Corona-Hilfen zurückgefordert Auricher Friseure kämpfen ums Überleben
Viele Auricher Friseure bangen. Denn die N-Bank fordert einen Großteil der geleisteten Corona-Hilfen zurück. Doch wovon die Saloninhaber dies bezahlen sollen, ist ihnen unklar.
Aurich - Schnelle, unbürokratische Hilfe ohne Nebenwirkungen hatte die Regierung den Selbstständigen und Unternehmern in Corona-Zeiten versprochen. Dadurch sollten Ausfälle während der Lockdowns ausgeglichen werden. Doch für viele Friseure kommt jetzt das böse Erwachen. Denn die N-Bank fordert die Corona-Hilfen nun zurück. „Das ist eine ganz linke Nummer vom Staat“, sagt die Auricher Friseurin Sandra Hildebrand. So hätten die Kontrolleure die Umsätze nach der Wiedereröffnung mit denen aus dem Vorjahr verglichen. Und seien zu dem Schluss gekommen, dass die Hilfen den Betrieben nicht zustünden. „Doch nach der langen Schließung haben wir extra Sonderzeiten angeboten, um alle Kunden bedienen zu können“, sagt die Saloninhaberin. Dadurch sei der Umsatz zwar höher ausgefallen, hätte aber die Ausfälle lange nicht kompensiert.
Die Branche gerate in große Schwierigkeiten, sagt Hildebrand. Ihr sei es nicht möglich, den vierstelligen Betrag in eins zurückzuzahlen. „Das geht nur mit Mini-Beträgen“, so die Auricherin. Und selbst diese Summen würden ein großes Loch reißen. Denn die finanziellen Einbußen wirkten immer noch nach. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir den Antragsaufwand gespart“, sagt Hildebrand. Ihr Team habe alles gegeben, montags und abends länger gearbeitet. Doch nicht geschnittene Frisuren könnten eben auch nicht nachgeholt werden. „Der Umgang mit uns jetzt ist traurig und enttäuschend. Bei anderen, die nichts einbringen, wird das Geld nur so rausgeschmissen. Und bei uns wird gekürzt“, ärgert sich Hildebrand.
Rücklagen sind aufgebraucht
Imke Hennig, Arbeitgeber-Vizepräsidentin der Handwerkskammer Ostfriesland, spricht von einer „Katastrophe“. 17 Wochen hätten die Friseure während der Lockdowns nicht arbeiten dürfen. Die Hilfen seien ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen und selbst die wolle man ihnen nun wieder wegnehmen. „Das ist eine echte Klatsche. Meine Kollegen und ich bangen alle“, sagt Hennig. Sie führt einen Salon in Wiesmoor. Bisher habe sie noch kein Schreiben der N-Bank erhalten, sie rechne jedoch täglich damit. „Mein Gespartes ist in der Pandemie komplett draufgegangen“, so die Friseurin. Auf Rücklagen könne sie bei der Rückzahlung also nicht zurückgreifen. Niedersachsenweit hätten schon mehrere Betriebe deshalb schließen müssen. Für Ostfriesland könne sie diesen Zusammenhang bisher nicht nachweisen.
Viele Kunden seien nach den Lockdowns gerne wiedergekommen. Doch gerade ihren Männern würden einige Frauen nun selbst die Haare schneiden. Andere hätten sich notgedrungen während der Pandemie entschieden, die Haare grau werden zu lassen, anstatt sie zu färben. Auch der Rhythmus der Friseurbesuche habe sich bei einigen Kunden von vier auf fünf bis sechs Wochen verlängert.
N-Bank begründet ihr Vorgehen
Der Inhaber des Auricher Salons „Team Headline“, Wolfgang Ostertag-Boes, ist ebenfalls von einem Schreiben der N-Bank überrascht worden. Statt der versprochenen bis zu 12.000 Euro habe er nur 6000 Euro Hilfen erhalten. Und davon müsse er jetzt die Hälfte zurückzahlen. „Und als Gewinn versteuern soll ich die Hilfen auch noch“, ärgert sich Ostertag-Boes. Die Politik habe getönt und viel versprochen, doch davon geblieben sei nichts. Er sitze das nun erst einmal aus. Eine Organisation, der Ostertag-Boes angehöre, versuche dagegen vorzugehen. „In Baden-Württemberg hatten sie damit schon Erfolg“, so der Saloninhaber. Der Rückzahlungsstichtag sei zudem bis Ende November verlängert worden. „Da habe ich ja noch Zeit“, sagt der Auricher. „Was kann ich dafür, dass die Regierung uns zum Schließen gezwungen hat? Die Fixkosten liefen weiter.“
Der Pressesprecher der N-Bank, Bernd Pütz, verweist auf die Bescheide. Schon dort habe zweimal der Hinweis gestanden, dass die geschätzten Angaben der Antragsteller noch einmal überprüft würden. „2022 haben alle eine Tabelle ausgefüllt, in der sie ihre tatsächlichen Umsätze und Einbußen dargelegt haben“, so Pütz. Auf dieser Grundlage würden nun die zu viel gezahlten Hilfen zurückverlangt. 90.000 Unternehmer hatten die Corona-Hilfe 2 damals in Niedersachsen beantragt, 75.000 hätten diese zumindest teilweise zurückgezahlt. „250 Millionen Euro haben wir schon erhalten“, so Pütz. Jeder Antragsteller wüsste schon lange, dass eine Rückzahlung auf ihn zukommen werde. Und das Ministerium hätte die Fristen nun noch einmal bis Ende November verlängert.
Das reicht Sandra Lindenbeck vom gleichnamigen Auricher Salon als Begründung nicht. Vielleicht habe irgendwo im Kleingedruckten ein Hinweis gestanden. Doch die geforderte Rückzahlung sei ein großer Aufreger und unverschämt. Die Summe zurückzuzahlen, werde nicht einfach, so die Friseurin. Sie warte nun erst einmal ab, was bei den Protesten herauskäme.