Entgegen dem Bundestrend Zufriedenstellende Umsätze bei Auricher Kaufleuten
Glücklich sind Auricher Geschäfte mit ihren Einkünften. Doch wofür die Kunden ihr Geld ausgeben, hat sich verändert. Und in einem Bereich läuft es nicht ganz so gut.
Aurich - Auricher Geschäfte trotzen dem Bundestrend. Laut des Statistischen Bundesamtes machte der Einzelhandel im ersten Halbjahr 2023 wesentlich weniger Umsätze als im Jahr zuvor. Ein Großteil der von den ON befragten Kaufleute ist allerdings zufrieden. Auch, wenn das Kaufverhalten der Kunden sich verändert hat.
Das beobachtet zum Beispiel Ludwig Rudnick, Geschäftsführer vom Mode-, Möbel- und Babyhaus Rudnick in Aurich. Der Umsatz im ersten Halbjahr ähnele dem des vergangenen Jahres, sagt er. Doch: Es gibt interne Verschiebungen. So würden zum Beispiel momentan weniger Gartenmöbel als in den vergangenen Sommern gekauft werden. Die Kunden würden nun, wo es wieder geht, wieder mehr verreisen und nicht so viel in den heimischen Garten investieren. Vermehrt verkauft werden laut Rudnick momentan Küchen und Möbel. Und das teils auch hochwertiger als in den vorigen Jahren. Woran das liegt, kann der Geschäftsführer sich nicht erklären. Er glaubt jedoch, dass einige Kunden nun mehr in die Renovierung alter Häuser investieren, anstatt neu zu bauen.
Festliche Mode ist besonders gefragt
Im Bekleidungsbereich laufe das Geschäft eigentlich immer gut, so Rudnick. Doch vor allem in den vergangenen Monaten habe der Verkauf im festlichen Bereich wieder stark zugenommen. Während der Corona-Pandemie war dort kaum etwas verkauft worden. Auch immer beliebt seien die Artikel im Babyhaus. Eltern würden dort weiterhin Wert auf Markenprodukte legen.
Optimistisch blickt Rudnick auf die kommenden Monate. Denn gerade zum Ende der Urlaubssaison kommen die Kunden wieder vermehrt in seine Häuser. Zudem beruhige sich die Inflation langsam, so der Geschäftsführer.
Schlechtes Wetter spielt Händlern in die Karten
Auch Alexandra Schneemilch von Abegg in der Auricher Innenstadt sagt: „Bei Artikeln für Kinder wird nicht gespart.“ Vor allem mit den Schulranzen laufe das Geschäft gerade zum Ende der Ferien bei ihnen besonders gut. Die Kunden wüssten die kompetente Beratung eines Fachgeschäftes zu schätzen. Vor allem, weil sie Bedarfsartikel anbieten, seien die Umsätze in ihren beiden Läden gut, so Schneemilch. Sie glaubt, dass die Kunden eher bei Dekorations- oder Geschenkartikeln sparen.
In die Karten spielt Abegg der Regen. „Die Händler profitieren von dem schlechten Wetter. Privat will man das natürlich nicht haben“, sagt Schneemilch. Wenn es draußen ungemütlich sei, würden die Touristen eher in die Innenstädte und Geschäfte kommen, als zum Beispiel Ausflüge an die Küste zu machen.
Extreme Einbußen habe das Geschäft während der Bauarbeiten vor ihrer Tür gehabt, sagt die Geschäftsführerin. Davon habe man sich jetzt aber wieder erholt.
Junge Leute schauen auf den Preis
Ein Umsatzplus verzeichnet das Auricher Juweliergeschäft Schmuckzeit im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022, sagt Geschäftsführer Hans Dübbelde. Dass die Auricher beim Schmuck sparen, kann der Juwelier nicht beobachten. Die Kundschaft sei sehr gemischt. Manche würden teuren, andere ganz günstigen Schmuck kaufen. Doch eine Veränderung fällt Dübbelde auf: Bei Trauringen sind die Kunden vorsichtiger. Es seien oft junge Leute, die ohnehin schon auf den Preis schauen würden.
Auch im Spielwarengeschäft Hermerding macht sich ein verändertes Kaufverhalten bemerkbar. Die Kunden verweilen länger im Laden, beobachtet Geschäftsführerin Christiane Löhmann. Das bedeute zwar nicht automatisch, dass die Leute mehr Geld ausgeben würden, dennoch sei sie zufrieden mit den Umsätzen. Viele Familien würden in das Geschäft kommen, um sich nach Gesellschaftsspielen umzuschauen. Gerade während des schlechten Wetters sei zum Beispiel das Spiel des Jahres sehr gefragt.
Günstige Produkte im Supermarkt besonders gefragt
Eher verhalten beschreibt Jens Coordes, Geschäftsführer des E-Center Coordes, die Aussichten für die Zukunft im Lebensmittelbereich. Nun sei man wieder auf einem guten Niveau, doch die ersten Monate des Jahres seien schlechte gewesen. „Das war extrem. So etwas habe ich in meinen 14 Jahren Selbstständigkeit noch nicht erlebt“, sagt Coordes. Der Kunde habe sehr preisorientiert eingekauft. Die sogenannte Preiseinstiegsware sei am beliebtesten gewesen. Dazu zählt zum Beispiel die Edeka-Eigenmarke „Gut&Günstig“. Zu Beginn des Jahres hätten weder die Kunden noch er selbst gewusst, wie es zum Beispiel mit Blick auf die Energiepreise weitergehe. Etwa im März habe sich die Lage dann gebessert. Seitdem würde sich der Umsatz auf einem guten Niveau halten. Die preiswerteren Produkte bleiben aber weiterhin beliebt.
Keinen Umsatzrückgang kann die Bünting-Gruppe in den Combi-Märkten in Aurich verzeichnen. Wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilt, sind auch dort die sogenannten Preiseinstiegsmarken aktuell besonders beliebt.