Osnabrück  Neue Weltordnung? China und Russland treten in Afrika doch selbst wie Kolonialmächte auf

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 22.08.2023 14:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sagt gern, wo es langgeht: Chinas Staatschef Xi Jinping bei der Ankunft zum Brics-Gipfel in Johannesburg mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa. Foto: Apicture alliance/dpa/AP/Themba Hadebe
Sagt gern, wo es langgeht: Chinas Staatschef Xi Jinping bei der Ankunft zum Brics-Gipfel in Johannesburg mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa. Foto: Apicture alliance/dpa/AP/Themba Hadebe
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Beim Gipfel in Südafrika wollen die fünf Brics-Staaten ihr Gewicht in der Welt ausbauen und dazu ihre Allianz ausweiten. Moskau und Peking wollen dabei den Ton angeben. Sollten sich Europa und die USA fürchten?

Schmieden Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ein Bollwerk gegen die westlich dominierte Weltordnung? Tatsächlich liegt der Gedanke angesichts des Interesses von 40 Ländern, der Brics-Staatengruppe beizutreten, nahe. 23 Länder haben sogar schon formell um Aufnahme gebeten. Der Gipfel in Johannesburg könnte erste Weichen für eine Erweiterung in Richtung Brics-“plus“ stellen. Ein Selbstläufer ist das Vorhaben aber nicht

Denn so sehr es sich China und Russland auch wünschen mögen, den USA, der EU sowie den mächtigen Industriestaaten der G7 und der Nato-Verteidigungsallianz politisch, ökonomisch und militärisch Paroli zu bieten – die Interessen der Brics-Staaten stimmen nur begrenzt überein.

Brasilien beispielsweise steht Partnern im Westen sehr viel näher, als man es in Moskau und Peking wahrhaben will. Südafrika hat zwar Militärmanöver mit China und Russland abgehalten, pocht gleichwohl aber auf Blockfreiheit. Und Indien ist getragen von einem Selbstbewusstsein, das es gleichsam verbietet, sich unter chinesische Kuratel zu stellen. Alle drei Staaten haben kein Interesse, Brics zu einer „Quelle globaler Polarisierung“ zu machen.

Einig ist man sich aber darin, die Kräfte zu bündeln und so die wirtschaftliche Entwicklung der Länder voranzutreiben – und dabei die Dominanz des Westens als vorrangiger Nutznießer globaler Verflechtungen zu brechen.

So legitim diese Vision ist, so schwierig ist es, sie in die Tat umzusetzen; allein dem Dollar als internationale Handelswährung Nummer eins abzuschwören, wäre schon mit massiven Schwierigkeiten verbunden.

Länder, die sich über eine Brics-Mitgliedschaft vom Westen emanzipieren wollen, drohen zudem vom Regen in die Traufe zu geraten – China und Russland gerieren sich nicht nur in Afrika schließlich gern selbst wie Kolonialmächte.

Ob eine Staatengruppe der Brics-“plus“ in näherer Zukunft also das Zeug zu einer echten geopolitischen Macht haben wird, bleibt mehr als fraglich.

Dem Westen, der seine Werte so gern exportiert und zum Maß aller Dinge macht, sollten die Ambitionen allerdings eine Warnung sein. Das Narrativ von der „freien Welt“ und „freien Märkten“ als allein glück machender Rezepte garantiert längst keine Gefolgschaft mehr.

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