Starkregen, Hitze, Dürre Kreis Aurich ohne Konzept zu Folgen des Klimawandels
Extreme Wetterereignisse beschäftigen alle Landkreise in Deutschland. Im Kreis Aurich könnte man besser vorbereitet sein laut einer Umfrage.
Aurich - Hitze, Dürre, Wassermangel, Starkregen und Hochwasser: Mit mehr dieser extremen Wetterereignisse rechnen fast alle der 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland bis zum Jahr 2050. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Recherchezentrum Correctiv gemeinsam mit NDR, WDR und Bayerischem Rundfunk durchgeführt hat. Im Landkreis Aurich, so das Ergebnis, wird vor allem mit Starkregenereignissen und Stürmen gerechnet. Auch der steigende Meeresspiegel und häufigere Sturmfluten sieht der Kreis Aurich als Problem in den kommenden Jahren. Ein eigenes Konzept zu Klimaanpassungsmaßnahmen gibt es im Kreis Aurich aber nicht.
Bei Hitzewellen, Dürreperioden und Wassermangel ist sich der Landkreis Aurich nicht sicher, wie stark die Region in Zukunft davon betroffen sein wird. „Unklar laut Datenlage“, lautet die Antwort bei den entsprechenden Fragen. Dabei ist die Zahl der Dürremonate im Kreis Aurich gestiegen. Waren es von 1961 bis 2022 im Schnitt zwei Dürremonate im Jahr, so stieg der Wert zwischen 2018 und 2022 auf 4,6.
Kreis ohne eigene Gutachten
Und auch Hitze wird dem Landkreis Aurich zu schaffen machen, wie aus der Erhebung hervorgeht. Denn die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad Tageshöchsttemperatur nimmt weiter zu. Im Zeitraum 1961 bis 1990 gab es im Schnitt im Kreis Aurich 1,1 Hitzetage pro Jahr. Zwischen 1993 und 2022 waren es 3,5.
Die Datenlage ergibt sich beim Landkreis Aurich aus Infomaterial des Bundes oder des Landes. Außerdem werden wissenschaftliche Publikationen zu Rate gezogen. Auch der Austausch mit anderen Kreisen wird genannt. Eigene Gutachten werden nicht angefertigt.
Neuer Fachdienst in der Stadt Aurich
Die Gemeinden im Landkreis Aurich sind der Erhebung zu Folge schon weiter. Dort gibt es Konzepte, den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Dabei geht es vorwiegend um die Entsiegelung von Flächen.
Seit Jahren fordern vor allem die Grünen in der Stadt Aurich, Flächen zu entsiegeln, Schottergärten aufzulösen und versiegelte Flächen mit einer Gebühr zu belegen. Die Stadt hat für den Klimaschutz einen eigenen Fachdienst eingerichtet.
Der Landkreis Aurich hat ein Solarkataster angelegt, mit dessen Hilfe sich Photovoltaikanlagen besser planen lassen. Es werden Moore wiedervernässt, oft auch gegen den Widerstand der Anwohner. Es passiert also schon etwas im Kreis Aurich, um dem Klimawandel und seinen Folgen entgegenzutreten.
Nur Minderheit der Kreise hat ein Konzept
Ein einheitliches Konzept und ausreichende Informationen darüber, was die Region in den kommenden 25 Jahren erwartet, gibt es aber noch nicht. Das hat eine Umfrage des Recherchezentrums Correctiv gemeinsam mit NDR, WDR und Bayerischem Rundfunk ergeben. Lediglich die Entsiegelung von Flächen soll in den kommenden fünf Jahren angegangen werden als Mittel, um gegen Dürre und Hitze gewappnet zu sein.
Das Fehlen eines Anpassungskonzeptes ist aber kein Auricher Phänomen. Laut der Befragung des Recherchenetzwerks hat nur eine Minderheit der Kreise und kreisfreien Städte so etwas erstellt.
Damit geht Zeit verloren. Denn viele Maßnahmen können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Die Anpassung einer Innenstadt gegen Folgen des Klimawandels dauert unter Umständen Jahre.
Als Problem erkannt wurde im Landkreis Aurich, dass Trinkwassermangel ebenso zum Problem werden könnte wie Starkregen und ein steigender Meeresspiegel samt häufigeren Sturmfluten. Eingeführt worden sei daher ein Vorhersagemodell für die Entwicklung des Grundwassers, so die Angabe des Kreises. Auch ein Wasserversorgungskonzept wurde erstellt. Überflutungsflächen sollen gegen Starkregen helfen.
Kein eigener Etat für Klimafolgenbewältigung
Alle Maßnahmen haben eines gemeinsam: Sie kosten Geld. Der Landkreis Aurich gibt an, dass dazu überwiegend oder ausschließlich Fördermittel von Bund, Land oder Europäischer Union genutzt würden. Eigene Mittel würden nicht eingesetzt. Ebenso wenig gebe es einen eigenen Etat, um Maßnahmen zur Klimaanpassung zu finanzieren. Ausreichend finanziert sind die Maßnahmen für die nächsten Jahre nach Angaben des Kreises nicht. Damit steht der Landkreis Aurich nicht alleine da: Drei Viertel der Landkreise in Deutschland geben an, keinen eigenen Etat für die Bewältigung der Klimafolgen zu haben. Einzelne Maßnahmen würden daher aus dem normalen Haushalt bezahlt.
Ein Mitarbeiter ist in der Auricher Kreisverwaltung derzeit mit der Planung und Koordination von Klimaanpassungsmaßnahmen beschäftigt. In den kommenden zwölf Monaten soll ein weiterer Mitarbeiter hinzukommen.
Eine Evaluierung der ergriffenen Maßnahmen erfolgt aber bislang nicht. Ebenso wenig gibt es eine zentrale Stelle wie zum Beispiel eine Webseite, bei der aktuelle Daten und Informationen zu Klimaanpassungsprojekten abgerufen werden könnten.
Forderung: Mehr Geld vom Bund für Kommunen
Am Donnerstag hat das Bundeskabinett einen Entwurf für ein Klimaanpassungsgesetz beschlossen. Es soll erreicht werden, dass deutschlandweit Klimaanpassungskonzepte beschlossen und umgesetzt werden. Unterstützung für die Kreise und Städte fordert Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB). Er schlägt laut einem Bericht der Tagesschau vor, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern. Dann könnte der Bund den Kommunen finanziell direkt unter die Arme greifen.