Trendwende  Stadt Aurich setzt künftig auf Sozialwohnungen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 28.08.2023 19:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die neue Auricher Kämmerin Katja Lorenz will den städtischen Haushalt sanieren. Foto: Heino Hermanns
Die neue Auricher Kämmerin Katja Lorenz will den städtischen Haushalt sanieren. Foto: Heino Hermanns
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Lange wurde in der Auricher Politik über bezahlbaren Wohnraum diskutiert. Nun schafft die neue Auricher Kämmerin Fakten.

Aurich - Eine Überraschung hatte die neue Auricher Kämmerin Katja Lorenz für die Mitglieder des Finanzausschusses: Ab sofort werden alle städtischen Wohnungen, deren Mieter ausziehen, in Sozialwohnungen umgewandelt. Den Anfang machen zwei Wohnungen in Plaggenburg im Mesterweg. Dort gibt es zwei Häuser, für die eigentlich seit einiger Zeit Käufer gesucht werden sollen. Es ging im Rathaus allerdings nur ein Gebot ein, das laut Lorenz weit unter dem Wert der Häuser lag. Deshalb sollen nun Mieter gesucht werden.

Katja Lorenz ist seit dem 1. Juli Kämmerin in Aurich. Eine ihrer ersten Amtshandlungen sei es gewesen, sich alle städtischen Wohnungen anzuschauen. Die Wohnungen im Mesterweg, vor zwei Jahren saniert, seien in Ordnung und sofort bezugsfertig. Lediglich im Außenbereich müsse der Betriebshof noch Hand anlegen.

Wohnungsbaugesellschaft geplant

Die Wohnungen sollen nun bei der landeseigenen N-Bank als Sozialwohnungen angemeldet werden. Bei einer Bindung von zehn Jahren zahle die N-Bank pro Haus 33.000 Euro Entschädigung, das entspreche 2,50 Euro pro Quadratmeter. Das erlaube der Stadt, eine Miete von höchstens 5,80 Euro je Quadratmeter zu verlangen. „Eventuell wird es auch weniger in Plaggenburg.“

Zufrieden mit dem Vorschlag waren sofort Grüne, Linke und SPD. Denn seit Jahren wird im Auricher Rat darum gerungen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – mit mäßigem Erfolg. Das könnte sich nun ändern. Denn Katja Lorenz zeigt sich auch offen für eine weitere alte Forderung insbesondere der Linksfraktion: Es geht um die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft. „Ich bin dazu bereits in Überlegungen, das liegt mir am Herzen.“

Offen scheint dafür neuerdings auch die FDP zu sein. Allerdings will sie an einer solchen Gesellschaft, in die städtische Gebäude eingebracht werden sollen, private Investoren beteiligen.

Man müsse sich auch von Geliebtem verabschieden

Ein Ansinnen, das Hendrik Siebolds (Linke) ablehnt. Man dürfe Investoren nicht städtisches Eigentum schenken. Abgesehen davon werde es sowieso keine Interessenten geben. Investoren würden lieber teure Wohnungen bauen.

Katja Lorenz machte deutlich, dass bei allen Vorhaben die Sanierung des städtischen Haushalts im Vordergrund stehe. Ihr rotes Oberteil sei als Stoppschild zu verstehen. Sie verwies auf die Genehmigung des diesjährigen Haushalts durch den Kreis, in dem die Stadt zum Sparen aufgefordert wird.

Bürgermeister Horst Feddermann habe die Kämmerin beauftragt, die Erträge zu erhöhen, ohne die Auricher mehr zu belasten. Das gehe mit der Zweitwohnungssteuer, einer höheren Gewerbesteuer und einer Anhebung der Vergnügungssteuer. Man müsse aber auch von geliebten Maßnahmen Abschied nehmen. Das zu beschließen, sei aber Sache der Politik.

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