Klimawandel Der Kampf mit und ums Wasser
Die Folgen des Klimawandels beschäftigen den Landkreis Aurich. Vor allem die Entwässerung über Siele, aber gleichzeitig auch die Vorbeugung für Trockenperioden stehen im Fokus.
Aurich - Klimawandel und Klimaanpassung sind Themen, mit denen sich der Landkreis Aurich intensiv beschäftigt. Das betont Kreissprecher Nikolai Neumayer in einer Mitteilung. Anlass ist die Berichterstattung über Konzepte zur Klimafolgenanpassung. Die Recherchezentrale Correctiv hatte gemeinsam mit dem NDR, dem WDR und dem Bayerischen Rundfunk alle 400 Landkreise in Deutschland dazu befragt. Ein eigenes Konzept zur Klimafolgenanpassung hat der Landkreis Aurich nicht, so ein Ergebnis der Umfrage.
Gleichwohl, so Neumayer, beschäftige sich die Kreisverwaltung mit dem Thema. Erst Ende April habe die Abschlussveranstaltung zum Projekt „Klever-Risk“ im Siel- und Schöpfwerk Knock stattgefunden und die Ergebnisstudie wurde vorgestellt. Dabei geht es um die Frage, wie sich die klimawandelbedingten Veränderungen der Niederschläge sowie der steigende Meeresspiegel auf die Entwässerung in den Küstenregionen auswirkt. Behandelt werden damit die Themen „Starkregen“ und „Meeresspiegel“, die, wie berichtet, auch die Correctiv-Umfrage beim Landkreis Aurich festgestellt hatte.
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Projekt mit zwei Hochschulen
Das Projekt von der Universität Oldenburg und der Jade Hochschule wurde im Rahmen eines Programms zur „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ vom Bundesumweltministerium gefördert. Neben den vier Entwässerungsverbänden Emden, Norden, Aurich und Oldersum haben der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die Stadt Emden und der Landkreis Aurich als Kooperationspartner an dem Projekt mitgewirkt.
Die zentralen Fragestellungen des Projektes sind laut Neumayer, wie sich die klimawandelbedingten Veränderungen der Niederschlagsmuster und der steigende Meeresspiegel auf die Entwässerung der Küstenniederungen auswirken und welche Anpassungsmaßnahmen erforderlich sind, um das Entwässerungs- und Binnenhochwasserrisikomanagement zukunftssicher aufzustellen. „Klever-Risk gibt somit eine Reihe von Antworten auf die zwingend notwendigen Klimaanpassungsmaßnahmen primär aus Sicht des Binnenhochwasserschutzes, aber auch Aspekte einer notwendigen Wasserhaltung in zukünftigen Trockenphasen werden beleuchtet.“
Küstenschutz und Versiegelung im Blick
Darüber hinaus wirke der Landkreis Aurich auch bei weiteren Projekten und Netzwerken zur Klimafolgenanpassung mit. Beispielsweise durch die Mitgliedschaft im kommunalen Klimaanpassungsnetzwerk Niedersachsen oder durch die Mitarbeit in den Projekten „Wakos – Wasser an den Küsten Ostfrieslands“ und „Gute Küste Niedersachsen“. Zudem sei der Landkreis Aurich mit einer Anpassung des Katastrophenschutzes an klimafolgenbedingte Extremereignisse befasst. Hierzu und zu weiteren die Klimafolgenanpassung betreffenden Themen stehe die Kreisverwaltung in regelmäßigem Austausch mit Entwässerungsverbänden, Deichachten und weiteren Behörden und Institutionen.
Ganz konkret sei vonseiten der Kreisverwaltung Anforderungen bei Vorhaben im Bereich von Küstenschutzanlagen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs und steigender Wasserstände bei Sturmfluten erhöht worden. Auch habe eine Anpassung der Anforderungen bei zusätzlichen Versiegelungen durch neue Baugebiete oder Nachverdichtung stattgefunden. Ziel sei eine verstärkte Rückhaltung von Oberflächenwasser in der Fläche zur Förderung der Grundwasserneubildung und Verminderung des Wasserabflusses in die Nordsee. Zudem erfolgt eine Regulierung der Wasserentnahme aus Oberflächengewässern und dem Grundwasser zur Vorsorge für Trockenperioden.
Kritik an Kürzungen der Bundesregierung
„Die vorgenannten Beispiele machen deutlich, dass der Landkreis Aurich sich bereits intensiv mit den Folgen des Klimawandels befasst hat und weiter befassen wird“, so Neumayer. Eine Feststellung, die auch die Recherchezentrale Correctiv mit seinen Partnern nicht in Frage gestellt hatte.
Derzeit erarbeitet die Bundesregierung einen Gesetzentwurf für ein Bundes-Klimaanpassungsgesetz. Neben der Festlegung von Aufgaben und Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen dürfte die Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen eine wesentliche Fragestellung sein. Der Landkreis Aurich kritisiert in diesem Zusammenhang die vom Bund geplante Kürzung der Gemeinschaftsaufgaben „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) sowie der Städtebauförderung im Zuge der Aufstellung des Bundeshaushalts 2024. Diese Kürzungen seien mit Blick auf die Klimafolgenanpassungen als kontraproduktiv zu bewerten, so Neumayer.