Wirtschaft  Ein neuerlicher Hilferuf

| | 12.08.2023 13:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Hilferuf der Gastronomen und Hoteliers: 2020 hatten sie auf dem Auricher Marktplatz Stühle so aufgestellt, dass sie das Notsignal „SOS“ bildeten. Foto: privat
Ein Hilferuf der Gastronomen und Hoteliers: 2020 hatten sie auf dem Auricher Marktplatz Stühle so aufgestellt, dass sie das Notsignal „SOS“ bildeten. Foto: privat
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Dehoga fordert Beibehaltung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes. Eine Erhöhung könnte Folgen für Gastronomen und Hoteliers haben.

Aurich - Schon einmal funkten sie SOS. Das war 2020. Damals zu Beginn der Corona-Pandemie sendeten Gastronomen und Hoteliers in Aurich einen stummen Hilferuf. Mehr als 500 leere Stühle hatten sie damals auf den Auricher Marktplatz so angeordnet, dass sie das Notsignal „SOS“ bildeten. Die Sitzgelegenheiten stammten aus Restaurants, Kneipen, Cafés und Hotels. Sie standen symbolisch für die damals wegen der Corona-Beschränkungen fehlenden Gäste und die damit ausbleibenden Einnahmen.

Jetzt zeichnet sich ein neuerlicher Notruf der Gastro-Branche ab. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt vor einer möglichen Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer. Die, so der Verband, könnte erhebliche Folgen haben und bedrohe einige Betriebe in ihrer Existenz. Die Unsicherheit sei groß, berichtet Mareike Zägel, eine der Vorsitzenden des Dehoga-Kreisverbandes Aurich, auf ON-Anfrage. Sie schließt Schließungen nicht aus. „Das kann ich mir vorstellen“, sagt sie.

Maßnahme der Krisenabwehr

Hintergrund: Die Bundesregierung hatte die Umsatzsteuer auf Speisen und Verpflegungsdienstleistungen im Zuge der Corona-Pandemie von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Diese „befristete Maßnahme der Krisenabwehr“ wurde dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und stark gestiegener Energiepreise nochmals bis Ende dieses Jahres verlängert, würde aber dann endgültig auslaufen.

Dehoga-Vorsitzende Mareike Zägel fordert eine Beibehaltung des ermäßigten Steuersatzes. Dieser habe geholfen, Corona zu überstehen. Die Gastronomie habe aber noch immer nicht von den Krisen erholt, sagte sie. Eine Steuererhöhung müsste in vollem Umfang an die Gäste weitergegeben werden, da es für die Betriebe so gut wie keine Spielräume mehr gebe. Alle Einsparpotenziale seien ausgeschöpft, so Zägel. Der Kostendruck durch Personal und Energie sei schon jetzt immens.

Dehoga-Kreisvorsitzende Mareike Zägel Foto: privat
Dehoga-Kreisvorsitzende Mareike Zägel Foto: privat

Zukunft ist ungewiss

Heißt: Restaurants und Beherbergungsbetriebe kämen um Preiserhöhungen nicht umhin und die würden wiederum die Gäste und damit jene Menschen treffen, die wegen Inflation und allgemeiner Preissteigerungen ohnehin schon „stark gebeutelt“ seien, so Zägel. „Das wäre die logische Konsequenz“, sagte die Auricherin.

Auch gehe es um den Erhalt einer Wertschöpfungskette. „Gastronomie und Tourismus sind ein bedeutender Arbeitgeber und riesiger Wirtschaftsfaktor“, betonte Zägel und verweist außerdem auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen und Lebensqualität. Vor allem die kleinen Gastronomiebetriebe seien es, die, wie auch in Aurich, die Innenstädte mit am Leben erhielten. Ein Besuch in der Kneipe und im Restaurant müsse bezahlbar bleiben. „Das sollte sich schon jeder leisten können“, wünscht sich Zägel.

Die Zukunft aber sei ungewiss. „Möglicherweise wird es den einen oder anderen treffen“, fürchtet die Vorsitzende und ergänzt: „Weniger Gäste, weniger Umsätze. Dann müssen die Türen zu bleiben.“ Den Politikern, die voraussichtlich im Herbst über eine Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer entscheiden sollen, empfiehlt sie einen Blick ins benachbarte europäische Ausland. „Wir sind mit 19 Prozent hintendran“, stellt Zägel fest. In anderen Ländern seien die Steuersätze geringer. „Und dort funktioniert das auch“, sagte die Auricher Kreisvorsitzende.

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