Auricher Gericht kassiert Leeraner Urteil  Bruder nahm in Drogenprozess Schuld auf sich

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 08.08.2023 17:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dem Angeklagten konnte keine Schuld nachgewiesen werden. Foto: DPA
Dem Angeklagten konnte keine Schuld nachgewiesen werden. Foto: DPA
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Bei einem 36-Jährigen wurden 2020 rund 400 Gramm Marihuana im Haus gefunden. Doch der Mann wusste davon offenbar nichts, wie sein Bruder jetzt vor dem Landgericht einräumte.

Aurich/Leer - In einem Berufungsverfahren um mutmaßlichen Drogenhandel vor dem Auricher Landgericht gegen zwei Brüder aus Leer wurde am Dienstag ein 36-Jähriger freigesprochen. Das Verfahren gegen seinen 31-Jährigen Bruder wurde abgetrennt. Bevor das Gericht hier ein Urteil fällt, soll zunächst ein psychologisches Gutachten eingeholt werden, das über den Drogenkonsum des Angeklagten Auskunft geben soll.

Die Männer waren im August vergangenen Jahres vom Amtsgericht Leer verurteilt worden, weil bei einer Hausdurchsuchung im Dezember 2020 in der Wohnung des 31-Jährigen 24 Gramm und auf dem Dachboden des 36-Jährigen 400 Gramm Marihuana gefunden worden waren. Die Fahnder hatten die Angeklagten in einem anderen, inzwischen eingestellten Verfahren ins Visier genommen und waren zufällig auf die Drogen gestoßen. Weil diese aufgeteilt in vier Plastikbeutel verpackt gewesen und außerdem ein Laminiergerät gefunden worden war, mit dem üblicherweise in Dealerkreisen Verkaufseinheiten eingeschweißt werden, hatte das Gericht den 36-Jährigen wegen Drogenhandels zu einem Jahr und fünf Monaten Haft und den 31-Jährigen zu einem Jahr und acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

31-jähriger Bruder nahm Schuld auf sich

Die Angeklagten hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Hatten beide in erster Instanz zu den Vorwürfen noch geschwiegen, nahm der 31-Jährige am Dienstag alle Schuld auf sich. Sein Bruder habe nichts vom Versteck unter seinem Dach gewusst, erklärte er. Dessen Haus sei über längere Zeit nicht bewohnt gewesen, weil sich sein Bruder zur Behandlung seiner Tochter im Krankenhaus in Hannover aufgehalten habe. Dessen Frau sei mit den übrigen Kindern zu ihren Eltern gezogen. Von ihr habe er den Schlüssel zum Haus erhalten. Dort habe er die Drogen ohne Wissen seines Bruders deponiert, um sich davon regelmäßig zu bedienen. Zur fraglichen Zeit habe er täglich größere Mengen Marihuana konsumiert. Über die Konsequenzen seines Handelns für seinen Bruder habe er nicht nachgedacht. Inzwischen habe er den Drogen den Rücken gekehrt.

36-Jähriger zeigte sich sehr kooperativ

Der 36-Jährige hatte indes seit Beginn der Ermittlungen immer wieder beteuert, zu Drogen keinen Bezug zu haben. Während der Durchsuchung seines Hauses und seiner anschließenden Vernehmung hatte er sich kooperativ gezeigt. Bereitwillig hatte er Handys und andere digitale Datenträger zur Verfügung gestellt, berichteten die Ermittler. Auf den Fund der Drogen habe er sich jedoch keinen Reim machen können. Diese hätten auf dem ansonsten offensichtlich ungenutzten und nur schwer zugänglichen Dachboden gelegen.

Weil es im Haus nicht nach Marihuana gerochen hatte, erschien es glaubwürdig, dass der Angeklagte vom Drogenversteck nichts geahnt hatte. In seltener Eintracht waren sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht einig, dass dem Angeklagten ein Wissen um die Drogen im Haus nicht nachzuweisen sei. Die Auricher Kammer hob darum das Urteil des Amtsgerichts Leer auf und sprach den Angeklagten frei.

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