Osnabrück  Wenn das „Elterntaxi“ zum Fluch für die Kinder wird

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 15.08.2023 13:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Einsteigen bitte: Kinder im Auto der Eltern auf dem Weg zur Schule. Muss das sein? Foto: dpa/ZB/Ralf Hirschberger
Einsteigen bitte: Kinder im Auto der Eltern auf dem Weg zur Schule. Muss das sein? Foto: dpa/ZB/Ralf Hirschberger
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Bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, sorgt das vor Ort wegen riskanter Park- und Wendemanöver oft für Ärger, schnell liegen die Nerven bei allen Beteiligten blank. Das muss doch nicht sein.

Erinnern Sie sich noch an Ihren Schulweg? Als Grundschüler haben Sie mit Freunden vielleicht Hausaufgaben verglichen oder tuschelnd Geheimnisse getauscht. Später dann, auf dem Weg in die weiterführende Schule, die ein oder andere Rangelei in Bus und Bahn, erstes Händchenhalten oder gemeinsames Schwänzen.

Der Schulweg ist ein sozialer Raum, in dem sich der Nachwuchs ausprobiert und Autonomie erprobt; damit geht er weit über die Problematik von Verkehrssicherheit und Umweltbelastung hinaus.

Hier lernen Kinder Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In einer Umwelt, die oft nicht gerade kinderfreundlich ist und selbstverständlich auch Gefahren birgt, ist das eine echte Herausforderung – vor allem für viele Eltern, die Angst um den Nachwuchs haben und nur das Beste für ihn wollen. Das Beste ist aber nicht unbedingt immer das Bequemste.

In ländlichen Regionen, wo Busse gar nicht oder zeitlich äußerst ungünstig fahren, hat das „Elterntaxi“ seine Berechtigung. Wo es nur der Bequemlichkeit dient oder der Beruhigung ängstlicher Eltern, gibt es gute Gründe, die Praxis zu hinterfragen.

Herausforderungen zu bewältigen, macht Kinder stolz und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Als I-Dötzchen den Schulweg zu meistern, ist ein erster wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit.

Wer aber Kinder zur Unselbstständigkeit erzieht, indem er ihnen auch im fortschreitenden Alter jede noch so kleine Belastung abnimmt und ihnen wenig bis nichts zutraut – ja, auch zumutet! – erweist dem Nachwuchs einen Bärendienst. So wird das „Elterntaxi“ schnell zum Ausdruck falsch verstandener Fürsorge.

Klar, nicht jedes Kind, das von Mami oder Papi an der Schule vorgefahren wird, ist überbehütet. Und nicht jedes Kind, das die Eltern eigenständig durch den wuseligen Stadtverkehr zur Schule radeln lassen, ist vernachlässigt. Machen wir aus der Debatte um das Elterntaxi also keine ideologische Schlacht.

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