Übung im Stadtmuseum Aurich  Feuerwehr und Mitarbeiter proben den Ernstfall

Marian Bornemann
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Von Marian Bornemann
| 05.09.2023 18:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dr. Nina Hennig und Dr. Paul Weßels bewerten den Zustand der vorbereiteten Attrappen. Foto: Romuald Banik
Dr. Nina Hennig und Dr. Paul Weßels bewerten den Zustand der vorbereiteten Attrappen. Foto: Romuald Banik
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Im historischen Museum der Stadt Aurich befinden sich wertvolle Kulturgüter ostfriesischer Geschichte. Im Falle eines Feuers müssen diese schnell gerettet werden.

Aurich - Welches Ausstellungsobjekt muss im Ernstfall zuerst gerettet werden? Diese Frage mussten Dr. Christopher Galler, Leiter des Stadtmuseums Aurich, und seine Kollegen bei einer Übung am Montag beantworten. Ebenfalls beteiligt waren Mitarbeiter der Ostfriesischen Landschaft und der Abteilung des Landesarchivs in Aurich. Zusammen bilden sie einen „Notfallverbund für Kulturgutschutz“. „Vor allem Unikate haben oberste Priorität“, erklärte Galler gegenüber den ON. Eines dieser Unikate ist das Kleid der ostfriesischen Fürstin Eberhardine Sophie. Vor über 320 Jahren wurde die Frau Fürst Christian Eberhards in diesem Kleid zu Grabe getragen.

Mitarbeiter des Notfallverbundes üben im Schutzanzug die Bergung von beschädigten Museumsobjekten. Foto: Romuald Banik
Mitarbeiter des Notfallverbundes üben im Schutzanzug die Bergung von beschädigten Museumsobjekten. Foto: Romuald Banik

Bei der Übung sollten die wertvollen Kunstschätze keinen Schaden nehmen. Deshalb präparierte die Feuerwehr vorab verschiedene Attrappen wie einen Aktenordner, eine Gitarre oder eine Vitrine. Zu Beginn gingen die Feuerwehrleute mit Atemschutz in das Museum und brachten erste Stücke hinaus. Anschließend gaben sie das Gebäude für die Fachkräfte des Notfallverbunds frei. Mit Schutzanzug und Helm betraten diese das Gebäude, um die Bergung fortzusetzen. Wichtig ist, dass alles geordnet abläuft. Hierfür hat man sich an dem Prinzip der Triage aus der Medizin orientiert, so Galler. Zuerst wird die Schwere des Schadens eingestuft. Dann werden sie nach ihrer Dringlichkeit abgearbeitet.

Einfrieren gegen Schimmel

Diese Entscheidung mussten bei der Übung unter anderem Dr. Nina Hennig und Dr. Paul Weßels von der Landschaft fällen. Vor ihrem Tisch bildete sich eine Schlange von Helfern mit herausgetragenen Kulturgütern. „Ein Stuhl mit einem abgebrochenen Bein wäre erst mal nicht schlimm. Da besteht keine akute Gefahr, dass sich der Zustand verschlimmert“, so Hennig.

Bei historischen Büchern ist das beispielsweise anders. Nicht nur die Flammen sind für diese gefährlich. Auch das Löschwasser ist ein Problem. Dann besteht die Gefahr von Schimmel. Eine mögliche Rettungsmaßnahme für die Bücher: Einfrieren. Dadurch sterben die Schimmelpilze ab. Außerdem verschafft man sich Zeit. Die Restaurierung kann dann in Ruhe zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden.

Statt wertvoller Kulturgüter übte man mit günstigen Attrappen Foto: Romuald Banik
Statt wertvoller Kulturgüter übte man mit günstigen Attrappen Foto: Romuald Banik

Spontanität erproben

Für die akuten Rettungsmaßnahmen vor Ort stellte der Notfallverbund mehrere Container zusammen, die von der Feuerwehr mitgebracht wurden. Darin befinden sich unter anderem die Schutzanzüge, Folie zum Einwickeln der Objekte und Kisten für den Abtransport.

Auch Spontanität wurde erprobt: Ein vermeintlicher Passant sollte versuchen, die Absperrungen zu überwinden. Er kam jedoch nicht weit, weil ihn Mitarbeiter des Verbundes aufhielten. Zum einen stört so etwas den reibungslosen Ablauf. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die wertvollen Museumsobjekte leichter gestohlen werden können. Galler hofft, dass er und seine Kollegen diese schweren Entscheidungen nie treffen müssen. Dennoch zeigten Katastrophen wie der Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, wie wichtig es sei, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Dort verbrannten im September 2004 mehr als 50.000 wertvolle Bücher.

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