Archiv der Emder „Kunst“ Schatzgrube für Forscher nach Aurich umgezogen
Bisher waren die Urkunden, Briefe und Dokumente, die in der Außenstelle des Landesmuseums in Borssum lagerten, kaum bekannt und schwer zugänglich. Das hat sich mit dem Umzug nach Aurich geändert.
Aurich/Emden - Bislang wurden die historisch wertvollen Urkunden, Briefe und Dokumente im Außenmagazin des Ostfriesischen Landesmuseums im Emder Stadtteil Borssum gelagert – für die interessierte Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich.
Nun ist das Archiv der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden („Kunst“) ins niedersächsische Landesarchiv nach Aurich umgezogen. Archivleiter Dr. Michael Hermann bezeichnet den Neuzugang als „wahre Schatz- und Fundgrube für die historische Forschung“. Bereits im Januar war ein sogenannter Depositalvertrag abgeschlossen worden, teilten die beiden Einrichtungen jetzt mit.
Bisher nur wenigen bekannt und kaum zugänglich
Das Archiv umfasse wertvolle Archivalien zur Stadtgeschichte Emdens und zur ostfriesischen Geschichte, heißt es. Im Auricher Landesarchiv an der Oldersumer Straße werden die Unterlagen der „Kunst“ nun sicher und dauerhaft aufbewahrt. Zugleich werde eine öffentliche und wissenschaftliche Nutzung der historischen Unterlagen möglich. Bislang sei das Archiv der „Kunst“ trotz seiner Bedeutung nur wenigen Geschichtsforschenden in der Region bekannt und im Borssumer Magazin nur sehr eingeschränkt zugänglich gewesen.
Das Archiv der „Kunst“ hat eine lange Geschichte: Im Jahr 1850 wurden ihr verschiedene Urkunden und Dokumente geschenkt, die als „Grimersumer Urkundensammlung“ den Impuls für den Aufbau eines eigenständigen Archivs lieferten. Leitmotiv war die Sicherung und der Erhalt von Dokumenten zur ostfriesischen Geschichte.
Sammlung entstand vor mehr als 170 Jahren
So entstand in mehr als 170 Jahren eine historisch wertvolle, bis ins Mittelalter zurückreichende Sammlung von Urkunden, Dokumenten, Handschriften, Briefliteratur und Zeitungsausschnitten zur Geschichte Ostfrieslands.
Das Archiv der „Kunst“ hat einen Umfang von 65 laufenden Metern. Es umfasst neben der Urkundenüberlieferung eine wertvolle Archivaliensammlung mit historischen Unterlagen zur Stadtgeschichte Emdens und zur ostfriesischen Geschichte, darunter etwa die Neujahrsansprachen des Emder und des Vierziger Rates (1661-1746) oder Teile der Korrespondenz der ostfriesischen Grafen und Fürsten (1668-1737). Darüber hinaus finden sich Unterlagen zur Geschichte der „Kunst“, etwa die Verwaltungs- und Korrespondenzakten, die bis in die Gründungszeit der Gesellschaft im frühen 19. Jahrhundert zurückgehen. Das Archiv wurde in den letzten Jahrzehnten von einzelnen Vorstandsmitgliedern der „Kunst“ betreut, darunter vom verstorbenen Gerrit Latta sowie jüngst von Johannes Berg.
Online-Recherche bereits möglich
Schon wenige Tage nach der Überführung des Archivs nach Aurich konnten die von der „Kunst“ erstellten Erschließungsdaten über das System „Arcinsys“ online zugänglich gemacht werden. Damit sind bereits die Recherche nach Unterlagen als auch die Bestellung und Einsichtnahme der Akten im Lesesaal in Aurich möglich.
Gleichzeitig planen die „Kunst“ und das Landesarchiv, die notwendige und wünschenswerte Neuordnung und Neuverzeichnung des Bestandes, insbesondere der umfangreichen Archivaliensammlung, voranzutreiben. Dazu sollen Drittmittel eingeworben werden, um eine wissenschaftliche Bearbeitung und Tiefenerschließung zu ermöglichen. Dieses Projekt könne mehrere Jahre dauern, heißt es. Anschließend strebe man eine Digitalisierung an.
Verantwortliche hoffen auf spannende Überraschungen
Der 1. Vorsitzende der „Kunst“, Gregor Strelow, sagte: „Uns war wichtig, dass unsere Gesellschaft weiter Eigentümerin des Archivs bleibt. Das ist vertraglich geregelt. Neben der Erschließung war für uns aber auch der konservatorische Erhalt sehr wichtig. Das Landesarchiv ist ein kompetenter Projektpartner. Wir freuen uns daher auf die Ergebnisse der Erschließung, die vielleicht noch interessante Überraschungen zu Tage fördern werden.“
Der Leiter des Auricher Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, ergänzte: „Das Archiv der Kunst ermöglicht nicht nur die Aufarbeitung der Geschichte der Gesellschaft, sondern ist auch für weitergehende Untersuchungen zur ostfriesischen Geschichte von besonderer Relevanz. Es ist zu erwarten, dass sich der Bestand zu einer wahren Schatz- und Fundgrube für die historische Forschung entwickeln wird.“