Berlin  Friedrich Merz wechselt Generalsekretär: Der Befreiungsschlag muss sitzen

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 11.07.2023 17:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Carsten Linnemann (links) übernimmt den Posten des CDU-Generalsekretärs von Mario Czaja (rechts). Foto: Imago Images
Carsten Linnemann (links) übernimmt den Posten des CDU-Generalsekretärs von Mario Czaja (rechts). Foto: Imago Images
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Ein Wechsel mit Ansage: CDU-Chef Friedrich Merz tauscht seinen Generalsekretär aus. Der konservative Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann soll von Sozialpolitiker Mario Czaja übernehmen. Für Merz ist das die Chance, wieder in die Offensive zu kommen.

Nach nur anderthalb Jahren muss Mario Czaja gehen. Der Ostbeliner hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, die CDU nach der vergeigten Bundestagswahl neu auszurichten, Parteichef Friedrich Merz strahlen zu lassen und die Ampel-Regierung das Fürchten zu lehren.

Czaja wirkte von Beginn an überfordert, konnte wenige Punkte gegen die wahrlich nicht unangreifbare Koalition landen. Er ist mitverantwortlich für das Bild der Richtungslosigkeit der Christdemokraten. Er vermochte es nicht, das Konrad-Adenauer-Haus zur schlagkräftigen Machtzentrale der Ära nach Angela Merkel zu machen.

Allein ist Czaja freilich nicht für den eher tristen Zustand der CDU verantwortlich. Das ist auch Merz selbst. Als Schatten-Bundeskanzler wird er nicht wahrgenommen. Dem rechten Parteiflügel ist er nicht kantig genug, den Zentristen läuft er zu oft der AfD hinterher. Mit dem viel jüngeren und „grüneren“ NRW-Ministerpräsidenten Henrik Wüst ist ihm in kurzer Zeit ein mächtiger parteiinterner Gegenspieler erwachsen. Von CSU-Chef Markus Söder ganz zu schweigen.

Wird es dem nächsten Generalsekretär Carsten Linnemann gelingen, Partei und Parteichef wieder ins Licht zu stellen? Wie der Vorsitzende kommt auch der künftige „General“ aus Westfalen. Beide stammen vom Wirtschaftsflügel der Partei. Beide stehen eher etwas rechts der Mitte. Als einflussreicher und selbstbewusster Chef der Grundsatzkommission war Linnemann Czaja zuletzt mehrfach in die Quere gekommen. Er wäre schon vor anderthalb Jahren gern Generalsekretär geworden, um die Partei stärker prägen zu können. Jetzt kann - und muss - er sich beweisen.

Dass Merz gerade zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause und zur Ampel-Halbzeit den Wechsel vornimmt und einen Verwandten im Geiste zu seinem wichtigsten Mann macht, das kommt kaum von ungefähr. Es wäre folgerichtig, das konservative Profil der Partei zu schärfen und Widersacher Wüst in die Schranken zu weisen. Will Merz die Chance wahren, das Kanzleramt für die CDU zurückerobern, dann musste er jetzt handeln.

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