Osnabrück Zwischen Öl, Macht und Oligarchen-Geld: „Borgen“ zurück im Free-TV
In den ersten drei Staffeln haben wir mit ihr gefiebert, gefeiert und gelitten. Jetzt wird die Geschichte um die dänische Politikerin Birgitte Nyborg weitererzählt. Dabei geht es um Macht, Ruhm, den Klimawandel und das geopolitische Gleichgewicht.
Als Arte im Frühjahr 2012 die dänische Politserie „Borgen – Gefährliche Seilschaften“ ins Programm nahm, gab es seitens der Kritik nur positive Resonanz. Dies sei „phänomenal gutes europäisches Fernsehen“ urteilte die Süddeutsche und die FAZ meinte, Borgen sei „ein faszinierendes Lehrstück darüber, was die Politik mit Menschen macht“. In einer von „The Washington Post“ 2014 veröffentlichten Rezension bezeichnete der Politikwissenschaftler Stephen B. Dyson Borgen als „die beste Fernsehserie aller Zeiten über Politik.“ Nach drei Staffeln aber war Schluss mit den Intrigen und Machtspielen in Christiansborg, dem Sitz des dänisches Parlaments sowie des Regierungschefs, und beim Fernsehsender „TV1“.
Jetzt gibt es nach zehn Jahren Pause eine Fortsetzung der Serie mit der Politikerin Birgitte Nyborg im Mittelpunkt, wieder großartig gespielt von Sidse Babett Knudsen. Arte zeigt jeweils vier Teile der achteiligen Serie, die den Zusatztitel „Macht und Ruhm“ trägt, an zwei aufeinanderfolgenden Donnerstagen. Die neue Staffel schließt an die früheren Folgen an, setzt jedoch kein Vorwissen voraus.
Dabei hat die Produktion nichts von ihrem Reiz eingebüßt. Im Gegenteil: von Beginn an vermag einen die Handlung zu fesseln und entwickelt diese Spannung, die einen unbedingt wissen lassen möchte, wie es weitergeht. Der Suchtfaktor der Serie bleibt präsent.
Ein enormer Erdölfund auf Grönland bringt die mittlerweile als Außenministerin agierende Birgitte Nyborg in die Bredouille. Mit Ministerpräsidentin Signe Kragh (Johanne Louise Schmidt) streitet sie um die Zuständigkeit. Ihre Meinungen zur Ölförderung gehen auseinander: Signe plädiert wegen enormer Gewinne für Bohrungen, Birgitte hält mit Klimaschutz dagegen. Es entwickelt sich ein Machtkampf zwischen den beiden Frauen in Führungsposition.
Die Autoren Adam Price und Emilie Lebach Kaae sind mit ihren Drehbuchvorlagen aktueller denn je. In der Post-Covid-Zeit angesiedelt nimmt sich die Serie die großen Themen vor: Klimawandel, Ukraine-Konflikt, Stabilität des geopolitischen Gleichgewichts. Die Einarbeitung dieser Schwergewichte in den Nyborg-Kosmos gelingt ihnen dabei wunderbar leicht. Die Ausweitung der Handlungsebene über Dänemark hinaus generiert nicht nur sehenswerte Aufnahmen aus Grönland, sondern schenkt der Serie eine aktuelle Relevanz und Glaubwürdigkeit.
Getragen werden auch die neuen Folgen von einem wunderbaren Ensemble: wieder mit dabei sind u.a. Søren Malling als Journalist Torben Friis und Birgitte Hjort Sørensen als Katrine Fønsmark, die neue Nachrichtenchefin beim Fernsehsender TV1. Wie ihre Kolleginnen in der Politik bekommt auch sie in ihrer Führungsposition gehörigen Gegenwind. Einen neuen Akzent setzt Mikkel Boe Følsgaard als Dänemarks Arktisbotschafter.
Dreh-und Angelpunkt aber bleibt Birgitte Nyborg. Knudsen zeigt mit dieser Figur, wie Menschen sich in der Politik verlieren können und aus Machtkalkül eigene Überzeugungen über Bord werfen. Knudsen vermag es aber auch, sensibel den Alterungsprozess von Birgitte Nyborg auf den Bildschirm zu bringen.
Borgen bleibt eine TV-Serie, die Maßstäbe setzt. Formal und inhaltlich auf höchstem Niveau offeriert sie uns Zuschauern intelligente Unterhaltung. So mitreißend kann, so mitreißend muss Fernsehen sein.
Die ersten vier Folgen von „Borgen – Macht und Ruhm“ sehen Sie am Donnerstag 7. September ab 21.40 Uhr auf Arte oder in der Arte-Mediathek. Die Folgen fünf bis acht erscheinen eine Woche später, am Donnerstag, 14. September um 21:40 Uhr.