13.000 Gäste hörten zu  Neuer Besucherrekord bei Gezeitenkonzerten

Werner Jürgens
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Von Werner Jürgens
| 07.08.2023 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Eröffnungskonzert spielte in diesem Jahr die Nordwestdeutsche Philharmonie zusammen mit Matthias Kirschnereit, künstlerischer Leiter des Festivals. Foto: Karlheinz Krämer
Beim Eröffnungskonzert spielte in diesem Jahr die Nordwestdeutsche Philharmonie zusammen mit Matthias Kirschnereit, künstlerischer Leiter des Festivals. Foto: Karlheinz Krämer
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So viele Gäste wie noch nie besuchten in diesem Jahr die Konzerte. 17 der 39 Veranstaltungen in Ostfriesland waren ausverkauft. Und für den Herbst sind weitere geplant.

Ostfriesland - Freudestrahlende Gesichter gab es am Montag bei der abschließenden Pressekonferenz zu den diesjährigen Gezeitenkonzerten, die am Sonntag zu Ende gegangen sind. Denn das Resümee fiel dermaßen positiv aus, dass sich die Verantwortlichen lediglich über die Wahl des passenden Superlativs streiten wollten.

Mit 13.432 Besucherinnen und Besuchern hat das Festival seine bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2019 übertroffen.

Hoch die Tassen: Die Verantwortlichen der Gezeitenkonzerte um deren musikalischen Leiter Matthias Kirschnereit freuen über ein gelungenes Festivaljahr 2023. Foto: Werner Jürgens
Hoch die Tassen: Die Verantwortlichen der Gezeitenkonzerte um deren musikalischen Leiter Matthias Kirschnereit freuen über ein gelungenes Festivaljahr 2023. Foto: Werner Jürgens

Weltaufführungen und Europa-Premiere

Bundesliga-Niveau oder vielleicht doch schon Champions League? Darüber konnten sich Landschaftspräsident Rico Mecklenburg und der musikalische Direktor des Festivals Matthias Kirschnereit auf der Pressekonferenz zunächst nicht so richtig einig werden. Für Kirschnereit liegt die Messlatte bereits jetzt ziemlich weit oben. Das zeigt seiner Ansicht nach allein schon die hochkarätige diesjährige Besetzungsliste mit Stars wie zum Beispiel der Pianistin Elisabeth Leonskaja, Geigerin Anna Tifu, dem Klarinettist David Orlowsky oder dem Cellist Christian Poltéra, die an ihren jeweiligen Instrumenten in der Klassik-Szene zur absoluten Weltspitze gehören.

„Außerdem hatten wir drei Welturaufführungen und eine Europa-Premiere“, betonte Kirschnereit am Montag. „Und ein Konzert wie das vom ‚Ensemble Dimensions‘ mit drei Flügeln und zwei Schlagzeugen habe ich bisher noch nirgendwo zuvor erlebt.“ Die genreübergreifenden Veranstaltungen wie zum Beispiel die Wort-Musik-Programme mit Udo Samuel, Christian Brückner oder Wolf Wondratschek wurden vom Publikum ebenfalls bestens angenommen. Gleiches galt für die diversen Jazz-Konzerte sowie die Auftritte des Kabarettisten Christian Ehrig und des Entertainers Helge Schneider.

17 von 39 Konzerten ausverkauft

„17 unserer 39 Konzerte waren ausverkauft“, fügte der Leiter vom Organisations-Team des Festivals Raoul-Philip Schmidt ergänzend hinzu. „Das waren nicht bloß die Veranstaltungen mit den großen Namen wie ‚Canadian Brass‘ oder Rebekka Bakken, sondern ebenso fast sämtliche Gipfelstürmer-Konzerte, bei denen aufstrebende Stars von morgen ihr Können präsentieren durften. Die rege Nachfrage verdeutlicht eindrucksvoll, dass sich auch die Gipfelstürmer-Reihe längst zu einer Erfolgsmarke entwickelt hat.“ Selbst wenn einige Konzerte nicht komplett ausverkauft waren, „hatten wir trotzdem keinen einzigen wirklichen Flop“, wie Schmidt auf der Pressekonferenz weiter ausführte. Ungeachtet dessen wurden laut Kirschnereit bisweilen bewusst ein paar Plätze frei gelassen, um nicht unnötig viele Leute „reinzuquetschen“. Der Atmosphäre hat das offensichtlich sehr gutgetan. Die ist von Besucherinnen und Besuchern immer wieder ausdrücklich gelobt worden, wie die Verantwortlichen am Montag aus zahlreichen persönlichen Gesprächen zu berichten wussten.

Ein anderer Pluspunkt waren die günstigen Eintrittspreise. Die teuersten Karten kosteten knapp fünfzig Euro. Parallel dazu gab es erneut ein großzügiges Kontingent an ermäßigten Tickets für fünf Euro. Damit liegen die Gezeitenkonzerte nach wie vor deutlich unter dem Preisniveau vergleichbarer Festivals. Und das soll nach Aussage der Verantwortlichen auch zukünftig so bleiben.

Rekordumsätze beim Catering

Das alles hat sich nicht nur auf die Publikumsresonanz positiv ausgewirkt. Sowohl Heide Fritzsche und ihr Freundeskreis der Gezeitenkonzerte als auch der für die Sponsoren zuständige Wirtschaftsbeauftragte Dr. Jan Amelsbarg durften etliche neue Mitglieder in ihren Reihen begrüßen. Sogar das für das leibliche Wohl der Gäste zuständige Catering hat von den Umsätzen her „noch nie ein Jahr wie dieses erlebt“, meinte Matthias Kirschnereit am Montag. „Es scheint fast, als wollte uns dieses Jahr für all das, was wir in der Corona-Zeit entbehren mussten, entschädigen.“ Gegen Ende mischte sich dann allerdings doch ein kleiner Wermutstropfen in die allgemeine Begeisterung. Etwas enttäuscht ist der Festivalleiter nämlich über das aus seiner Sicht mangelnde Interesse seitens des Niedersächsischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft an den Gezeitenkonzerten. „Immerhin sind wir das größte Flächenfestival in unserem Bundesland“, sagte Kirschnereit. „Ich glaube, die meisten Bürokraten, die in Hannover sitzen, die wissen gar nicht, was für ein Juwel sie da haben.“

Konzerte werden im NDR ausgestrahlt

Mehrere Konzerte des Festivals sind von NDR Kultur aufgezeichnet worden und werden vom Sender im Verlaufe der nächsten Wochen ausgestrahlt.

Darüber hinaus finden im Verlaufe des Herbstes weitere Epilog-Konzerte statt. Vorher spielt Matthias Kirschnereit am 27. August ab 19 Uhr in der Neuen Kirche in Emden ein Benefiz-Konzert, dessen Einnahmen zugunsten des Van-Ameren-Bades gespendet werden sollen. Die zwölfte Ausgabe der Gezeitenkonzerte im nächsten Jahr startet bereits am Pfingstwochenende am 18. Mai 2024.

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