Wegen politischer Beschlüsse  Restaurant Smutje in Norden schließt

| | 17.08.2023 13:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Patrik Weber gibt den Restaurantbetrieb seines Stadthotels Smutje auf. Foto: Rebecca Kresse
Patrik Weber gibt den Restaurantbetrieb seines Stadthotels Smutje auf. Foto: Rebecca Kresse
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Schnitzel und Burger gehören ab Oktober im Smutje der Vergangenheit an. Dann gibt es im Lokal des Stadthotels nur noch ein Frühstücksbuffet. Die Gründe dafür liegen laut dem Betreiber in Berlin.

Norden - Es ist eine Norder Institution – seit 1984 gibt es das Restaurant Smutje im neuen Weg. Sogar in Romanen und Fernsehdokumentationen ist das Lokal verewigt. Jetzt wird sich alles ändern: Ab dem 15. Oktober schließt das Restaurant des Stadthotel Smutje seine Küche. Künftig wird es ein Hotel-Garni – es gibt also nur noch Frühstück vom Buffet. Geschlossene Gesellschaften wie Hochzeiten und Konfirmationen sind weiterhin nach Absprache möglich.

Gestiegene Energiekosten, die Situation auf dem Arbeitsmarkt und viele politische Entscheidungen der Bundesregierung haben dazu geführt, sagte Inhaber Patrik Weber im Gespräch mit unserer Zeitung.

Es sei eine schwere Entscheidung, an der er und seine Frau Katharina Weber schon seit mehr als einem Jahr überlegt und geplant haben. „Es ist aber nahezu unmöglich geworden, einen abendlichen à la carte Restaurantbetrieb aufrecht zu erhalten, der den hohen Ansprüchen der Gäste und Inhaber gerecht wird, so der Unternehmer. Es fehlten schlichtweg Mitarbeiter und die Bestandscrew leide unter den Belastungen“, sagte Weber. Dabei gibt es im Smutje durchaus Anreize für neue Arbeitskräfte – Weber zahlt über dem Mindestlohn, ermöglicht ein E-Bike-Leasing, gestaltet die Arbeitszeiten mitarbeiterfreundlich. Und trotzdem: Für den abendlichen Restaurantbetrieb bekommt Weber „kaum bis keine“ Bewerbungen. Stellen tagsüber wie im Hotel, an der Rezeption und im Frühstück seien hingegen gut und qualifiziert zu besetzen. „Die Arbeitswelt ist im Wandel und wir müssen uns anpassen“, so Patrik Weber.

Hohe Energie- und Warenkosten machen Betrieb unrentabel

Doch selbst wenn er qualifiziertes Personal bekommen würde, machen ihm und seinem Betrieb die hohen Energiekosten, gestiegene Warenkosten und Tariflöhne das Leben schwer. „Ich habe Glück und zahle durch einen Altvertrag nur 30 Prozent mehr für die Energie“, sagte Weber. Aber sobald er die Küche öffne, die Geräte einschalte, kosten diese. Auf der anderen Seite steigen die Einnahmen nicht in gleichem Maß. Im Gegenteil: „Wir haben zwar weiterhin mit rund 100 Gästen pro Abend die gleiche Anzahl, der einzelne Gast konsumiert aber weniger, verzichtet zum Beispiel auf die Vorspeise, das Dessert oder das zweite Getränk“, sagte Weber. Denn auch die Kunden müssten angesichts der aktuellen Lage aufs Geld gucken.

Eine Planungsrechnung mit seinem Steuerberater habe ergeben, dass mit dem reinen Frühstücksbetrieb am Ende sogar mehr übrig bleibt, als mit dem zusätzlichen Restaurantbetrieb. Am Dienstag habe er sein Personal über den geplanten Schritt informiert. Nach dem ersten Schock seien die zum Teil aber auch erleichtert gewesen. Denn auch am Team sei die Belastung der vergangenen Monate nicht spurlos vorübergegangen. Erst kürzlich habe er erneut eine Küchenhilfe verloren, die sich umorientiert hat. Auch diese Kraft werde er nicht ersetzen könne, sagte Weber.

Gastronom: Bürokratie nimmt immer mehr zu

Es ist übrigens nicht zum ersten Mal, dass Weber diesen Schritt geht. Auch in seinem Lokal Dock 8 an der Großen Neustraße in Norden gibt es keinen abendlichen Restaurantbetrieb mehr. Stattdessen setzt er auch hier auf Frühstück, außerdem auf Catering und Events. Das seien Angebote, die planbar sind, für die dann auch Personal zur Verfügung stünde und für die die Kunden auch bereit seien, die aufgerufenen Preise zu bezahlen, erklärte er.

Weber macht vor allem der Bundesregierung große Vorwürfe. „Schon mit ihrer Corona-Politik hat die Regierung die Fachkräfte vergrault“, sagte er. Es habe den Mitarbeitern schwer zugesetzt, dass sie nicht als systemrelevant galten und nicht mehr arbeiten durften, sagte der Unternehmer. Außerdem nehme die Bürokratie immer weiter zu – über ein gesundes Maß hinaus, wie er sagte. Ein Blick in seine Küche zeigt, was Weber meint: In jeder Ecke der Küche hängen Listen aus. Jeder kleinste Handgriff müsse darin dokumentiert werden, erklärte Weber – von der reinen Hygiene bis zur Temperatur des Fritteusenfetts.

Weber bittet um Unterzeichnung der Dehoga-Petition

Ein weiteres Schreckgespenst vieler Gastronomen und auch von Weber ist die Überlegung der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants wieder zu erhöhen. „Mit dieser wankelmütigen und unzuverlässigen Regierung ist kein Planen möglich“, sagte Patrik Weber. Zwar gebe er sein Restaurantbetrieb auf, trotzdem appelliert er an die Bevölkerung, sich für das „kulturelle Gut Restaurant“ einzusetzen und die Online-Petition des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) zu unterschreiben, damit nicht noch mehr Restaurants schließen müssen. Denn genau das prophezeit Weber für den Fall, dass die Mehrwertsteuer wieder um zwölf Prozent erhöht werde. Innerhalb der jungen Dehoga seien die Sorgen sehr groß. „Ich kenne keinen anderen Gastronom, der nicht überlegt und sich eine Exit-Strategie baut“, sagte Weber. Das Unternehmertum und die Selbstständigkeit insgesamt stünden sehr infrage. Das gelte nicht nur für die Gastronomie. Der Tourismus sei der größte Arbeitgeberzweig an der Küste. Auch der steht aus Sicht von Weber auf „ganz wackeligen“ Füßen. „Ich erwarte mir den großen Knall in der Wirtschaft“, so der Gastronom.

Wenigstens für alle, die schon jetzt den durch die Klaus-Peter-Wolf-Krimis berühmten Rinderrouladen des Smutje nachtrauern, gibt es eine gute Nachricht: Die wird es auch in Zukunft geben, im Weckglas für zu Hause.

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