Berlin  LNG-Terminal auf Rügen: Bitter für die Insulaner, notwendig fürs Land

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 07.07.2023 13:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Trotz erbittertem Widerstand soll vor der Insel Rügen ein neues LNG-Terminal errichtet werden. Foto: Stefan Sauer / dpa
Trotz erbittertem Widerstand soll vor der Insel Rügen ein neues LNG-Terminal errichtet werden. Foto: Stefan Sauer / dpa
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Robert Habeck kann beim Bau neuer LNG-Terminals das Deutschland-Tempo weiter durchziehen – gegen den Widerstand der Menschen auf Rügen und von Umweltverbänden. Das erhöht die Energiesicherheit. Wie der Grüne vorging, ist aber bedenklich.

Was Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck beim Heizungsgesetz misslang, gelingt ihm beim LNG-Beschleunigungsgesetz: Trotz wütender Proteste haben die Ampel-Fraktionen grünes Licht für den Bau neuer Industrieanlagen vor den Küsten gegeben, um Deutschland mit mehr Flüssiggas zu versorgen. Auflagen werden gesenkt, Verfahren verkürzt.

Für den Grünen-Minister ist das Brechstangenprinzip schmerzlich. Auf Rügen, wo ein Terminal im Hafen Mukran in Sichtweite des Seebades Binz hochgezogen wird, sind er und seine Partei jetzt völlig unten durch.

Ganz so schlimm hätte es nicht kommen müssen. Denn Habeck hat es völlig versäumt, die Menschen dort mitzunehmen, einzubinden. Die Ostseeinsel erfuhr zu Jahresbeginn von einem Energiemanager, was da auf sie zukommt, sie wurde völlig überrumpelt. So setzte sich der fatale Eindruck fest, in Berlin werde an den Betroffenen vorbei regiert. Das Vorgehen war ein AfD-Stärkungsprogramm.

Umstritten ist das LNG-Gesetz auch, weil die Frage, ob noch mehr solcher Anlagen und Leitungen, mit denen massiv in die sensible Ostsee eingegriffen wird, wirklich notwendig sind. Nicht alle Experten sind davon überzeugt. Nicht wenige Fachleute halten den Ausbau für übertrieben und schädlich für Umwelt und Klima. Lange Lieferverträge bedeuten, dass noch viele Jahre Flüssiggas angelandet und genutzt und damit viel CO2 in die Luft geblasen wird. Und all die Versprechen, die gewaltige Infrastruktur könne bald quasi auf Knopfdruck auf Wasserstoff umgestellt werden, werden in Zweifel gezogen.

Habeck hätte es also besser machen können, ja müssen. Zur Wahrheit gehört aber auch, und das sagt der Minister zu Recht: Wir sind noch nicht durch. Bei der Energieversorgung von Bevölkerung und Wirtschaft ohne russisches Gas kann nicht nach dem Prinzip Hoffnung verfahren werden. Es braucht Reserven. Es braucht Alternativen. Das Land muss sich für Krisen wappnen. Und dazu tragen neue LNG-Terminals bei, so bitter es für die Rügener ist. Und immerhin: Am Hafen von Mukran entstehen jede Menge Jobs.

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