ON-Straßenumfrage in Aurich Sollen Parteien mit der AfD zusammenarbeiten?
CDU-Chef Friedrich Merz hält es nicht mehr für ausgeschlossen, auf kommunaler Ebene mit der Partei zu kooperieren. Bei von den ON befragten Passanten gehen die Meinungen dazu auseinander.
Aurich - Eine Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene hält CDU-Chef Friedrich Merz zukünftig nicht für ausgeschlossen. Die ON haben dazu Passanten in der Auricher Innenstadt befragt. Und die Meinungen gehen auseinander.
Auf kommunaler Ebene hält CDU-Chef Friedrich Merz eine Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD für denkbar. Diese Ansicht vertritt auch Arnold Gossel. Er ist CDU-Fraktionschef im Auricher Rat, Ortsbürgermeister von Langefeld/Middels/Spekendorf und Mitglied des Auricher Kreistags. Kritik hagelt es von Seiten der SPD: Die AfD sei keine demokratische Alternative, so Sebastian Schulze, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Aurich-Mitte. Eine Zusammenarbeit sei für ihn ausgeschlossen.
Sorge vor Wiederholung der Geschichte
Auch die Kreistagsfraktion der Grünen meldete sich nach Gossels Aussagen zu Wort. Dieser hatte die derzeitige Situation mit den Anfängen der Grünen und Linken verglichen. Die Haltung der CDU, sowohl von Merz als auch Gossel, sei eine Kapitulation, so die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Auricher Kreistag, Angelika Albers und Gunnar Ott.
Diese Ansicht trifft bei Annika und Oliver Tholen auf klare Zustimmung. „Egal unter welchen Umständen, mit der AfD sollte auf gar keinen Fall zusammen gearbeitet werden“, sagt die 20-jährige Annika Tholen. Ähnlich wie Schulze vertrete sie die rechtsextremen Tendenzen der Partei nicht. Auch Oliver Tholen bereitet eine Zusammenarbeit und eine erhöhte Zahl an Wählerstimmen sorgen. Die AfD stehe einem EU-Austritt positiv gegenüber. Das kritisiert der 17-Jährige.
Die AfD solle man blockieren, da die Ansichten der Partei „in die rechte Richtung gehen“, so Ulrich Bärfacker. Der Urlauber aus Berlin verweist auf die deutsche Geschichte. Im letzten Jahrhundert hätte man durch die Weltkriege einiges gelernt. Die Geschichte dürfe nicht durch die AfD wiederholt werden. Auch auf kommunaler Ebene ist er gegen eine Zusammenarbeit.
Verständnis für Aussagen von Merz
Dagmar Saathoff aus Aurich steht den Entwicklungen ebenfalls misstrauisch gegenüber. Eine generelle Zusammenarbeit lehnt sie ab. Trotzdem dürfe man sich vor der AfD aber nicht verschließen. „Man kann nicht nur gegen etwas stimmen, weil die AfD dafür ist.“
Thomas Klaus aus dem Landkreis Cuxhaven sieht das ähnlich: Es sei unsinnig, gute Anträge abzulehnen, nur weil sie von der AfD kommen. Einen demokratisch gewählten AfD-Bürgermeister könne man beispielsweise nicht prinzipiell ignorieren. Wenn die AfD an Einfluss gewinnt, werde es immer schwieriger, die Zusammenarbeit zu verweigern. Er findet die Aussage von Merz nachvollziehbar, da sich die Zusammenarbeit nur auf kommunale Ebene bezieht.
AfD-Hoch sorgt nicht für Verwunderung
Gegensätzlich äußert sich Horst Lammel aus Ihlow. Er beruft sich auf den geltenden Parteibeschluss der CDU gegen jegliche Zusammenarbeit mit der AfD. „Der Mann ist auf keinen Fall ein Kanzler für die Zukunft“, sagt Lammel über CDU-Chef Merz. Er stehe nicht zu seinen eigenen Beschlüssen.
Ganz anderer Meinung ist Christian Plansky. Der Urlauber wundert sich nicht über die vielen Wählerstimmen der AfD. Strom-, Gas- und Ölpreise seien zu hoch, sagt er. Auch die Einwanderungspolitik der Bundesregierung gefällt ihm nicht. Die AfD gewinne an Stimmen und damit müsse man sich in Zukunft arrangieren. Dementsprechend findet Plansky eine Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene sinnvoll.
Die Ansichten über eine Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene gehen unter den Befragten auseinander. Viele Passanten in der Auricher Innenstadt waren jedoch zwiegespalten: Eine Zusammenarbeit lehnen die meisten ab. Trotzdem glauben einige, dass sie sich bei hohen Wahlstimmen der AfD nicht vermeiden lässt.