Berlin Die Ampel-Koalition schraubt und hämmert - kann das gutgehen?
Olaf Scholz muss als Regierungschef die Fahne hochhalten und Optimismus verbreiten. Neuerdings empfiehlt er Schalldämpfer.
Wenn Politiker die Lage zu schön reden, werden sie unglaubwürdig. Die Ampel-Koalition wird kein harmonisches Regierungsbündnis mehr werden. Warum also noch länger so tun? Im Barockschloss Meseberg, wo sich Kanzler Olaf Scholz und seine Minister zur Einkehr trafen, wurden deshalb auch keine neuen Appelle wie „Alle müssen sich unterhaken!” oder “Von nun an anders!” formuliert. Olaf Scholz, der als Chef der Ampel zugleich ihr Optimismusbeauftragter ist, will nur noch, dass der Streit nicht mehr ganz so laut ausfällt.
Christian Lindner beschrieb den Arbeitsmodus dieser Regierung folglich nüchtern als ein „Hämmern und Schrauben”. Der Bundeskanzler fügte schmunzelnd hinzu, man werde künftig Schalldämpfer verwenden. Ampelstreit also nur noch in leise bitte.
Die Schalldämpfer ließen einige allerdings in Meseberg liegen. Schon am nächsten Tag holten FDP und Grüne den Vorschlaghammer raus. Die einen wollen die gerade erst abgeschalteten Kernkraftwerke wieder hochfahren, die anderen die Schuldenbremse aufweichen. Rumms! Vielleicht hätten sie sich in Meseberg wenigstens auf den Bauplan einigen sollen. Damit nicht jeder schraubt und hämmert, wo er will.
Treffendere Sprachbilder fand in dieser Woche der Linken-Abgeordnete Jan Korte, der seine Partei mit einem Patienten in „stabiler Seitenlage” verglich. Der scheidende Fraktionschef Dietmar Bartsch fand die Beschreibung so passend, dass er sie gleich selbst nochmal aufgriff. Man wisse ja, was nach der stabilen Seitenlage passieren kann, meinte er. „Da kann man wieder vollständig gesunden und auferstehen.” Dann fügte er in bestechender Ehrlichkeit noch hinzu: „Es sind auch andere Dinge möglich.” Bei der Linken wird wirklich gar nichts mehr schöngeredet.