Osnabrück  Muss der gute Witz immer ein Schenkelklopfer sein?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 14.07.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Richtig witzig? Wenn die Pointe zündet, darf von Herzen gelacht werden. Foto: IMAGO/YAY Images
Richtig witzig? Wenn die Pointe zündet, darf von Herzen gelacht werden. Foto: IMAGO/YAY Images
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Witz ist nicht gleich Witz. Der Witz ist nur gut, wenn er mit Witz erzählt wird. Steckt in diesem Wortwirrwarr der Aberwitz? Nein, nur eine zweite Bedeutung des Wortes Witz.

Ach nein, ist das komisch! Ich kann mich kaum halten vor Lachen! Wie gut, wenn ein Witz richtig gut ist, wenn die Pointe zündet und man sich vor Lachen einfach nicht mehr halten kann. Schlechte Witze sind ein Graus. Aber gute Witze wirken unübertrefflich. Sie reinigen das Gemüt mit einem Schlag von allen trüben Gedanken. Wundervoll.

Wirklich? Ich finde, dass ein Witz nicht immer ein Schenkelklopfer sein muss. Es kommt ja schon sehr darauf an, ob man von einem Witz oder schlicht von Witz spricht. Der unbestimmte Artikel macht den feinen Unterschied. Lässt man ihn weg, dann kommt der andere Sinn des Wortes Witz zum Vorschein. Dann meint Witz keine humorvolle Erzählung oder einen schlichten Scherz, sondern Klugheit, Einsicht, ja bisweilen auch Erfahrung.

Ich finde es gut, sich an diese Bedeutung des Wortes wieder zu erinnern. Im 18. oder 19. Jahrhundert hatte Witz, wer klug war. Damit war nicht nur Intelligenz gemeint, sondern vor allem die Gabe, schnell zu kombinieren und geistvoll zu sprechen. Witz erwies sich in der Performance. Als gewitzigt galt, wer erfahren war und das mit umsichtigem Verhalten auch zeigte.

Diese Wortbedeutung verwies noch auf das althochdeutsche Wort witz. Damit war das Wissen selbst gemeint, nicht die lustige Erzählung. Etwas von diesem Sinn ist auch in dem Begriff Wittheit enthalten. Die Wittheit zu Bremen ist ein Verein, der sich seit 1924 den Wissenschaften widmet.

Ich finde es schade, dass sich dieser Sinn des Wortes Witz nach und nach verloren hat. Natürlich weiß heute jeder, was ein Witz ist. Was hingegen Witz meint, ist nur noch wenigen bewusst. Das Wort ist deshalb beides – ein Wort, das heute zum Wortschatz des Alltags gehört und zugleich ein altes Wort, das im Begriff ist, ganz verloren zu gehen.

Ich mag keinen Aberwitz oder Irrwitz. Einem Witz höre ich gern zu. Ich muss mir nicht vor Lachen auf die Schenkel klopfen. Mir genügt es schon, wenn ich schmunzeln kann, weil der Witz mit Witz erzählt ist.

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