IHK Ostfriesland Viele offene Ausbildungsstellen im Kreis Aurich
Viele Betriebe in Ostfriesland können ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Die IHK nennt Bereiche, in denen es besonders hakt.
Aurich/Emden - Zum 1. August beginnt für viele Schulabsolventen ihre Ausbildung. Doch längst nicht alle Betriebe in Ostfriesland können Auszubildende begrüßen. „Etwa jeder zweite Betrieb in Ostfriesland konnte nicht alle Stellen besetzen“, sagt Timo Weise, Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK Emden. Bei einigen seien nicht genügend, bei anderen keine geeigneten Bewerbungen eingegangen. „Wir haben deutlich mehr freie Stellen als unversorgte Jugendliche“, so Weise.
Bisher sind bei der Industrie- und Handelskammer in Emden, die für Ostfriesland und Papenburg zuständig ist, 1255 unterschriebene Ausbildungsverträge eingetragen worden. „Es liegen noch mehr Verträge vor, bei denen Angaben zu medizinischen Erstuntersuchungen oder Ausbildernamen nachgetragen werden müssen“, so Weise. Bereits jetzt könne er jedoch von einem kleinen, einprozentigen Anstieg beim Abschluss der Verträge im Vergleich zum Juli 2022 sprechen. Wie viele Stellen noch frei sind, ist der IHK nicht bekannt. Längst nicht alle Betriebe würden diese der Agentur für Arbeit weiterleiten. Dort seien derzeit 277 unbesetzte Stellen für den Bezirk der Geschäftsstelle Aurich gemeldet, wie Sprecherin Vanessa Scheljagin mitteilt. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Emden-Leer seien es 1204 unbesetzte Lehrstellen.
Bewerbungsfenster ist noch offen
Weise wirbt dafür, dass Jugendliche sich noch immer auf Ausbildungsstellen bewerben und diese auch noch im Spätherbst antreten können. „Selbst Anfänger im Winter sind je nach Branche denkbar“, so der Abteilungsleiter. Zudem würde sich in den kommenden Wochen zeigen, ob Auszubildende noch den Betrieb oder ihren Berufszweig wechseln möchten. Artverwandte Berufe könnten beispielsweise noch von einer zwei- auf eine dreijährige Ausbildung aufgestockt werden.
Freie Stellen gebe es in allen Branchen, so Weise. Der Fachkräftemangel schlage inzwischen überall voll durch. Besonders viele Lehrlinge würden jedoch noch in den Bereichen Handel, Gastronomie und Industriekaufleute gesucht. Im Feld der Gastronomie habe es jedoch im Vergleich zum vergangenen Jahr einen Zuwachs an neuen Auszubildenden gegeben. Und auch im Bankwesen wurden 19 Verträge mehr als 2022 abgeschlossen. Hier sein die Zahl von 49 auf 68 Verträge gestiegen.
Fehlende Abstimmung mit den Berufsschulen
Was gar nicht funktioniere, seien Berufe, deren schulische Ausbildung nicht in der Nähe erfolgen kann. Als Beispiel nennt Weise hier den Hotelfachmann. Die schulische Ausbildung wurde vor einigen Jahren als Blockunterricht in Hannover gebündelt. Seitdem sei der Ausbildungszweig in Ostfriesland nicht mehr existent. Eine gewisse Mobilität könne man bei den jungen Leuten voraussetzen. „Doch sie und die Betriebe brauchen Verlässlichkeit“, so Weise. Es helfe nicht, wenn Schulen kurz vor Beginn der Ausbildungszeit bekannt gäben, dass ihre Klassen nicht voll werden und diese dann nicht anböten. „Da wünschen wir uns eine engere Abstimmung, um planen zu können.“
Bestes Werbemittel seien die Ausbildungsbotschafter, erzählt Weise. Auszubildende im zweiten Schuljahr könnten den Jugendlichen authentischer und offener berichten, was ihnen an ihren gewählten Berufen und Betrieben gefalle. Ein anderes bewährtes Mittel sei „Speed Dating“. Hierbei würden Berater der IHK auf die Schüler, beispielsweise der BBS, zugehen und sie nach ihren Interessen fragen. „Wir nehmen die Jugendlichen an die Hand und bringen sie mit den Firmen in Kontakt, die zu ihnen passen könnten“, sagt Weise.
Eine frühzeitige Berufsorientierung sei entscheidend, so der Abteilungsleiter. Deshalb setze er sich zusammen mit Vertretern der Handwerkskammer und anderer Verbände dafür ein, dass Schüler früh über Praktika an die Wirtschaftswelt herangeführt werden. „Das ergibt im besten Fall Klebeeffekte“, benennt Weise das Prinzip dahinter. Er könne nur allen Interessierten raten, sich online über die Lehrstellenbörse und über Ausbildungsmessen zu informieren. Auch ein Anruf bei einer Firma oder eine Initiativbewerbung würden gerne gesehen. „Die Unternehmen freuen sich darauf“, so Weise.