Berlin Nur Hälfte der Kommunen verfügt über öffentliche Ladestationen
Deutschland hinkt beim Ausbau von Ladesäulen für E-Autos hinterher. Aus Sicht des Verbandes der Automobilindustrie bremst vor allem der langsame Netzausbau eine Erweiterung des Ladenetzes aus.
Eine Million – so viele öffentliche Ladesäulen schwebt der Bundesregierung bis 2030 vor. Bis zum April dieses Jahres registrierte die Bundesnetzagentur etwas mehr als 83.000 derartige Anlagen in Deutschland. Geht der Ausbau in diesem Tempo weiter, wird die Zielmarke deutlich verfehlt. Dass das den Hochlauf der Elektromobilität dämpfen könnte, immerhin sollen in sieben Jahren 15 Millionen E-Autos in Deutschland unterwegs sein, hat auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) erkannt.
„Da hinken wir leider hinterher“, räumt VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Gespräch mit unserer Redaktion ein. „Die Sicherheit, immer und überall laden zu können, ist für die Verbraucherinnen und Verbraucher ganz entscheidend.“ Jedoch verfüge die Hälfte der Kommunen noch über keinen öffentlichen Ladepunkt. Und Schnellladesäulen gebe es laut Müller in nur 20 Prozent der Gemeinden.
Als Grund für den schleppenden Ausbau nennt Müller den Netzausbau, „der viel zu langsam vorangeht“. In der Folge seien die Kapazitäten für Ladepunkte oftmals nicht vorhanden. Und: „Immer häufiger werden Ladepunkte nicht gebaut oder genehmigt, weil der Netzausbau es nicht zulässt.“
Aus Sicht der Autolobbyistin könnte eine konzertierte Aktion von Akteuren aus Politik und Wirtschaft Abhilfe schaffen. „Wir müssen dabei stärker auf die Kommunen schauen, denn jede Kommune hat andere Voraussetzungen und Bedürfnisse“, konstatiert die Verbandspräsidentin. Auch die Ampel-Parteien sieht sie in der Pflicht. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung müsse „schneller und entschlossener“ umgesetzt werden.
Dennoch steht Deutschland im Vergleich mit anderen EU-Ländern relativ gut da, sagt Müller. So habe Griechenland etwa halb so viele öffentliche Ladestationen wie die Stadt Hamburg. Von einem Grundsatzproblem in der EU spricht Müller. „Brüssel ist stets ambitioniert beim Beschluss von Klimazielen – was die Umsetzung und die Rahmenbedingungen angeht, ist das leider nicht der Fall.“
Es brauche mehr Möglichkeiten nachzusteuern, um die Ziele zu erreichen. Auch eine stärkeres „Monitoring“ durch die EU sei erforderlich. „Beides wird nicht gemacht und gefährdet zunehmend eine erfolgreiche Transformation“, kritisiert Müller.