Neues Pflichtfach Informatik-Lehrer fehlen überall – so sieht es in Aurich aus
In den zehnten Klassen wird Informatik jetzt zum Pflichtfach. Vielen Schulen in Niedersachsen fehlen dafür die Fachlehrer. Doch Auricher Einrichtungen fühlen sich aus einem Grund gut gerüstet.
Aurich - Informatik wird für alle Zehntklässler ab diesem Schuljahr zum Pflichtfach. Die neunten Jahrgänge folgen ein Jahr später. Angesichts des Lehrermangels für viele Schulen eine Herausforderung, wie Medienberichte zeigen. Doch das Auricher Gymnasium Ulricianum fühlt sich gut aufgestellt, wie Schulleiter Rüdiger Musolf sagt. Denn dort werde Informatik schon länger epochal in beiden Jahrgängen unterrichtet. „Unsere Erfolgsgeschichte begann im Schuljahr 2020/21“, erzählt Musolf.
Damals kam durch die Fachgruppe die Idee auf, Informatik anzubieten. Das Ulricianum wurde zur offiziellen Pilotschule Niedersachsens für das neue Fach. Dadurch flossen die Auricher Erfahrungen unmittelbar in die Unterrichtsgestaltung und das Kerncurriculum für alle niedersächsischen Schulen ein. „Wir sind sozusagen Experten“, sagt Musolf nicht ohne Stolz. Der bisherige Unterricht in einem Halbjahr der neunten und einem Halbjahr der zehnten Jahrgänge sei sehr gut gelaufen. „Das verdanken wir der sehr regen, dynamischen Fachgruppe“, so der Schulleiter.
Mehr Wahlfreiheit in der Oberstufe
Auf gleich vier Fachlehrkräfte kann Musolf zurückgreifen, eine fünfte Kraft absolviere gerade die Zusatzqualifizierung. Die Informatikstunden konnten so Lücken im Stundenplan füllen, die durch den Lehrermangel in anderen Fächern verursacht wurden, erläutert er. Das Ulricianum gehört dem MINT-EC-Verbund an und kann Forschungsprojekte anstoßen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Auricher EEZ sowie Instituten klappe gut, so Musolf. Eine große Auricher Firma habe zudem Interesse, mit den Informatikschülern zusammenzuarbeiten. „Das wäre ein Gewinn für beide: Die Schüler könnten ihre Kenntnisse in einem echten Betrieb anwenden. Und das Unternehmen so Nachwuchs für sich gewinnen“, freut sich der Schulleiter.
Informatik wird ab diesem Schuljahr im zehnten Jahrgang des Gymnasiums nun als Pflichtfach in den Nachmittag eingepflegt. In der elften Klasse können Schüler zwischen den vier naturwissenschaftlichen Fächern ihre drei Fächer auswählen, die sie weitermachen wollen. „Die Oberstufenkurse werden gut angenommen“, sieht Musolf auch darin den Erfolg des Modells. Durch die Vielfalt hätten die Schüler einerseits mehr Wahlmöglichkeiten. Andererseits würden neue Begabungen geweckt.
KGS fehlen Möglichkeiten zur Fortbildung
An der Auricher Realschule ist Informatik „seit einer Ewigkeit Wahlpflichtkurs“, sagt Schulleiterin Kathrin Peters. Deshalb würde sie Kollegen auch schon seit Jahren auf die entsprechenden Fortbildungen schicken. Mir drei Kräften, die schon vorher informatik-affin waren, sei die Schule derzeit gut aufgestellt. Statt das Fach nun einstündig über das ganze Schuljahr zu unterrichten, habe sich die Realschule entschieden, es halbjährlich als Doppelstunden anzubieten. „Eventuell tauschen wir die Nachmittagsstunden aber mit dem Sport“, nennt Peters eine Überlegung. Die zusätzliche 31. Wochenstunde, die dadurch eingeführt wurde, sei für ihre Schule kein Problem. Die insgesamt 68 Lehrkräfte bekämen dies zusätzliche Fach mit abgedeckt. Probleme bekämen Schulen, die bisher keinen Ganztag angeboten hätten.
Wenn nach und nach weitere Jahrgänge im Fach Informatik hinzukommen, mangele es an der Realschule an Platz, so Peters. Denn derzeit verfüge sie nur über einen Computerraum. Dies solle sich jedoch durch den Neubau ändern. Läuft alles wie geplant, soll noch in diesem Jahr Baubeginn sein. „Dann könnten wir 2025 einziehen und wären gut vorbereitet“, sagt die Schulleiterin.
Die Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Großefehn haben ebenfalls seit Jahren die Möglichkeit, im Wahlpflichtbereich der Haupt- und Realschule Informatik anzuwählen, berichtet Schulleiterin Silvia Fleßner. Zwar habe die KGS keine gelernten Informatiklehrkräfte. Doch werde im zehnten Jahrgang eine Lehrkraft unterrichten, die sehr informatik-affin sei. „Die Versorgung ist somit sichergestellt“, so Fleßner. Weitere Lehrkräfte hätten Interesse daran, sich in Informatik fortzubilden. „Sie haben sich schon wiederholt für die ausgeschriebenen Fortbildungen anmelden wollen. Leider sind sie bislang noch nicht zum Zuge gekommen“, bedauert die Leiterin. Nun hoffe das Team auf weitere Fortbildungsmöglichkeiten durch das Land.
Auch an der Ihlower IGS gibt es bereits eine Lehrerin, die eine Lehrbefähigung für Informatik hat, sagt Schulleiter Günter Tautz. Dadurch konnten schon AGs und Wahlpflichtkurse angeboten werden. Ein weiterer Kollege werde dieses Jahr die notwendige Fortbildung absolvieren. Informatik selbst sei insofern herausfordernd, da diese Stunden zusätzlich zu den anderen Fächern erteilt werden müssten. „Das verstärkt natürlich die angespannte Situation mit der Unterrichtsversorgung“, so Tautz.