Hohe Pflegekosten  Immer mehr Heimbewohner im Kreis sind auf Sozialhilfe angewiesen

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 19.07.2023 13:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims begleitet einen Bewohner auf sein Zimmer. Viele Räume in den alten Häusern sind zu klein und müssen in den kommenden Jahren umgebaut werden. Foto: DPA
Eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims begleitet einen Bewohner auf sein Zimmer. Viele Räume in den alten Häusern sind zu klein und müssen in den kommenden Jahren umgebaut werden. Foto: DPA
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Hiesige Pflegeheime spüren die steigenden Kosten. Gerade im Investitionsbereich käme noch einiges auf die Bewohner zu, fürchten die Leiter aus Aurich und Südbrookmerland. Nun brauche es Unterstützung.

Aurich - Ob Energie- oder Personalkosten: Die Finanzsorgen des Pflegesektors sind größer geworden. Dementsprechend steigen die Preise für Heimplätze. „Wir müssen versuchen, die Kosten ein stückweit zu refinanzieren. Das gelingt aber nicht zu 100 Prozent“, sagt Torsten Zufall als Leiter des Auricher Alloheims. Die gestiegenen Preise seien ein großes Thema. Auswirkungen auf die Zimmerbelegung spüre sein Haus aber noch nicht. Doch gehe er davon aus, dass immer mehr Menschen auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

Das prognostiziert auch Dirk Warnecke, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Südbrookmerland. Dass der Sozialhilfeanteil größer werde, sei nicht mehr aufzuhalten. Gerade durch die eingeführte Tariftreue für die Mitarbeiter sei der Eigenanteil der Bewohner an den Kosten stark gestiegen. Seines Wissens nach gebe es von Seiten des Verbandes Gespräche mit der Landes- und Bundespolitik. Hierbei seien die lokalen Akteure jedoch nicht eingebunden. „Bisher ist mir nicht bekannt, dass sich da was zu unseren Gunsten tut“, so Warnecke.

„Lawine“ an Investitionskosten

66 Bewohner leben derzeit im Seniorenzentrum Südbrookmerland. Zudem gebe es eine Warteliste, erklärt der Geschäftsführer. Die Leitung sei allein aus Kostengründen sehr bemüht, dass keine Leerstände entstehen. „Unsere Auslastung ist sehr gut“, so Warnecke. Er fürchtet jedoch, dass in den kommenden Jahren viele Herausforderungen auf die Wohnheime zukommen.

Zwei Bewohnerinnen eines Altenheim sitzen neben ihren Rollatoren. Foto: DPA
Zwei Bewohnerinnen eines Altenheim sitzen neben ihren Rollatoren. Foto: DPA

So wurde die sogenannte Heimmindestbauverordnung geändert. Bis 2033 müssen viele Zimmer größer als jetzt sein. Auch andere bauliche Veränderungen müssten vorgenommen werden. „Da kommt eine Riesenlawine auf uns zu“, fürchtet Warnecke. Denn die Refinanzierung der dafür notwendigen Investitionen sei noch nicht ansatzweise geklärt. Auch Torsten Zufall geht davon aus, dass es für viele ältere Heime „noch spannend“ werden wird. Doch noch sei Zeit, die Richtlinie umzusetzen. Derzeit hätten die Vorgaben keine Auswirkungen auf derzeitige Instandsetzungen im Auricher Heim.

Seniorenresidenz passt Eigenanteil jährlich an

Die Peter Janssen-Gruppe betreibt die Seniorenresidenz Moordorf. Dort achte man sehr darauf, welche Investitionskosten für die Bewohner zumutbar sind, erläutert Heimleiterin Carina Wiese. Im Moment seien keine größeren Investitionen geplant. Renovierungen der Zimmer oder der Austausch von defektem oder kaputtem Inventar würden immer im laufenden Etat berücksichtigt. Die Etatkosten würden jährlich angepasst, genau wie der Eigenanteil beim Pflegesatz.

81 Einzelzimmer hat die Seniorenresidenz, alle sind belegt. Auch weitere Anfragen würden sie bekommen, so Wiese. Dennoch machten sich die Angehörigen durchaus Sorgen, wie sie die steigenden Kosten decken sollten. Hier werde die Unterstützung durch die Sozialämter immer wichtiger. „Noch fällt der Anteil bei uns nicht so ins Gewicht“, sagt Wiese. Das könnte sich aber bald ändern.

Personal bleibt Mangelware

Neben den gestiegenen Kosten kämpfen viele Heime auch mit großem Personalmangel. „Wir haben Schwierigkeiten, die Personalquote zu erfüllen“, sagt Dirk Warnecke. Dabei habe sein Haus in Victorbur ein sehr gemischtes Team, was das Alter der Mitarbeiter angehe. „Wir sind da sehr gut aufgestellt, das ergänzt sich sehr gut“, so der Geschäftsführer.

Torsten Zufall vom Alloheim bestätigt die Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Barmer-Studie. So sei auch in seinem Haus in Aurich der Krankenstand im vergangenen Jahr gestiegen. „Corona und die damit verbundene Quarantäne haben die Zahlen hochgeschraubt“, so Zufall. Dies habe sich inzwischen aber wieder normalisiert. Nichtsdestotrotz handele es sich in der Pflege um eine anspruchsvolle, belastende Arbeit. Deshalb fände er es auch nicht in Ordnung, dass beim Renteneintrittsalter nicht unterschieden werde, ob jemand eine körperlich harte Arbeit verrichtet oder am Schreibtisch sitzt.

Auch in der Seniorenresidenz in Moordorf war der Krankenstand der Mitarbeiter im vergangenen Jahr höher als sonst, wie Carina Wiese bestätigt. Nicht arbeiten zu dürfen, wenn der Corona-Test positiv war oder Erkältungssymptome vorlagen, habe große Einschnitte mit sich gebracht. Doch mit dem Personalschlüssel zeigt sich Wiese ansonsten zufrieden. 31 Pflegekräfte müsse sie vorweisen und könne dies auch. Gerade würden zwei Schüler fertig, die nach ihrer Ausbildung im Haus bleiben würden.

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