Ein fesselndes Finale  SV Wallinghausen gewinnt Ostfriesland-Cup nach Verlängerung

Silke Meyer
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Von Silke Meyer
| 30.07.2023 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ausgelassen jubelten die Wallinghausener über den Cup-Gewinn. Den Siegerpokal stemmte Siegtorschütze Lukas Günsel. Fotos: Bernd Wolfenberg
Ausgelassen jubelten die Wallinghausener über den Cup-Gewinn. Den Siegerpokal stemmte Siegtorschütze Lukas Günsel. Fotos: Bernd Wolfenberg
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Der SV Wallinghausen siegte vor rund 900 Zuschauern spannend mit 2:1 Toren beim SV Großefehn. Danach hatte es zur Halbzeit nicht ausgesehen.

Großefehn - Was für ein Finale beim Fußballturnier um den Ostfriesland-Cup. Das Spiel? Packend von der ersten bis zur letzten, bis zur 124. Minute. Die Kulisse? Beeindruckend. Fast 900 Fans bildeten am Sonnabend den Rahmen für das Spiel zwischen dem SV Großefehn und dem SV Wallinghausen im Fehntjer Mühlenstadion. Am Ende stemmten die Wallinghausener, umringt von ihren Fans, den gewaltigen Siegerpokal in die Höhe. Sie hatten mit 2:1 Toren nach Verlängerung gewonnen. Danach hatte es zur Halbzeit nicht ausgesehen. Es war Lukas Günsel, der in der 20. Minute der Verlängerung Jubelstürme auf Seiten der Wallinghausener auslöste. Wieder einmal Lukas Günsel. Er hatte für seine Mannschaft bereits im Halbfinale in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielt. Zum 3:2-Sieg beim Landesliga-Aufsteiger TuS Esens.

Gegen den schnellen Tilko Trebesch (rechts) hatten die Fehntjer manches Mal das Nachsehen.
Gegen den schnellen Tilko Trebesch (rechts) hatten die Fehntjer manches Mal das Nachsehen.

Im Finale stand er zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle, als die Fehntjer nach einer Ecke den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekamen. „Da landete der Ball dann vor meinem Fuß“, sagte Lukas Günsel nach dem Spiel schon mit etwas heiserer Stimme. Die hatte er als Anheizer zum Humba-Tanz stark beansprucht. Lukas Günsel – der Mann für die Tore in der Verlängerung? „Eigentlich soll ich die Tore schon in 90 Minuten schießen. Aber wenn ich dem Verein helfen kann, bin ich immer da.“ Bereits die Szene, die zum jenem Eckball führte, hatte auf beiden Seiten für Gefühlsausbrüche gesorgt. Tilko Trebesch war aus kurzer Distanz auf halbrechter Position zum Torabschluss gekommen. Timo Kuhlmann im Fehntjer Tor konnte zwar klären, den Ball aber nicht festhalten – Eckball SV Wallinghausen. 2:1.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Aber zehn Minuten blieben ja noch. Plus vier Minuten, die in der Verlängerung noch oben drauf kamen. Machte 14 Minuten Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn eine Minute nach dem Führungstreffer bot sich den Wallinghausenern die Chance zum 3:1. Lukas Günsel gewann den Zweikampf gegen Torwart Timo Kuhlmann. Beim Abschluss fehlte ihm jedoch die Übersicht. In den letzten Minuten setzten die Fehntjer auf totale Offensive, einschließlich Torwart. Ohne Erfolg. Während es auf Seiten der Wallinghausener mit dem Schlusspfiff kein Halten mehr gab, waren die Fehntjer mega enttäuscht. Denn sie waren es gewesen, die die erste Halbzeit bestimmt, auch verdient 1:0 geführt hatten und dann kaum wiederzuerkennen waren. Wie anders herum auch die Wallinghausener.

Großefehn – Wallinghausen 1:2 n. V. (1:0, 1:1)

SV Großefehn: Kuhlmann; Koning (83. Dirks), Wulff (90.+24 Gerdes), Freudenberg, Böhling, A. Flessner, Booms (61. Meyerhoff), Aden, Martens (90.+16, Geis), Hillers, Adam.

