Mindestlohn für Schüler  Gastronomie im Kreis auf Aushilfen angewiesen

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 25.07.2023 18:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Gastronomen setzen bei ihrem Personal auf Schüler als Aushilfen. Im Kreis Aurich werde bereits mehr als der Mindestlohn gezahlt, so Dehoga-Bezirksvorsitzende Birgit Kolb-Binder. Foto: DPA
Viele Gastronomen setzen bei ihrem Personal auf Schüler als Aushilfen. Im Kreis Aurich werde bereits mehr als der Mindestlohn gezahlt, so Dehoga-Bezirksvorsitzende Birgit Kolb-Binder. Foto: DPA
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Kevin Kühnert, SPD-Generalsekretär, fordert einen Mindestlohn auch für unter 18-Jährige. Im Auricher Kreis lächeln viele Betriebe aus einem Grund über diese Aussage.

Aurich - Mindestlohn für alle unter 18 Jahren fordert SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich laut NDR-Bericht erzürnt über den Vorschlag. Die Aushilfen würden dort in der Regel zehn Euro die Stunde verdienen. Doch im Auricher Kreis reagieren Gastronomen entspannt auf die Nachricht. „Das zahlen wir längst. Darunter würden die Schüler auch nicht bei uns arbeiten“, sagt Birgit Kolb-Binder, Vorsitzende des Dehoga Bezirksverbands Ostfriesland. Gerade in den Ferien und am Wochenende würden in ihrer Branche gerne Aushilfen eingesetzt, die sonst noch zur Schule gehen.

Ohne diese Aushilfen sehe es in ihren Augen für die Gastronomie noch düsterer aus. „Die Personallage ist dramatisch“, so Kolb-Binder. Insbesondere auf den Inseln sei es schwer, Fachkräfte zu bekommen. „Ich habe mehr Unterkünfte für Mitarbeiter als für Gäste“, sagt die Langeooger Gastronomin. Der Wohnungsmarkt alleine sei nicht das Problem. Denn sie bekomme einfach nicht genügend Personal für die leerstehenden Wohnungen. Und der Gast sei nicht bereit, Abstriche im Service oder den Angebotszeiten hinzunehmen.

Einschränkungen bei Schülerjobs

Dementsprechend offen schaue sich Kolb-Binder zusammen mit ihren Kollegen auf der Welt nach Arbeitskräften um. Die Langeoogerin hatte sogar mit Sprachschulen in Vietnam zusammengearbeitet, um Personal zu bekommen. Doch zufrieden ist Kolb-Binder damit nicht. „Die vietnamesischen Mitarbeiter wollen lieber mehrere Betriebe kennenlernen und wechseln nach einem Jahr“, so die Gastronomin. „Das gefällt mir nicht so gut.“ Schließlich würde sie die Fachkräfte für den eigenen Betrieb ausbilden wollen. Doch kaum würden sie die deutsche Sprache beherrschen, seien sie schon wieder weg.

Auch die Veranstaltungsbranche ist auf Aushilfen angewiesen. Wenn möglich, sollen sie schon 18 Jahre alt sein, berichtet Conny Kleinschmidt vom Auricher Unternehmen Marema. Denn bei den Minderjährigen greife das Jugendschutzgesetz. Sie dürfen keinen Alkohol ausschenken oder nach 22 Uhr arbeiten. „Deshalb setzen wir sie zum Aufbau oder bei Veranstaltungen ein, die nicht erst spät abends losgehen“, erzählt Kleinschmidt. Marema zahle mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. „Die Schüler wollen sich nicht ausbeuten lassen“, ist Kleinschmidt überzeugt. Auch als Elternteil würde sie hinterfragen, wenn ihr Kind ein zu geringes finanzielles Angebot bekomme.

Mindestlohn als Gradmesser

„Die Aushilfen sind unsere Chance, Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Kleinschmidt. Sie würden in den Job hineinschnuppern und sich eventuell für eine Ausbildung im Bereich Veranstaltungen oder Gastronomie entscheiden. „Aber nur, wenn wir ihnen vernünftige Bedingungen bieten“, so Kleinschmidt. Gerade in der Gastronomie ginge es hektisch zu. Da müssten andere Anreize gesetzt werden.

Auch andere Auricher Unternehmen wie der BZN Hagebaumarkt oder die Bünting-Gruppe zahlen ihren Aushilfen, die noch keine 18 Jahre alt sind, mindestens den gesetzlich für alle Über-18-Jährigen festgeschriebenen Mindestlohn. Aushilfen würden meist auf 520 Euro-Basis angestellt. Je nach Lohn reduziere sich also die zu leistende Stundenanzahl, erklärt ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte. Beide Seiten hätten etwas davon, wenn Schüler wegen Jobs anfragen würden.

Thomas Bruns vom Auricher Edeka am Dreekamp bestätigt ebenfalls, dass minderjährige Angestellte den Mindestlohn erhalten würden. „Diese verrichten die gleiche Arbeiten, wie die volljährigen Schüler und Aushilfen. Und gleiche Arbeit soll auch gleich bezahlt werden“, so Bruns. Eine Pauschale und allgemeine Forderung hiernach sehe er dennoch kritisch. Es gebe sicherlich genug Branchen und Situationen, wo dies nicht so umsetzbar sei.

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