Berlin  Sozialverband: Urlaub für viele Menschen das kleinste Problem

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 08.08.2023 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Urlaub ist für viele Menschen in Deutschland „nicht mehr drin“, beklagt die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Michaela Engelmeier. Foto: Ute Grabowsky/photothek.net via www.imago-images.de
Ein Urlaub ist für viele Menschen in Deutschland „nicht mehr drin“, beklagt die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Michaela Engelmeier. Foto: Ute Grabowsky/photothek.net via www.imago-images.de
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Das Geld reicht gerade für Miete, Energie und Essen. Der Sozialverband Deutschland beklagt, dass selbst ein paar Tage Campen für Millionen Menschen nicht mehr finanzierbar ist.

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmaier, kritisiert, dass Urlaub für viele Menschen in Deutschland mittlerweile das kleinste Problem sei – häufiger ginge es ums finanzielle Überleben. „Immer mehr Menschen fragen sich, wie sie die Miete bezahlen sollen, Strom und Gas oder den Einkauf im Supermarkt. Urlaub ist für sie in ganz weite Ferne gerückt”, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ).

„Für die Menschen, die zu unseren Ortsverbänden in die Sozialrechtsberatung kommen, geht es meistens um die nackte Existenz”, so Engelmaier. Der SoVD vertrete vor allem Rentner sowie Menschen, die von Transferleistungen leben müssen oder eine Erwerbsminderungsrente beziehen. „Und hier können wir ganz klar beobachten: durch die Folgen des Ukrainekrieges sind die Sorgen im letzten Jahr immer größer geworden. Unsere Sozialrechtsberatung ist am Limit”, sagte Engelmaier. 

Schon vor der Pandemie hätten sich rund 50 Prozent der Deutschen keinen Urlaub leisten können. „Durch die Pandemie haben viele ihre Jobs verloren, berufliche Existenzen wurden zerstört, Unternehmen sind pleite gegangen. Dann kam der Ukrainekrieg mit Energiekrise, Preisexplosion und Rekordinflation. Wer vor drei Jahren schon wenig hatte, für den reicht es heute nur noch für das Wesentlichste: Miete, Heizen, Essen. Millionen sind jetzt von einem Urlaub so weit entfernt, wie nie zuvor.” Selbst ein paar Tage Camping oder Ausflüge seien für viele Menschen „nicht mehr drin”. „Für sie ist diese Form der Teilhabe ein unerreichbarer Luxus geworden”, meint Engelmeier.  

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