Vor dem Start in die Bezirksliga SV Wallinghausen – mehr als nur ein Geheimfavorit?
Wallinghausen geht als Vorjahresdritter mit einer guten Mischung im Kader in die Saison. Mit dabei sind einige hoffnungsvolle Talente. Doch der Trainer bremst die Euphorie.
Wallinghausen - Vor einigen Jahren kickte der SV Wallinghausen noch in der Ostfrieslandklasse A. Damals hätte wohl niemand im Verein für möglich gehalten einmal den Pokal der besten Mannschaft aus Ostfriesland in den Händen zu halten. Die Grün-weißen vollzogen in dieser Zeit die Metamorphose von einer „grauen Maus“ aus den Niederungen des ostfriesischen Fußballs zu einem echten Spitzenteam in der Bezirksliga. Der bisherige Höhepunkt für die jungen Himmelsstürmer war der Gewinn des Ostfriesland-Pokals am vergangenen Sonnabend gegen Großefehn.
Jedes Jahr ging es für die Mannschaft ein Stückchen höher. Für viele Beobachter der Szene ist der SV Wallinghausen längst kein Geheimtipp mehr. Folgt nach platz drei in der Vorsaison nun der ganz große Wurf? Trainer Ewald Mühlenbrock würde das Wort Aufstieg nie in den Mund nehmen. Seit einem Jahr ist er nach der Ära von Sven Bünting für die Mannschaft verantwortlich und gibt die Blumen lieber weiter. „Das überrascht mich alles nicht. Der Jugendstil setzt sich langsam durch. Sven Bünting und Albert Folkers haben in den vergangenen Jahren überragende Arbeit geleistet. Dennoch wollen wir die Euphorie nach der Vorbereitung bremsen. Ein Aufstieg ist nicht geplant, wir wollen oben mitspielen“, sagt Mühlenbrock.
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Experiment mit neuem Trainer und vielen Spielern
Trainer-Urgestein verlässt SV Wallinghausen
Die Sorge vor einem Fehlstart
Mannschaft hat sich in der Rückrunde gefunden
Unter seiner Ägide benötigte die Mannschaft in der abgelaufenen Saison ein wenig, um in die von Mühlenbrock gewünschte Spur zu finden. Nach einer für den Trainer „sensationellen Rückrunde“ scheint sich die Mannschaft gefunden zu haben. Die gute Mischung aus jungen, talentierte Spielern und einigen erfahrenen Spielern brachte jede Menge Punkte.
Für die neue Saison rücken weitere sechs vielversprechende Spieler aus der A-Jugend in den Herrenbereich auf. Nide Muwenge hat bereits mit starken Auftritten im Ostfriesland-Pokal auf sich aufmerksam gemacht, Tammo Ackermann ist schnell und körperlich stark. Weiter auf der Liste der Neuzugänge: Kay Röpkes aus Plaggenburg und Oliver Janssen aus Wiegboldsbur. Und dann ist da noch Kevin Ageev. Mühlenbrock trainierte den technisch versierten Spieler bereits in der Jugend in Großefehn. „Von ihm erwarte ich eine Menge“, sagt der Wallinghausener Trainer. Schon lange bekannt ist der Abgang von Berthony Konda, den es nach Wilhelmshaven zieht. Seinen Abgang bedauert Mühlenbrock genau so wie den Rückzug von Tobias Coordes. „Leider, Tobias verkörpert alte Werte und war für die Mannschaft sehr wichtig“, so Mühlenbrock.
Breite im Kader kannauch zur Last werden
Die Rolle des Leaders könnte Bent Bogena ausfüllen. Nach einer Verletzung ist der Stürmer wieder voll im Saft und erzielt ein Tor nach dem anderen. Auch Denker und Lenker Marvin Dahlke ist nun schon länger verletzungsfrei und laut Mühlenbrock in einer beeindruckenden Frühform. In das Tor kehrt Julian Ahlers zurück nach einem halben Jahr im Ausland. „Für mich einer der Besten in Ostfriesland“, so die Einschätzung seines Trainers.
Mühlenbrock freut sich über die enorme Breite im Kader, sie stellt ihn aber auch vor Probleme. Wenn alle Mann an Bord sind, muss er vor den Bezirksliga-Spielen einigen Spielern mitteilen, dass sie nicht im Kader stehen werden. „Das fällt mir nicht immer leicht.“
Die Bezirksliga schätzt der Trainer stärker ein, als noch in der abgelaufenen Saison. Aurich und Leer hätten sich stabilisiert, es gebe dieses Mal kein Ausnahmemannschaft wie den TuS Esens. Auf die Favoritenliste für den Aufstieg in die Landesliga setzt Mühlenbrock den TuS Pewsum, TuRa Westrhauderfehn und den SV Großefehn. Seine Mannschaft soll attraktiven, aber auch erfolgreichen Fußball anbieten. „Meine Spieler haben eben eine gute Mentalität und verlieren nicht gerne“, sagt Mühlenbrock. Die Motivation nach einem Jahr Wallinghausen ist auch bei dem mittlerweile 60-Jährigen ungebrochen hoch. Doch Mühlenbrock vermisst auch die freien Wochenenden. Unterstützung auf der Bank erhält Mühlenbrock künftig von Alberts Folkers, der den Part des Co-Trainers in dieser Saison übernehmen wird.