SV Wallinghausen: J. Ahlers, K. Ahlers, Bogena (90.+22 Ottersberg), Ackermann (67. Trebesch), Dahlke, J. Mühlenbrock, Alberts, Folkers (62. Bender), Kramer, Günsel (90.+33 Ismayilov), Schulz (72. Muwenge).

Tore: 1:0 Böhling (40. Spielminute), 1:1 Bogena (83.), 1:2 Günsel (90.+22).

Ruhig aufbauend, konzentriert und kontrolliert: das war der SV Großefehn in Halbzeit eins. Und mit der ersten großen Torchance nach einer Viertelstunde. Nach einer Fehntjer Ecke klärte der Wallinghausener Torwart Julian Ahlers zunächst mit einer Faustabwehr. Den Ball nahm Tobias Hillers aus dem Hinterhalt, zog wuchtig ab. Mit einer Glanzparade verhinderte Ahlers da das 1:0 für die Fehntjer. In der 40. Spielminute war er dann aber machtlos, als Tom Böhling aus spitzem Winkel flach in den rechten Torwinkel traf.Wenn die Wallinghausener in den Angriff schalteten, dann mit langen Bällen. Für echte Torgefahr sorgten sie damit aber nicht. „Wir waren viel zu passiv, haben die Zweikämpfe gescheut“, sagte Lukas Günsel mit Blick auf die erste Halbzeit. „Ängstlich, ohne Mumm, ohne Selbstvertrauen“, so beschrieb Wallinghausens Trainer Ewald Mühlenbrock den Auftritt seiner Mannschaft bis zu dem Zeitpunkt. Keiner habe zur Pause dacht, dass in diesem Spiel für seine Mannschaft noch etwas möglich sei.

Wallinghausen ändert Spielsystem

Für ihn war aber auch klar: „So konnte es nicht weitergehen.“ Mit einem geänderten Spielsystem schickte er seine Mannschaft zurück ins Spiel. Mit einer Vierer-Abwehr und auch einem Vierer-Mittelfeld. Für den SV Großefehn kam das jetzt aber nicht überraschend. „Wir wussten, dass Wallinghausen umstellen wird“, sagte Großefehns Trainer Bi Le Tran. Aber seine Mannschaft sei nicht wieder ins Spiel gekommen. Und dann schied in der 61. Spielminute auch noch Jan-Hauke Booms verletzt aus.

Vor beeindruckender Kulisse konnte Großefehns Trainer Bi Le Tran (rechts)mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit gut leben.
Vor beeindruckender Kulisse konnte Großefehns Trainer Bi Le Tran (rechts)mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit gut leben.

„Wir haben die Fehntjer Abwehr mehr beschäftigt, mehr körperliches Engagement gezeigt“, erklärte Mühlenbrock den Wandel. Und so drückte es Lukas Günsel aus: „Wir haben uns in der Pause gesagt, wir haben nichts zu verlieren.“ Die Wallinghausener dominierten jetzt das Spiel. Aber es dauerte bis zur 82. Spielminute, bis der Ausgleich gelang. Auf Pass des eingewechselten Torben Bender traf Bent Bogena per Kopfball zum 1:1.

Die Fehntjer hatten es allerdings versäumt, mit ihren, wenn auch wenigen Entlastungsangriffen die Partie zu ihren Gunsten vorzuentscheiden. Denn kurz vor dem Ausgleich hätte Tobias Hillers schlitzohrig fast auf 2:0 erhöht. Auf Zuspiel von Janek Freudenberg sah er, dass Wallinghausens Torwart weit vor seinem Gehäuse stand. Hillers Heber ging jedoch knapp über das Tor. Und in der vierten Minute der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit vergab Holger Wulff nach Vorarbeit von Tom Böhling eine dicke Chance zum Fehntjer 2:1. Der Wallinghausener Torwart klärte reflexartig. Also Verlängerung. Das Ende ist bekannt.

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