Berlin Einheitsbrei? ARD-Gremium kritisiert eigene Talkformate
Die Talkshows der ARD kehren nach und nach aus der Sommerpause zurück und schon hagelt es Kritik – und zwar vom eigenen Sender. „Hart aber fair“, „Maischberger“ und „Anne Will“ müssen sich einer Prüfung unterziehen. Was sich ändern soll.
Der Inhalt ist zu ähnlich, das Profil zu gleich: Die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der ARD äußert deutliche Kritik an den Talkshows des Senderverbundes. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vorliegt.
Es geht um die Polit-Talkshows „Maischberger“, „Anne Will“ und „Hart aber fair“. Letztere kehrte vergangenen Montag aus der Sommerpause zurück. „Neue Härte: Kommt die Wende in der Asylpolitik?“ lautete das Thema, das Moderator Louis Klamroth mit seinen Gästen diskutierte.
War die Sendung gut genug? Das hat sich die GVK sicher genau angesehen. Denn sie hat die drei großen ARD-Talkshows zum Prüffall erklärt, wie die „SZ“ berichtet. Demnach bittet das Gremium darum, nicht nur zeitnah über das künftige crossmediale Gesamtkonzept informiert, sondern auch beratend einbezogen zu werden.
Denn Ende 2023 laufen die Verträge der Polit-Talks aus. Ein geeigneter Zeitpunkt, um die Formate zu überdenken. Gerichtet ist diese Bitte an den ARD-Vorsitzenden Kai Gniffke sowie die Programmdirektorin Christine Strobl. Das war bereits Ende April.
Die Kritik: „Talkshows müssen sich in ihrer Machart, ihrem Profil und Inhalt deutlich voneinander unterscheiden, um nicht zuletzt unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Es genügt nicht, sich nur durch unterschiedliche Moderatoren-Persönlichkeiten zu unterscheiden.“ Doch genau das scheint der Meinung des Gremiums nach der Fall zu sein.
Und die Statistik gibt ihm recht: Laut des Branchenmagazins „Meedia“ sind immer wieder dieselben Experten zu Gast. Allein CDU-Politiker Norbert Röttgen trat im vergangenen Jahr 21 Mal in den fünf großen Polit-Talks der öffentlichen-rechtlichen Sender auf – außer in den drei ARD-Talkshows auch bei „Maybritt Illner“ und „Markus Lanz“ im ZDF. Damit stieß er Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vom Thron des „Talkshowkönigs“, der zuvor der häufigste Gast war.
Und nicht nur die Gesprächspartner wiederholen sich, sondern auch das, worüber gesprochen wird. Bei „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maybritt Illner“ wurde insgesamt 46 Mal über den Krieg in der Ukraine, 19 weitere Male über die Energiekrise diskutiert. Definitiv die großen Themen des Jahres 2022.
Dennoch will die GVK die ARD-Talks verändern. Ein Punkt soll die „künftige redaktionelle Endverantwortung“ sein, wie die „SZ“ schreibt. Das Ziel solle sein, „die Themen besser und verbindlicher aufeinander abzustimmen, Dopplungen zu vermeiden und aktuelle Ereignisse und Themen zielgerichteter aufzugreifen“. Derzeit liegt die Verantwortung beim WDR und NDR, wo die Talkshows angesiedelt sind. Die Produktion obliegt jedoch jeweils einer externen Firma, die Sender fungieren eher betreuend.
Klar ist, dass die Programmdirektion bereits einen Umbruch plant. So sprach Programmdirektorin Christine Strobl bereits vor einigen Wochen von einer „Neujustierung“ der Polit-Talks. Eine große Änderung ist schon länger bekannt: Ende des Jahres wird Caren Misoga am Sonntagabend Anne Will ersetzen. Viel ändern werde sich am Inhalt der Sendung aber nicht. Es solle weiterhin hochkarätige Gäste geben und über gesellschaftlich und politisch relevante Themen gesprochen werden, so ein ARD-Sprecher gegenüber der „SZ“.
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„Hart aber fair“ solle außerdem verstärkt auf junges Publikum ausgerichtet werden. Der Sender müsse „auch für jüngere Menschen im Digitalen einen Ort des politischen Diskurses anbieten“, so Strobl. „Maischberger“ habe man bereits „grundsätzlich überarbeitet, um das Profil gegenüber den anderen Gesprächsformaten zu stärken“, wie wiederum der ARD-Sprecher mitteilte. Dazu gehören unter anderem Gespräche zwischen nur einem ausgewählten Gast und der Moderatorin.
Man sei sich mit dem Gremium einig, was die Programmvielfalt betreffe. Ob das in Zukunft auch die Zuschauer bemerken werden, wird sich zeigen.