Norderney  Norderney für Kinder, Senioren, Familien im Test: Insider-Tipps und Preise

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 15.07.2023 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In den Schlafstrandkörben auf Norderney kann man komplett in den Entspannungsmodus schalten und vergisst die Zeit. Foto: dpa
In den Schlafstrandkörben auf Norderney kann man komplett in den Entspannungsmodus schalten und vergisst die Zeit. Foto: dpa
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Ist Norderney der schönste Badeort für Kinder, Familien und Senioren im Norden? Wir testen und Sie entscheiden, wo man im Norden am besten Urlaub machen kann. Stimmen Sie ab und gewinnen Sie tolle Preise.

Im Rahmen unseres großen Sommerspezials „Urlaub mal anders“ suchen wir den schönsten Badeort im Norden. Unsere Reporter stellen 15 Urlaubsorte vor. Weiter geht es heute mit der ostfriesischen Insel Norderney. Hier können Sie abstimmen. Unter den Teilnehmern verlosen wir tolle Reisen.

Morgens um sieben gehört die Wiese vor dem Conversationshaus den Kaninchen. Zu Dutzenden sitzen sie da und grasen vergnügt – tagsüber, wenn die Touristen die Wiese kapern und die Musiker die Konzertmuschel, ist von ihnen nichts mehr zu sehen.

Morgens um sieben in Norderney, da tummeln sich also Kaninchen, einige frühe Gäste mit ihren Hunden und das Inselpersonal, das sich um leere Mülltonnen kümmert und die Insel langsam auf einen neuen Sommertag an der Nordsee mit vielen Gästen und ordentlich Trubel vorbereitet.

Das Conversationshaus ist so etwas wie der Mittelpunkt Norderneys. Der eindrucksvolle Bau beherbergte einst die hannoverschen und später preußischen Monarchen und dient heute als Ort der Zusammenkunft: Hier ist die Touristinfo untergebracht, es gibt eine Bar, eine Bibliothek und verschiedene Veranstaltungsräume.

Und: Abends auch mal eine Gutenachtgeschichte für die ganz Kleinen. Die liest Bernd Krüger vor. Der 75-Jährige war 40 Jahre in der Inselverwaltung tätig und ist heute der „Ausrufer“ von Norderney: Mit seinem blauen Umhang, der Mütze und der Glocke steht er den Kurgästen Rede und Antwort über alles, was die Insel betrifft. Der „Ausrufer“ ist eine historische Berufsbezeichnung, er machte die aktuellen Neuigkeiten bekannt in Zeiten, in denen eine Zeitung die Insel erst spät oder gar nicht erreichte.

Was das Schönste an Norderney ist, vermag er kaum zu sagen vor lauter Lokalpatriotismus: Sein Garten, ja, mit 150 Gartenzwergen, der fällt ihm zuerst ein. „Aber das kann man ja nicht sagen“, sagt Krüger und grinst vergnügt. Die Insel biete eben für jeden etwas, da ist es schwer, das Beste auszuwählen.

Und tatsächlich: Blickt man sich so um an diesem Montag im Juli auf Norderney, fällt auf: Alle Altersgruppen sind vertreten. Kinder toben mit ihren Eltern auf der Wiese, wo morgens noch die Kaninchen grasten – Jugendliche ziehen gemeinsam durch den Ort, der auch für Shoppingwillige erstaunlich viel Auswahl hat für so eine Insel. Paare jeden Alters schlendern durch die Stadt und bevölkern die Lokale, und auch viele Senioren bahnen sich ihren Weg mit ihren Rollatoren.

Man kann alles tun, was man von so einer Nordseeinsel erwartet: Lange Strandspaziergänge, geführte Wattwanderungen, Fischbrötchen essen und den noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm besichtigen. 252 Stufen führen hinauf, der Eintritt kostet 3,50 Euro. Oben erwartet die Besucher ein spektakulärer Blick über das Weltnaturerbe Wattenmeer.

Norderney gilt als „Königin der Nordsee“, die Insel war das erste deutsche Nordseebad. Eine halb-rühmliche Ausnahme unter den Ostfriesischen Inseln obendrein, den sogenannten „Bäder-Antisemtismus“ der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte die Insel zumindest bis 1933 nicht mit. Anders als etwa Borkum warb Norderney nicht damit, einen „kiesel- und judenfreien Strand“ zu haben. Grund genug, der Insel mit Sympathie zu begegnen.

Der Inselort selbst: Prachtvolle Hotelbauten der Jahrhundertwende neben Bausünden-Architektur der 1960er, dazwischen ein paar Nobelboutiquen, jedoch längst nicht so wie auf Sylt. Dennoch geht auch hier das Schreckgespenst der „Syltisierung“ um: Während der Wohnraum für Insulaner knapp und teuer ist, gibt es immer mehr Zweitwohnsitze und Ferienunterkünfte – unter Umständen mehr, als solch einer Insel guttut.

Das Preisniveau insgesamt ist eher gehoben, gemessen an den anderen ostfriesischen Inseln. Dafür wird den Gästen allerdings auch viel geboten: Für Kinder gibt es einen Indoor-Spielplatz – ein unschätzbarer Vorteil bei dem wechselhaften Nordseewetter –, es gibt ein Kino mit täglich wechselndem Programm, gehobene Küche und besten Barista-Kaffee, der sich hinter keiner Metropole zu verstecken braucht. Im Badehaus direkt neben dem Conversationshaus lässt sich auch jenseits der Nordsee schwimmen, Wellness inklusive.

Wer es lieber schlichter mag, kommt hier ebenso auf seine Kosten: Kneipen werben mit dem Schild „Clubs willkommen“ – das bezieht sich offenkundig auf die rudelreisende Urlauberklientel aus Nordrhein-Westfalen, die die Insel zahlreich bevölkert und gerne mit dem ganzen Verein anrückt. Die Currywurst im „Hotel Inselkönig“ wird gelobt, und zwar aus berufenem Munde: Waschechte Gäste aus dem Pott, die es wirklich wissen müssen, finden sie zwar mit rund 12 Euro inklusive Fritten reichlich teuer, befinden aber: „Wirklich gut!“

Überhaupt kommt man leicht ins Gespräch auf Norderney, was nicht nur an der ausgelassenen Urlaubsstimmung, sondern wirklich am Klientel liegt: Viele Gäste aus NRW, und das bedeutet: Gespräche von Tisch zu Tisch, zusammenrücken unterm Heizstrahler, hier bleibt keiner lange alleine. Gewöhnungsbedürftig, aber hochinteressant etwa für Schleswig-Holsteiner, die allerdings dank eigener Inseln seltener den Weg auf die Ostfriesischen finden.

Vielleicht ist der Grund, weshalb Norderney trotz eigener Gosch-Filiale niemals so enden wird wie Sylt: Hier mag es zwar etwas teurer sein, zusammengerückt wird trotzdem. Currywurst und Nordseeluft – am Strand sind sowieso alle gleich. Also für jede Altersklasse und Einkommensschicht etwas dabei.

Stimmen Sie hier für den schönsten Badeort im Norden ab!

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