Personalmangel in Gastronomie  Im Kreis Aurich bleibt die Küche immer häufiger kalt

| | 22.08.2023 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sich mit Freunden zu einem Essen in einem Restaurant zu treffen, ist im Kreis Aurich immer seltener möglich. Viele Lokale müssen wegen Personalmangels ihre Küche schließen. Foto: DPA
Sich mit Freunden zu einem Essen in einem Restaurant zu treffen, ist im Kreis Aurich immer seltener möglich. Viele Lokale müssen wegen Personalmangels ihre Küche schließen. Foto: DPA
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Allein im Landkreis Aurich sind laut Gewerkschaft zurzeit mehr als 80 Jobs in der Gastronomie unbesetzt. Deshalb fordern die Interessenvertreter einen „Start-Lohn“ von 3000 Euro für Gastro-Profis.

Aurich/Norden - Gerade erst hat unsere Zeitung davon berichtet: In Norden bleibt die Küche des Traditionslokals „Smutje“ künftig kalt, für Hotelgäste gibt es nur noch ein Frühstücksbuffet. Auch im benachbarten Dock 8 gibt es nur noch Frühstück – das Abendgeschäft ist abgeschafft.Ein Grund für die eingeschränkten Öffnungszeiten: Die Gastronomen finden kein Personal. Jetzt widmet sich auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) dem Thema, denn die Lokale in Norden sind kein Einzelfall.

Immer öfter bleiben im Kreis Aurich die Küchen kalt, teilte Matthias Brümmer, Geschäftsführer der NGG Oldenburg-Ostfriesland, mit. Ob Restaurant, Gaststätte oder Biergarten – in der Gastronomie im Kreis Aurich gehören „neue Öffnungszeiten“ zum Alltag. Allein für den Landkreis Aurich hat die Bundesagentur für Arbeit in der Hotellerie und Gastronomie aktuell 91 offene Stellen registriert, so die NGG.

Brümmer schlägt jetzt „Küchen-Alarm“ für die Gastro-Szene. Viele Gaststätten und Restaurants hätten bereits einen zusätzlichen Ruhetag eingelegt. „Einige Häuser streichen den Mittagstisch komplett. Und oft schließt die Küche abends deutlich früher. Der Trend ist klar: Die Gastronomie kocht und bedient nur noch auf Sparflamme“, sagt Brümmer. Der Grund dafür liege auf der Hand: „Zu wenig Personal. Hotels, Restaurants, Gaststätten, Biergärten, Cafés, Caterings – fast alle suchen händeringend Unterstützung“, so Matthias Brümmer.

Freie Stellen für Küchen-Profis und Azubis

Das bestätigte auch der Besitzer des Smutje und des Dock 8, Patrik Weber, kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung. Für den Frühstücksbereich und die Gastronomie tagsüber finde er ohne Probleme Fachpersonal. Sobald es aber um eine dauerhafte Abendgastronomie gehe, sei es fast unmöglich, qualifizierte Kräfte zu bekommen, so Weber.

Laut NGG gibt es im Kreis Aurich zurzeit 44 unbesetzte Jobs für Küchen-Profis. Außerdem seien 43 Ausbildungsplätze unbesetzt. Eigentlich müssten die Verträge für das neue Ausbildungsjahr längst abgeschlossen sein“, sagte NGG-Geschäftsführer Brümmer.

Gewerkschaft fordert bessere Arbeitszeiten und höhere Löhne

Aus Sicht der Gewerkschaft ist klar: In der Gastro-Branche muss sich einiges ändern: „Höhere Löhne und bessere Arbeitszeiten sind der Schlüssel für mehr Personal“, so Matthias Brümmer. Konkret peilt er dabei für die Zukunft einen „Gastro-Start-Lohn“ von 3000 Euro brutto pro Monat für alle an, die in der Hotellerie und Gastronomie nach ihrer Ausbildung in einem Vollzeit-Job weiterarbeiten. „Das muss die Branche hinbekommen. Denn wer seine Ausbildung in der Küche, im Service oder im Hotel abgeschlossen hat, braucht eine klare Perspektive. Egal, wo eine Köchin, ein Kellner oder eine Hotelfachfrau hingeht – egal, an welcher Hotelbar, an welcher Rezeption, bei welchem Caterer oder in welchem Biergarten es einen neuen Job gibt: Der faire Einstiegslohn liege bei mindestens 3000 Euro.“

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnte erst kürzlich vor einer möglichen Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer. Die, so der Verband, könnte erhebliche Folgen haben und bedrohe einige Betriebe in ihrer Existenz. Eine der Vorsitzenden des Dehoga-Kreisverbandes Aurich, Mareike Zägel, schloss weitere Schließungen von gastronomischen Betrieben in diesem Zusammenhang nicht aus.

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