Fahrradstraßen Fahrradclub formuliert Mindestanforderungen
Die Stadt Aurich will neue Fahrradstraßen einrichten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) macht nun Vorgaben.
Aurich - Neue Fahrradstraßen will die Auricher Verwaltung noch in diesem Jahr ausweisen. In ein oder zwei Straßen, so Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht kürzlich im Verkehrsausschuss der Stadt, sollen Fahrradfahrer Vorrang erhalten. Bislang gibt es mit dem Grünen Weg nur eine Fahrradstraße in Aurich. Welche Straßen hinzukommen sollen, sagte Lücht bislang nicht.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt dieses Vorhaben der Stadtverwaltung, schreibt Albert Herresthal, Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes Aurich, in einer Mitteilung. Damit werde ein jahrelanger Stillstand beendet. Denn im Masterplan Radverkehr, der vom Rat beschlossen worden ist, seien sogar zwölf Fahrradstraßen vorgesehen.
Im Grünen Weg seien Fehler gemacht worden
Als der Grüne Weg zur Fahrradstraße erklärt wurde, sind Fehler gemacht worden. Diese haben bei vielen Beteiligten Unmut hervorgerufen. So sollte die Straße eigentlich nach dem Bau der Johannes-Diekhoff-Straße verkehrsberuhigt werden. Das Ziel sollte mit der Einrichtung der Fahrradstraße erreicht werden. Es wurden also zwei völlig verschiedene Dinge miteinander vermischt. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch etliche Anwohner, die nun ihre Autos nicht mehr auf der Straße abstellen dürfen. In einigen Vorgärten musste gerodet werde, um dort Stellplätze zu schaffen. Auch Albert Herresthal sieht, dass Fehler gemacht wurden. Es sei daher wichtig, neue Fahrradstraßen gleich so zu konzipieren, dass eine möglichst große Akzeptanz erreicht wird. „Hierfür sind sowohl die Interessen der Radfahrer als auch die der Anwohner zu berücksichtigen.“ Außerdem müssten die Straßen Anforderungen erfüllen, um die Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad zu motivieren.
Dazu gehören nach Ansicht des ADFC vor allem glatte, asphaltierte Fahrbahnen, damit Radfahrer zügig und komfortabel fahren können. Im Masterplan Radverkehr sind zwölf Straßen aufgeführt. Nur drei davon sind asphaltiert. Alle anderen weisen ein mehr oder weniger ebenes Pflaster auf. Der viel von Schülern befahrene Extumer Weg zum Beispiel ist auf langen Strecken eine Schlaglochpiste zwischen der Einmündung der Johannes-Diekhoff-Straße und der Emder Straße. Bodenwellen und teils unterschiedliche Pflasterungen hemmen das Fahrvergnügen.
ADFC offen für andere Fahrradstraßen
Ähnlich sieht es in der Kreuzstraße aus. Um den Verkehr auszubremsen, wurden in den Einmündungsbereichen Schwellen und kleine Hügel eingebaut. Diese machen den Autofahrern das Leben schwer – aber auch den Radfahrern. Sanierungsbedürftig aus Fahrrad-Sicht ist auch der Westgaster Weg. Er könnte die Verlängerung der Fahrradstraße Grüner Weg sein. Aber auch dort ist die Pflasterung teils abgesackt, Schlaglöcher und grobe Unebenheiten tun sich auf. „Die Verkehrswende gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt Albert Herresthal. Das koste Geld. Aber im Vergleich zu anderen Investitionen in das Straßennetz seien die Kosten noch überschaubar und vor allem sei das Geld gewinnbringend angelegt.
Der ADFC halte auch nicht starr an den im Masterplan Radverkehr vorgeschlagenen Straßen fest. Denn es seien seit dessen Verabschiedung im Stadtrat mehrere Jahre ins Land gegangen. Man könne auch über andere Linienführungen reden. Entscheidend sei dabei, dass diese Straßen für den Radverkehr auch wirklich Sinn machten und konkrete Verbesserungen brächten. „Die 70 Meter Bahnhofstraße oder auch Am Neuen Hafen bieten wahrscheinlich als offizielle Fahrradstraßen für den Radverkehr kaum Vorteile gegenüber dem Ist-Zustand.“
Runder Tisch soll über Fahrradstraßen beraten
Neben der guten Fahrbahn gibt es aber nach Ansicht des ADFC weitere Voraussetzungen, die Fahrradstraßen erfüllen müssen. Dazu gehört, Kraftfahrzeuge so weit wie möglich aus diesen Straßen herauszuhalten. Der Durchgangsverkehr, so Herresthal, müsse durch Poller oder so genannte Modalfilter ausgebremst werden. Ein Poller wird auch am Übergang vom Westgaster Weg zum Grünen Weg gefordert, um den Schleichverkehr dort zu unterbinden. In einer Online-Befragung hatte sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen. Allerdings war die Befragung nicht repräsentativ. Der Rat hat noch nicht entschieden, ob dort tatsächlich ein Poller aufgestellt wird.
Daher fordert Herresthal auch eine effektive Verkehrsüberwachung, damit alle Fahrradstraßen-Regeln auch eingehalten werden. Im Idealfall könnte so ein Netz von Fahrradstraßen entstehen, damit Radfahrer viele Wege auf Fahrradstraßen zurücklegen können. Anstelle von Fahrradstraßen können auch Fahrradzonen eingerichtet werden, die weitere Vorteile bieten.
Der ADFC Aurich schlägt vor, dass die endgültige Gestaltung neuer Fahrradstraßen vorab an einem „Runden Tisch“ diskutiert wird, an dem der ADFC Aurich beteiligt ist. Hier könnten die wichtigsten Argumente ausgetauscht und der Versuch unternommen werden, eine breite Rückendeckung für die Pläne der Stadtverwaltung zu erreichen.
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