden laut Aktionsbündnis „etliche Fälle gemeldet, die sich bei fehlender oder nicht rechtzeitiger Behandlung zu großen Problemen auswachsen können“. Zum Beispiel der Fall einer älteren Dame aus Norden, die aufgrund eines zu hohen Blutdrucks, (235 zu 110) gegen 22 Uhr beim Patientenservice angerufen hat. Dort habe man der Dame gesagt, sie solle die 112, also den Notruf wählen. Dort wiederum habe man ihr gesagt, sie solle ein Taxi nehmen und habe daraufhin aufgelegt. Aus Sicht der Dame sei bei diesem Blutdruck aber ein Rettungswagen nötig gewesen, berichtete sie dem Aktionsbündnis. Sie habe dann 88,50 Euro für das Taxi bezahlt. Im Emder Krankenhaus sei dann die Diagnose einer Blutdruckentgleisung gestellt und eine Langzeit-Blutdruckmessung gemacht worden. Gegen Mitternacht habe sie in Emden Medikamente bekommen. Bis 5.15 Uhr sei sie im Vorraum des Krankenhauses geblieben, bis der erste Bus nach Norden fuhr. Einen Taxischein habe sie nicht bekommen, da sie keinen Pflegegrad habe, so die Dame. Dem Aktionsbündnis sagte sie: „Ich bin Rentnerin, habe Not und muss noch die Kosten tragen. Die Ursache wurde in Emden nicht festgestellt. Die Sorge um meine Gesundheit bleibt.“

Berichte über schlechtes Arbeitsklima

Darüber hinaus gibt es laut Zuber Hinweise von Mitarbeitern im Klinikverbund, die aus Furcht vor Repression ungenannt bleiben möchten. Die würden unter anderem Berichte über die Lage des Rettungsdienstes und die Einsatzbereitschaft der Intensivstationen bestätigen. Außerdem gebe es noch Berichte über das Arbeitsklima in den Häusern, das durchweg als schlecht bezeichnet wird, so Zuber.

Alles zusammengenommen drängt sich aus Sicht des Aktionsbündnisses der Eindruck auf, „dass wir es in den Kliniken des Landkreises mit einer – im Vergleich zu Leer und Wittmund – unterentwickelten Organisationskultur und über viele Jahre mit einem sich nicht durch Kompetenz auszeichnendem Management zu tun haben“, so Zuber. Dafür würden die Kreisparteien SPD und CDU die politische Verantwortung tragen. Einsicht sei von diesen aber nicht zu erwarten. Deren Devise laute offenbar „Augen zu und durch“, teilte Zuber mit. Anders sei das Führungsverhalten von Landrat Olaf Meinen und Trägergesellschaftschef Dirk Balster aus Sicht Zubers nicht zu erklären, da diese „die heruntergewirtschaftete stationäre Gesundheitsversorgung im Landkreis nicht zu vertreten haben, aber nahtlos an den mangelhaften Maßnahmen ihrer Vorgänger anknüpfen müssen, also weitermachen wie bisher“.

Wie berichtet, hat der Landkreis Aurich dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg auf dessen Anforderung hin vor Kurzem mitgeteilt, dass die gesundheitliche Notversorgung der Bevölkerung gesichert sei. Die Versorgungssituation soll sich trotz der fehlenden Intensivbetten in Norden nicht verschlechtert haben. Auch habe der Landkreis dem Bericht mitgeteilt, dass der Rettungsdienst und die Notfallstationen in den Krankenhäusern Aurich und Emden maßgeblich aufgestockt worden seien, teilte das Aktionsbündnis mit. Das Bündnis bestreitet, dass es eine gesicherte intensivmedizinische Notversorgung für die Norder Bevölkerung gibt. Durch die Schließung des Krankenhauses in Norden sei die Notfallversorgung der gesamten Region verschlechtert worden.

Die Notfallambulanz im Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) Norden ist täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Außerhalb der Zeiten müssen Patienten anderweitig Hilfe finden.

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