WM-Aus der Frauen Viele Gründe für das frühe Ausscheiden
Ostfriesische Trainer sind enttäuscht über das Abschneiden der Frauen bei der WM. Was sie besonders störte.
Aurich - Wer hätte das gedacht? Nachdem die Männer-Nationalmannschaft seit einigen Jahren im Mittelmaß versunken ist und zweimal kläglich in einer WM-Vorrunde scheiterte, haben nun auch die erfolgsverwöhnten Frauen ihr erstes Debakel bei einem großen Turnier erlebt. Das 1:1-Unentschieden im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea reichte für die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht zum Weiterkommen, weil Marokko im Parallelspiel mit 1:0 gegen Kolumbien gewann. Aus der einstigen Fußball-Großmacht sind Fußball-Zwerge geworden, der Ruf der gefürchteten Turniermannschaft ist längst verblasst. Die Ostfriesischen Nachrichten haben zwei Trainer befragt, die sich mit dem Frauenfußball auskennen.
Für Jan-Henrik Koppelkamm, Trainer der Oberligamannschaft TiMoNo, hat sich das schlechte Abschneiden bereits in der Vorbereitung auf das Turnier abgezeichnet. Fünf Spielerinnen des FC Bayern München waren erst später als der Rest zur Mannschaft gestoßen, weil der Verein sie nicht zum Start des Trainingslagers freigeben wollte. „So hatten sie nicht die Möglichkeit, sich vernünftig einzuspielen“, sagt Koppelkamm. Außerdem hätte der Streit über die Abstellungen für Unruhe gesorgt.
Das letzte Gruppenspiel hat Koppelkamm mit Entsetzen verfolgt. „Viele Spielerinnen konnten mit dem Druck nicht umgehen. Viele Fehlpässe, zu kompliziert im Aufbauspiel. Und vorne haben wir uns zu sehr auf die Treffsicherheit von Alexandra Popp verlassen“, sagt der Trainer des SV TiMoNo.
Meistens neigt der DFB nach schlechten Turnieren dazu, jeden Stein umzudrehen. Das müsste nach Ansicht von Koppelkamm nun nicht unbedingt passieren. Der Jung-Trainer schlägt vor, die Spielweise anzupassen. „Wir wollen immer das Spiel machen und sind um Kontrolle bemüht. Aber gut gegen den Ball zu stehen und schnell umzuschalten ist bei einem WM-Turnier ein gutes Mittel, um erfolgreich zu sein“, findet Koppelkamm.
Fest steht für ihn nach der Vorrunde, dass es die sogenannten „Kleinen“ auch im Frauen-Fußball nicht mehr gibt. Andere Nationen hätten aufgeholt, zu sehen auch am Ausscheiden der Brasilianerinnen. Die Leidenschaft vor dem Fernseher ist nun für Koppelkamm dahin, die Freude am Turnier dahin. Als Favoriten hat der Trainer nun England und Frankreich ganz oben auf dem Zettel.
Stefan Wilts, Trainer der Auricher B-Juniorinnen, sieht es pragmatisch. „Die Zeiten haben sich eben geändert. Eine gute Grundordnung reicht meistens schon aus“, sagt Wilts. Der Bundesliga-Trainer hat das Spiel eher nebenbei während seiner Arbeit bei der Sportvereinigung verfolgt. „Es ist aber auch unglücklich gelaufen für die Mannschaft, obwohl aufgrund der Konstellation durchaus mit einem Ausscheiden zu rechnen war“, sagt Wilts.
Der Deutsche Fußball-Bund sehe sich nun bestärkt in der Entscheidung, die B-Juniorinnen-Bundesliga im kommenden Jahr abzuschaffen. Hauptbegründung bei der Entscheidung war, dass zu wenige Spielerinnen den Sprung in die Frauen-Bundesliga oder in die Nationalmannschaft schaffen würden.
Auch Jan-Henrik Koppelkamm meint, dass diese Entscheidung ein Fehler gewesen ist. Sein Vorschlag für die Zukunft: „Vielleicht sollte man eine Bundesliga für U19-Mädchen schaffen. Der Sprung von der B-Jugend in den Frauenbereich ist einfach zu groß.“