Prozess vor Landgericht Aurich Angriff mit Flasche nach Streit am Spielautomaten
In der Verhandlung gegen einen 44-Jährigen sagten jetzt weitere Zeugen aus. Ein 30-Jähriger berichtete von seinen Verletzungen – und die Gerichtsmedizinerin gab ihre Einschätzung ab.
Aurich - Im Prozess um mehrere Attacken in einer Auricher Sportsbar haben am Dienstag vor dem Landgericht weitere Zeugen ausgesagt. Der 44-jährige Angeklagte soll am 29. Januar 2022 unter anderem einen 30-Jährigen mit einer zerbrochenen Flasche attackiert haben. Grund war ein Streit am Spielautomaten. Am zweiten Prozesstag sagte nun das Opfer aus. Der 30-Jährige kam in Handschellen in den Gerichtssaal. Er sitzt derzeit in Meppen im Gefängnis.
In den frühen Morgenstunden des 29. Januar sei er mit Verwandten in die Sportsbar gegangen, um dort an Automaten zu spielen. Er habe an einem Automaten einen Restbetrag von zehn Cent bemerkt und daraufhin Geld eingezahlt. Deshalb sei ihn der Angeklagte angegangen. Es kam zum Streit, über dessen genauen Verlauf bei den Zeugen keine Einigkeit herrschte. Der Angeklagte beteuerte, dass er die Flasche zerschlagen habe, um sich zu verteidigen.
Opfer leidet immer noch unter Attacke
Das Opfer erlitt eine Schnittwunde. Die Verletzung habe er erst gar nicht bemerkt und nicht ins Krankenhaus gewollt. Die Wunde durchdrang Innen- und Außenhaut der Wange und musste mehrfach genäht werden. „Ich kämpfe mit der Narbe immer noch“, so der 30-Jährige. Er habe Probleme beim Reden, Lachen oder Essen. Rechtsmedizinerin Dr. Vanessa Preuß erachtete die Folgen der Verletzung als plausibel.
Sowohl das Opfer als auch die weiteren Zeugen wiesen auf eine Videoaufzeichnung der Sportsbar vom Tatzeitpunkt hin. Dem Gericht liegt diese jedoch nicht vor. Es werde sich aber um dieses Beweismaterial für die folgenden Verhandlungstermine bemühen, hieß es.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen außerdem versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung an einem anderen Tattag vor. Zum Vorwurf des versuchten Mordes präsentierte die Gerichtsmedizinerin ihr Gutachten. Das 33-jährige Opfer sei durch den Stich in den Rücken nicht lebensgefährlich verletzt worden. Das Ausmaß sei jedoch nicht kontrollierbar gewesen. Daher wäre der Angriff „unzweifelhaft potenziell tödlich“, so Preuß.