Sydney  Australien: So will Melbourne E-Scooter-Fahrern Manieren beibringen

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 17.08.2023 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
E-Scooter sind nicht in ganz Australien legal. Während sie in Melbourne oder Canberra inzwischen zum Straßenbild gehören, sind sie auf öffentlichen Straßen in Sydney weiterhin verboten. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
E-Scooter sind nicht in ganz Australien legal. Während sie in Melbourne oder Canberra inzwischen zum Straßenbild gehören, sind sie auf öffentlichen Straßen in Sydney weiterhin verboten. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
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In Melbourne hat man die Nase voll von manchen E-Scooter-Fahrern. Eine neue Technologie soll Verkehrsteilnehmern besseres Verhalten anerziehen. Wer gegen die Verkehrsregeln verstößt, wird künftig von seinem Roller lautstark ermahnt.

E-Scooter sind vor allem in der Stadt ein ideales Fortbewegungsmittel – umweltfreundlich, praktisch und versprechen dazu noch eine Menge Spaß. Doch wie so oft sind die Nutzer das Problem: In Melbourne meldeten Kritiker der Fahrgeräte an, dass die Rollerfahrer häufig auf Gehwegen unterwegs seien und damit eine Gefahr für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen darstellten.

Mit derartigen Problemen stehen die Australier nicht alleine da. Im vergangenen Jahr meldete die Westdeutsche Zeitung beispielsweise, dass die E-Scooter auf den Düsseldorfer Straßen eine durchwachsene Bilanz voller Unfälle, Anzeigen und Beschwerden hinterlassen hätten. Auch im Nachbarland Österreich berichtete der ORF, dass es ähnliche Beschwerden über E-Scooter-Fahrer in Salzburg gegeben habe, und in der Schweiz machte die Kantonspolizei Wallis im letzten Jahr einen ganz besonders krassen Fall publik: So zog sie einen Elektroroller aus dem Verkehr, der offenbar bis auf Autobahn-Geschwindigkeit beschleunigen konnte.

In Melbourne sieht die Lage nicht viel besser aus. Trotzdem will die Stadt weiter an den Fahrgeräten festhalten. „Ich liebe E-Scooter“, sagte der stellvertretende Oberbürgermeister Nicholas Reece gegenüber der lokalen Presse. Und damit ist er nicht der Einzige: Seit Februar letzten Jahres wurden in Melbourne mehr als fünf Millionen E-Scooter-Fahrten unternommen – durchschnittlich fast 6000 Fahrten pro Tag, eine der höchsten Raten weltweit.

Und die Roller bringen auch viel Positives mit sich: Durch die Fahrgeräte konnten die CO2-Emissionen der Fünf-Millionen-Stadt um mehr als 400 Tonnen gesenkt werden. Deutlich mehr Menschen nutzten öffentliche Verkehrsmittel und kürzten mit Hilfe der handlichen Fahrgeräte die Zeit ab, um zu Zügen, Straßenbahnen und Bussen zu gelangen oder um schneller umzusteigen.

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Der Gemeindevertreter Reece hofft nun, das teils sogar gesetzwidrige Verhalten mancher Verkehrsteilnehmer mithilfe einer „neuen Technologie“ in den Griff zu kriegen. So werden E-Scooter-Fahrer, die gegen Melbournes Straßenverkehrsregeln verstoßen, künftig akustisch gewarnt. Bei dem Projekt sind zunächst 25 E-Scooter der Firma Lime mit Kamera- und GPS-Technologie ausgestattet worden. Geplant ist, die neue Technologie irgendwann aber auf die gesamte E-Scooter-Flotte der Stadt auszuweiten.

Beispielsweise können die neu präparierten Roller erkennen, ob sich Fahrer auf dem Fußweg anstatt auf der Straße befinden. Fußwege können in belebten Teilen der Stadt als Sperrgebiete ausgewiesen werden. Sollten Nutzer trotzdem in eines der gesperrten Gebiete fahren, würden die neuen E-Scooter sie „anschreien“, sagte der stellvertretende Bürgermeister im Interview mit dem Radiosender 3AW.

Neben dieser akustischen Ermahnung gibt es in der App auch programmierte Langsamfahrzonen, wo die Roller in Bereichen mit hohem Verkehrsaufkommen ausgebremst werden. Und an Orten, wo sie sich überhaupt nicht aufhalten sollen, können die Geräte komplett gestoppt und der jeweilige Fahrer gewarnt werden.

In einer Gegend läuft derzeit auch ein Versuch, die Fahrer zum Ende ihrer Nutzung per App-Kommunikation zu ausgewiesenen Scooter-Parkplätzen zu führen. Zudem wird an weiteren technologischen Lösungen gearbeitet, um beispielsweise zu verhindern, dass Nutzer ihre Fahrt beenden, ohne richtig geparkt zu haben. Außerdem soll es ein System geben, das erkennen kann, ob jemand, der einen E-Scooter mieten möchte, zuvor zu viel Alkohol getrunken hat. Und mit einem Fahreridentifikationssystem könnte künftig das Fahren von Minderjährigen ausgeschlossen werden.

Noch sind E-Scooter nicht in ganz Australien legal. Während sie in Melbourne oder Canberra inzwischen zum Straßenbild gehören, sind sie auf öffentlichen Straßen in Sydney offiziell illegal. Die Polizei toleriert private E-Scooter-Fahrer dort aber ebenfalls weitgehend und verteilt Strafen eigentlich nur, wenn sich Nutzer nicht an die Verkehrsregeln halten.

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