Großharrie  Schockfund bei Kontrolle: Tierarzt entdeckt 700 tote Schweine bei einem Bauern

Eckard Gehm, Dörte Moritzen
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Von Eckard Gehm, Dörte Moritzen
| 22.08.2023 19:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen einen Bauern aus Großharrie in Schleswig-Holstein. Der Amtstierarzt hatte in dessen Ställen 700 verendete Schweine entdeckt.

Es soll eine Routinekontrolle gewesen sein, bei der am vergangenen Mittwoch, 16. August, der grausige Fund gemacht wurde. Wie die Staatsanwaltschaft Kiel bestätigt, sollen die geschätzt 700 Kadaver seit geraumer Zeit in den drei Ställen des Bauern liegen. „Wir ermitteln wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Oberstaatsanwalt Michael Bimler.

Der Hof war einmal ein großer Zuchtbetrieb mit 3000 Schweinen, die Eltern des Bauern hatten ihn aufgebaut. Zwei der drei Ställe liegen ein wenig außerhalb des Ortes, einer steht direkt neben dem Hof.

„Ich habe vor zwei Tagen davon erfahren und war entsetzt“, sagt Karl-Hans Blöcker (72), Bürgermeister von Großharrie. Und versichert: „Niemand im Ort hat davon gewusst.“

Das Sterben der Tiere muss furchtbar gewesen sein, sie sind mutmaßlich verhungert, nachdem sich der Bauer nicht mehr um sie kümmerte. Blöcker, der selbst einmal eine Sauenzucht betrieben hat, sagt: „Schweine werden sehr aggressiv, wenn sie hungrig sind, ich will mir nicht vor Augen führen, was da im Stall passiert ist.“

In einem vergleichbaren Fall eines mit seiner Schweinezucht überforderten Bauern aus Bayern hatten sich die Tiere gegenseitig aufgefressen.

Warum hat niemand das Sterben der Tiere bemerkt? Zwei der Ställe liegen zwei Kilometer außerhalb, das Schreien und Quieken der Schweine war also weit entfernt. Zudem herrsche in Ställen immer eine gewisse Unruhe, gerade während der Fütterungszeiten, sagt der Bürgermeister.

Im Ort war aber aufgefallen, dass der Bauer die Schweinehaltung mit der Corona-Krise eingestellt hatte. Die Preise waren im Keller, Schlachthöfe zeitweise geschlossen. „Wir haben uns natürlich gefragt, warum er nicht wieder angefangen hat, nachdem sich die Preise stabilisiert haben“, sagt der Bürgermeister. „Aber mit den toten Tieren war das natürlich nicht möglich, die kann man ja nicht einfach verschwinden lassen.“

Die Lebensgefährtin des Bauern bestreitet, dass tote Tiere in den Ställen liegen. Der Bauer selbst wollte sich nicht äußern.

Als eine „Tragödie“ bezeichnet Dietrich Pritschau das Geschehen. Der stellvertretende Landesvorsitzende des Bauernverbandes sagt: „Wir haben Vertrauenspersonen für Landwirte in Not. Ich mache mir aber bereits länger darüber Gedanken, wie wir ein niedrigschwelliges Frühwarnsystem für solche Fälle etablieren können.“ In den Augen von Pritschau wären die Schweine auch in der Krise absetzbar gewesen. „Ich denke, hier ging es nicht mehr um rationale Entscheidungen, sondern um ein menschliches Problem.“

Auch Bürgermeister Karl-Hans Blöcker will den noch relativ jungen Bauern nicht verurteilen: „Das steht mir nicht zu“, sagt er. Warum der Mann sich niemandem offenbarte und um Hilfe bat, kann der Bürgermeister nicht beantworten. Er sagt: „Ich bin in großer Sorge um den Betroffenen und werde ihn unterstützen.“

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