Lebensgeschichte Der letzte Zöllner bei Doornkaat
Eckhard Kruse aus Südbrookmerland hat in seinem Leben beruflich einiges erlebt. Was ihn mit der bekannten Spirituosenmarke und Bundespräsident Theodor Heuss verbindet.
Münkeboe - „Ich war der letzte Zöllner bei Doornkaat in Norden“, berichtet Eckhard Kruse stolz, aber immer noch ein bisschen wehmütig. Im Gespräch mit den ON gab der 88-jährige pensionierte Zollbeamte aus Münkeboe einen Einblick in seine abwechslungsreiche und interessante Lebensgeschichte, in der neben seiner Familie Bundeskanzler Adenauer, die Zonengrenze, die Branntweinkontrolle, das Dörpmuseum Münkeboe und der Elf-Ürtje-Treff von großer Bedeutung waren und noch sind.
1955 schloss sich der gelernte Maler dem Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) an und gehörte bereits zwei Jahre später der Wachhundertschaft an, die Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) auf seiner täglichen Fahrt von seinem Wohnsitz in Rhöndorf zum Bundeskanzleramt im Palais Schaumburg in Bonn begleitete und beschützte. Eine Fahrt dauerte in der Regel zwanzig Minuten, der Tag nach seiner Wiederwahl 1957 habe mehr als zwei Stunden in Anspruch genommen, erinnert sich Eckhard Kruse.
Skat mit Innenminister
Zudem gehörte das Repräsentieren vor Palais Schaumburg zu ihren Aufgaben, so manch hoher Politiker sei an ihnen vorbeigegangen, berichtet Eckhard Kruse, der mit seinen Kameraden in einem Nebengebäude im Wirtschaftsministerium von Ludwig Erhard (CDU) untergebracht war. Dort hätten sie des Öfteren Besuch vom damaligen Innenminister Gerhard Schröder (CDU) bekommen, der mochte nämlich so gerne Skat mit ihnen spielen. Im Park des Palais Schaumburg habe er sich einige Male mit Bundespräsident „Papa“ Theodor Heuss (FDP) unterhalten, der Waisenkinder aus einem nahegelegenen Waisenhaus zu sich einlud und mit ihnen dort spazieren ging.
Großes Glück hatte Eckhard Kruse, als er als Beifahrer eines Jeeps, der während des Dienstes mit einem Panzer zusammenstieß, schwer verletzt überlebte, während seine drei Kameraden tödlich verletzt wurden.
Sehnsucht nach Ostfriesland
Seine Sehnsucht nach einer Rückkehr in seine Heimat Ostfriesland veranlasste ihn, sich beruflich zu verändern und sich dem Zoll anzuschließen. Dies brachte nach der Ausbildung in Bad Gandersheim zunächst viele Wohnortwechsel mit sich.
Nach Aufenthalten und Tätigkeiten entlang der Zonengrenze, in Emmerich am Rhein und Nordhorn ging es schließlich zurück nach Ostfriesland zum Hauptzollamt Emden in den Steueraufsichtsdienst. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Steueraufsicht bei Doornkaat in Norden, wo er eine der größten Kornbrennereien mit über 5000 Zollverschlüssen überwachte und die ordnungsgemäße Versteuerung des Branntweins vornahm.
„Ich musste schon genau wissen, was los war. Deshalb habe ich mich entsprechend weitergebildet, ansonsten hätte man mich wahrscheinlich übers Ohr gehauen“, lächelt Eckhard Kruse.
Seine Ära als Zöllner endete 1997, als der letzte Doornkaat gebrannt wurde. Doornkaat war inzwischen von dem Spirituosenhersteller Berentzen im emsländischen Haselünne übernommen worden. Durch seine guten Verbindungen zum Doornkaat-Laborleiter Dr. Sonntag gelang es Eckhard Kruse, fast die gesamte Laboreinrichtung für das Dörpmuseum Münkeboe zu bekommen.
Die Gegenstände befinden sich im Dorfkrug des Museums, wo sie von den Besuchern besichtigt werden können. Dort versucht der ehemalige Zöllner Eckhard Kruse, ihnen die Vorgänge des Schnapsbrennens mit seinem rechtlichen und fachlichen Wissen ein wenig zu vermitteln, was ihm nach wie vor sehr viel Spaß bereitet. Inzwischen steht ihm mit Björn Meyer ein junger und zuverlässiger Vertreter zur Seite.
Teil des Dörpmuseum-Teams
Mit großer Leidenschaft und Begeisterung ist Eckhard Kruse seit jeher ein Teil des Dörpmuseum-Teams. Für die dort anfallenden Arbeiten, Ausstellungen und Veranstaltungen habe er wie auch die anderen bis heute so manche Stunde im Museum verbracht, jedoch nicht eine Minute bereut, sagte er. Ein „Muss“ ist für ihn, sich jeden Sonntagvormittag mit Dörpmuseumsleiter Otto Klatt, Werner Giesenberg, Willi Keck, Hermann Jaspers, Ment Memenga und Heiko Diekmann, sie seien die Ältesten im Team, zum „Elf-Ürtje-Treff“ im Kolonistenhaus zu treffen. Bei einem Gläschen Bier und Schnaps werde geklönt, über alles diskutiert und so mancher Plan für weitere Aktivitäten im Museum geschmiedet.
Der „Elf-Ürtje-Treff“ sei es auch, der einmal im Jahr auf dem Gelände des Dörpmuseums ein „Swienslachten“ organisiere. Zum anschließenden „Snirrtjebraa“-Essen würden dann immer die Mitglieder der Dorf-Arge Münkeboe eingeladen.