Kirchengemeinde Marcardsmoor  Lutherischer Pastor Martin Kaminski wird Mennonit

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 12.07.2023 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Pastor Martin Kaminski verlässt Marcardsmoor. Foto: privat
Pastor Martin Kaminski verlässt Marcardsmoor. Foto: privat
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Der Marcardsmoorer Pastor Martin Kaminski hat seinen Rückzug verkündet. Er wird nicht nur Wiesmoor verlassen, sondern geht noch einen Schritt weiter.

Aurich/Wiesmoor - Als singender, busfahrender Pastor war Martin Kaminski erst im vorigen Jahr bekannt geworden. Im April 2022 war er von der stellvertretenden Superintendentin des Kirchenkreises Aurich, Pastorin Silke Kampen, in die Gemeinde in Marcardsmoor eingeführt worden. Jetzt verlässt Kaminski nicht nur die Kirchengemeinde Marcardsmoor, wie der Kirchenkreis Aurich mitteilt. Er habe darüber hinaus sein Arbeitsverhältnis mit der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zum 30. September gekündigt und darüber informiert, dass er auch nicht mehr Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers sein möchte.

Seit einigen Monaten hat Kaminski demnach eine Vertretungstätigkeit als Pastor in der Emder Mennonitengemeinde übernommen. Laut der Mitteilung des Kirchenkreises Aurich sowie der Landeskirche Hannover beabsichtigt er, dort ab dem 1. Oktober zu arbeiten. Martin Kaminski nehme auf seinen Wunsch hin seinen Resturlaub in Anspruch und werde deshalb ab dem 1. August nicht mehr als Pastor der Kirchengemeinde Marcardsmoor tätig sein.

Kaminski widerspricht Mitteilung des Kirchenkreises Aurich

Der Kirchenkreis Aurich und die Landeskirche werden mit dem Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Marcardsmoor dafür sorgen, dass Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen und die Seelsorge für die Gemeindeglieder sowie möglichst viele weitere Angebote der Kirchengemeinde weiterlaufen, heißt es abschließend in der Mitteilung. Bus fährt Martin Kaminski mittlerweile nicht mehr. Stattdessen hat er Ende vorigen Jahres ein Buch über seine Erfahrungen als Fahrer von Linienbussen verfasst.

Martin Kaminski betont in einer eigenen Stellungnahme, dass die Mitteilung des Kirchenkreises Aurich nicht mit ihm abgesprochen sei. Sie beruhe offensichtlich auf Spekulationen. Denn er habe sich weder zum Thema Kündigung, noch zum Thema Mennoniten mit der Landeskirche ausgetauscht.

Kirchenvorstand will nicht wieder zur Wahl antreten

Im aktuellen Gemeindebrief der Kreuzkirchengemeinde Marcardsmoor wendet Kaminski sich direkt an die Gemeindemitglieder. Seine Entscheidung zu gehen sowie die Gründe dafür seien zum Teil sehr persönlich, schreibt er. „Daher möchte ich mich dafür auch nicht rechtfertigen oder zum jetzigen Zeitpunkt ausführlich erklären, warum es für mich so nicht weiter geht.“

Die Verbundenheit durch den Glauben kenne keine Konfessionsgrenzen, so Kaminski. Das ist die einzige Andeutung auf eine Tätigkeit bei den Mennoniten in Emden.

Was genau in der Kirchengemeinde Marcardsmoor zu seinem Rücktritt geführt hat, wird auch im Gemeindebrief nicht gesagt. Es muss aber einiges im argen liegen dort. Denn auch der jetzige Kirchenvorstand kündigt im Vorwort des Gemeindebriefes an, bei der Wahl im März 2024 komplett nicht wieder anzutreten. Der Vorstand könne den Schritt von Martin Kaminski verstehen. Die Geschäfte würden fortgeführt, damit die Gruppen und Kreise sich weiter treffen könnten und weiter Gottesdienste stattfinden könnten.

Der Kirchenvorstand bittet aber darum, dass „andere Gemeindemitglieder möglichst bald Verantwortung übernehmen.“ Nüchtern heißt es am Ende des Vorworts des Kirchenvorstands, dass man sich bei Fragen zur Zukunft der lutherischen Kirchengemeinde an den Kirchenkreis Aurich wenden könne. Dieser sei nach geltendem Recht der Landeskirche dafür zuständig. „Die Mitglieder des Kirchenvorstands möchten über diese Entwicklung nicht diskutieren.“ Martin Kaminski wird am 30. Juli seinen letzten Gottesdienst in Marcardsmoor abhalten.

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