ON-Serie „Sommer in Südbrookmerland“  Dieser Wassersport liegt seit Jahren im Trend

Britta Albers
|
Von Britta Albers
| 22.08.2023 13:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Trockenübungen an Land.
Trockenübungen an Land.
Artikel teilen:

Das Große Meer ist das Wassersportrevier im ostfriesischen Binnenland. Neben Surfen und Kanufahren gibt es dort einen Sport, der seit Jahren im Trend liegt. Wir haben ihn ausprobiert.

Bedekaspel - Sommer in Südbrookmerland: Einmal in der Woche stellen die ON Freizeitangebote in der Gemeinde vor. Mal sportlich, mal tierisch, mal kulturell. Heute geht es um einen Stand-Up-Paddling-Kurs am Großen Meer.

Kaum Wind und die Sonne scheint uns ins Gesicht: Das sind gute Voraussetzungen als Anfänger mit dem Stand-Up-Paddling (SUP) zu beginnen. Das Wetter muss stimmen, so der Surflehrer Jens Radde. Der 61-Jährige hat einiges vom klischeehaften Surfer, wie man ihn sich an den Stränden dieser Welt vorstellt: Braun gebrannt, Sonnenbrille und schulterlanges Haar, das deutlich welliger ist als das Große Meer an diesem Tag. Und eine gehörige Portion guter Laune. Seit 35 Jahren betreibt er am Großen Meer in Südbrookmerland eine Surfschule. Rund um seine kleine, ausgewetterte Holzhütte zeigt er Anfängern, wie das mit dem Windsurfen funktioniert – und mit dem Stand-Up-Paddling. Eine dieser Anfängerinnen bin ich. Zusammen mit zwei anderen Teilnehmerinnen will ich den Balanceakt auf dem Großen Meer wagen.

Surflehrer Jens Radde erklärt die Theorie.
Surflehrer Jens Radde erklärt die Theorie.

Stand-Up-Paddling, manchmal auch „Stehpaddeln“ genannt, ist ein seit einigen Jahren wachsender Trend. Und es klingt eigentlich ganz einfach: Man stellt sich auf ein segelloses Surfbrett und paddelt los. Doch die beiden anderen Teilnehmerinnen, Antje und Gaby, und ich merken schnell, dass es so einfach gar nicht ist. Bevor es aufs Wasser geht, steht zunächst die sprichwörtlich trockene Theorie an. Was ist überhaupt Stand-Up-Paddling und wie funktioniert es?

Erste Übungen am sicheren Ufer

Radde hilft uns, das Paddel individuell auf unsere Körpergröße einzustellen und das „Revier“, also das Große Meer, kennenzulernen. Abgesehen von einer Stelle im Segelhafen, kann man in dem See überall stehen, versichert uns Radde. Dennoch will er wissen, ob wir alle schwimmen können.

Auf die Theorie folgt die Praxis – allerdings noch immer am sicheren Ufer. Wie an einer Perlenkette aufgereiht stehen wir hintereinander auf einem Steg und üben die verschiedenen Paddeltechniken: vorwärts, rückwärts, scharfe Wende. Langsam bekommen wir eine Ahnung davon, welche Muskelgruppen uns noch am nächsten Tag an das Abenteuer erinnern werden.

ON-Praktikantin Britta Albers mit den ersten vorsichtigen Paddelschlägen. In Ufernähe wird am Großen Meer kniend gepaddelt. Fotos: Holger Janssen
ON-Praktikantin Britta Albers mit den ersten vorsichtigen Paddelschlägen. In Ufernähe wird am Großen Meer kniend gepaddelt. Fotos: Holger Janssen

Dann wird es ernst: Raus aus den trockenen Klamotten und rein in den klammen Neoprenanzug. Es naht der Moment, in dem es tatsächlich aufs Wasser geht. Oder sogar ins Wasser? Zum Start hilft uns Radde, auf die Bretter zu kommen, die seine Welt bedeuten. Gestartet wird kniend. Einerseits, damit wir erst einmal ein Gefühl für das Ganze bekommen. Und andererseits, damit uns nichts passiert. Ein Sturz auf das mit Holzplanken befestigte Ufer könnte schmerzhaft und sogar gefährlich werden.

Vorsichtig arbeite ich mich mit den ersten Paddelschlägen vor. Ganz schön wackelig, aber das bekomme ich schnell in den Griff. In sicherer Entfernung von der Uferkante richte ich mich dann etwas auf. Wieder taumelt das Brett unter meinen Knien hin und her und ich habe etwas Mühe, nicht ins Wasser zu fallen. Dann nähert sich Jens Radde, bei dem das Ganze irgendwie viel einfacher und geübter aussieht. Wir wiederholen einige der Übungen, die wir zuvor am Ufer gemacht haben. Wir umfahren Bojen und wechseln die Position auf dem Brett. Langsam gewöhnen wir uns daran, keinen festen Boden unter den Füßen – nein, unter den Knien zu haben.

Mehr erreicht als erwartet

Eigentlich ist es laut Radde in der ersten Unterrichtsstunde nicht das Ziel, auf dem Brett aufzustehen und stehend über das Große Meer zu paddeln. Aber scheinbar machen wir drei unsere Sache so gut, dass er uns das zutraut. Dann wird es knifflig: Eine nach der anderen soll versuchen, sich aufzustellen. Rechter Fuß vor, Gewicht verlagern und aufstehen. Diesen Moment hatte ich mir im Vorfeld als den schwierigsten vorgestellt. Doch es klappte, sogar weitgehend problemlos. Und siehe da: Ich paddle im Stehen.

Immer gut gelaunt: Surflehrer Jens Radde
Immer gut gelaunt: Surflehrer Jens Radde

Wieder taste ich mich mit einigen vorsichtigen Paddelschlägen vor, dann läuft es immer besser. Mit etwas Rückenwind lässt sich sogar ein bisschen Geschwindigkeit aufnehmen. Dann soll ich wenden. Wie war das noch mit dem Paddel? Vorwärts oder rückwärts ziehen? Ich drehe mich falsch herum.

Ein Sport für den ganzen Körper

Wie Radde mir später erklärt, ist Stand-Up-Paddling ein Sport für den ganzen Körper. Rücken-, Waden-, Oberschenkel- und Bauchmuskeln – jeder wird beansprucht. Wie stark, hängt von Wind, Wetter und Wellengang ab. Und natürlich von der Technik. Da wir die aber grundlegend gelernt hatten und das Wetter an diesem Tag passt, habe ich Glück gehabt. Der Muskelkater hält sich in Grenzen. „Paddeln geht einfach und komplex, es ist jedoch für Jung und Alt etwas“, sagt Radde. Für mich war es auf jeden Fall ein Wassersport-Abenteuer mit Wiederholungsbedarf.

Ähnliche Artikel