Feuer in Leezdorf  Ende des Hin und Her zwischen Behörden

| | 20.07.2023 20:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Über einen Balkon gelangten die Wehrleute im Juni vergangenen Jahres in die brennende Ferienwohnung in Leezdorf. Foto: Feuerwehr
Über einen Balkon gelangten die Wehrleute im Juni vergangenen Jahres in die brennende Ferienwohnung in Leezdorf. Foto: Feuerwehr
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Die Staatsanwaltschaften sind sich einig: Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Leezdorfer Brandstifter wird endgültig in Aurich geführt. Zwischenzeitlich sah das anders aus.

Aurich/Leezdorf - Eine juristische Aufarbeitung der Brandstiftung in einem Appartementhaus in Leezdorf Mitte Juni vergangenen Jahres kann beginnen. Nachdem das Verfahren zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft Mannheim übernommen worden war, ist die Akte inzwischen wieder bei der Staatsanwaltschaft Aurich und soll dort nun auch bleiben. Das teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Aurich, Jan Wilken, auf Anfrage mit.

Hintergrund: Der 18-Jährige, der im Verdacht steht, für das nächtliche Feuer in der Ferienunterkunft verantwortlich zu sein, hatte seinen Wohnsitz zwischenzeitlich im Zuständigkeitsbezirk der Mannheimer Staatsanwaltschaft. Laut Jugendgerichtsgesetz ist grundsätzlich die Staatsanwaltschaft am Wohnort des Beschuldigten zuständig. Der Fall war deshalb von der Staatanwaltschaft Aurich an die Mannheimer Kollegen abgegeben worden.

Am Dach des Appartementhauses im Zentrum von Leezdorf waren die Brandschäden deutlich erkennbar. Foto: Thomas Dirks
Am Dach des Appartementhauses im Zentrum von Leezdorf waren die Brandschäden deutlich erkennbar. Foto: Thomas Dirks

Die aber fühlen sich nicht mehr für den Fall verantwortlich. „Wir sind für den Beschuldigten nicht mehr zuständig, weil er hier nicht mehr wohnt“, teilte Dr. Marc Schreiner, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher der Mannheimer Anklagebehörde, auf ON-Anfrage mit. Sein Kollege habe die Akte an die Staatsanwaltschaft Aurich zurückgeschickt, da der Tatort in deren Zuständigkeitsbereich liege. „Fest steht nur, dass das Verfahren bei uns mangels Zuständigkeit nach aktuellem Stand nicht weiterlaufen wird“, so Schreiner.

Anfang April bestätigte Wilken, dass sich die Akte mittlerweile wieder bei der Staatsanwaltschaft Aurich befinde. Man habe das Verfahren wieder und dieses Mal endgültig übernommen, sagte er am Mittwoch. Heißt: Sollte, wofür vieles spricht, in diesem Fall Anklage erhoben werden, werden dies die Auricher Ankläger tun.

Verdacht auf Rauchgasvergiftung

Wie berichtet, hatte ein Feuer in der Nacht zum 14. Juni vergangenen Jahres mehrere Ferienunterkünfte im Ortskern der Gemeinde Leezdorf für längere Zeit unbewohnbar gemacht.

Nach bisherigen Erkenntnissen brach der Brand im Dachgeschoss in einem der acht Appartements aus. Dieses war am Abend zuvor von dem 18-Jährigen angemietet und bezogen worden. Der Gast, der leicht verletzt in der Nähe des Brandortes aufgegriffen wurde, war mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden. Welche Rolle er in dem Brandgeschehen spielt, war zunächst unklar. Ein Tatverdacht könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Später richteten sich die Ermittlungen gegen den 18-Jährigen, der ursprünglich aus Stuttgart stammt.

Funken flogen aus den Dachfenstern der Ferienwohnung. Foto: Feuerwehr
Funken flogen aus den Dachfenstern der Ferienwohnung. Foto: Feuerwehr

Der Beschuldigte befand sich nach dem Brand vorübergehend in einer psychiatrischen Einrichtung. Ob es sich um vorsätzliche oder um fahrlässige Brandstiftung handele, wurde nicht mitgeteilt. Weitere Ermittlungen zur Tat dauerten an. Wie der Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft mitteilte, sei dem Tatverdächtigen ein Pflichtverteidiger bestellt worden.

Auch sollte ein Gutachten zu der Frage eingeholt werden, ob der Tatverdächtige zur Tatzeit schuldfähig war und ob gegebenenfalls eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und/oder einer psychiatrischen Einrichtung in Betracht komme.

300.000 Euro Sachschaden

Bei dem Brand war nach früheren Behördenangaben ein Sachschaden in Höhe von rund 300.000 Euro entstanden. Das Gebäude am Dorfplatz in Leezdorf gehört zum Leezdorfer Hof. Eigentümer ist dessen Betreiber Wilke Saathoff.

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